Inselzeit 5.14.2018
Die Insel ist ja voller Rheinländer. Da ist es nicht zu verhindern, Zeuge der einen oder anderen Skurrilität zu werden:
„Ker, watt is datt dann – ich find mein Geld nich.“
„Kumma da, hat die Omma Dir nich jesacht, datt de das lassen sollst!“
„Hömma, da gehn wa gleich wacker nachem Häusken, woll.“
Für die Menschen auf Borkum sicher längst Normalität. Für mich fast so exotisch, wie kleinen britischen Kindern zu lauschen. Irgendwie süß. Zumal die hier zwar überall sind, aber eben nicht im Geusenweg 4.
Leider ist es mir nicht möglich, meine eigenen sprachlichen Eigenheiten aufzuschreiben. Ich höre sie schlichtweg nicht. Das ist sehr schade. Ich biete sicher auch Angriffsfläche. Und dann könnte ich weiter an mir arbeiten. Korrekte Weil-Sätze und korrekte Antworten auf verneinende Fragen sind inzwischen selbstverständlich für uns. Mit letzteren können wir die Mitmenschen außerhalb unserer sozialen Gruppe noch immer verwirren.
Heute bin ich schon um sechs aufgewacht. Es deutete sich bereits sechs Stunden vorher an: Halsweh und ein Schnupfengefühl. Ätzend. Vielleicht fehlte gestern doch der Gin?
Die voreingestellte Wettervorhersage verheißt weiterhin nur Gutes: 20 Grad und Sonne. Wo die Temperatur gemessen wird, ist mir allerdings ein Schleier, es wird deutlich wärmer, auch im Schatten. Aber ich klage nicht wirklich, habe ich doch heute sogar mein schwarzes Shirt angezogen. Irgendwann muss ich ja, denn die Auswahl ist naturgemäß begrenzt. Einer trägt hier bislang nichts anderes – harter Kerl!
Bevor es im Programm weitergeht, das heißt noch weitere Personen auf der Bühne erscheinen, lese ich mein analoges Strandbuch weiter. Liegt vielleicht an der Urlaubsstimmung, aber es ist wirklich gut. Die letzten Wochen in Hamburg konnte mich nichts so recht begeistern (außer der American Hero). Jedenfalls ist der „Memory Man“ von David Baldacci spannend und gut erzählt. Der Titel ist eher blöd und es klebt so ein Aufkleber auf dem Cover, der mir mitteilt, dass dieser Autor schon einmal einen Platz auf der Bestenliste einer Zeitschrift landen konnte, deren Autoren es regelmäßig nicht schaffen, mich bei der Stange zu halten. Sie können sich nicht kurz fassen, obwohl die meist hochpolitischen Inhalte dringend eine klare und knappe Aufbereitung nötig haben, damit sie gern gelesen werden. Ich fühle mich beim Lesen immer gleich belehrt und kann mich der Arroganz, die die Texte immer ausstrahlen, nicht erwehren. Gekauft habe ich das Buch trotzdem, weil Herr Baldacci mich schon zweimal überzeugen konnte. Er enttäuscht mich auch diesmal nicht. Der Protagonist ist ein ziemlich derangierter ehemaliger Detective, dem das Leben übel mitgespielt hat. Solche Typen sind mir immer gleich sympathisch, besonders wenn sie noch dazu intelligent sind und einen leicht morbiden Humor haben. Bei den skandinavischen Ermittlern fehlt es mir oft an der Stehaufmännchenmentalität. Die suhlen sich meist in ihrem Elend und lassen sich immer so leicht von ihrem Fall ablenken, wenn die Verlockungen des Alkohols oder anderer Rauschmittel ihren Weg kreuzen. Oder sie verbreiten den ganzen Fall hindurch so eine depressive Stimmung, dass es mich immer derart runterzieht, dass ich hinterher keinen Krimi, sondern etwas lustiges lesen muss. Im Prinzip lasse ich inzwischen die Finger von den skandinavischen Krimireihen um eine solche Hauptfigur herum.
Beim heutigen Frühstück mit Brötchen und Pancakes! nahm unsere Konversation den Weg von Ovids Metamorphosen über Kingsman bis hin zu Herrenhaarschnitten. Leider verfüge ich nicht über ein so gutes Gedächtnis, dass ich mir diese Entwicklung im Detail besser merken kann. Daraus ließe sich sicher eine gute Geschichte schreiben.
Mittags wurde gedöst, gelesen und gespielt (digital). Nach dieser Einheit sind wir alle zum Oststrand gefahren. Vor Ort trennte sich sogleich die Spreu vom Weizen: Eine Familie suchte den Schatten, die andere die pralle Sonne. Ein Snack wurde aber von allen im Schatten eingenommen.
Der Strandspaziergang führte ob der schutzlosen weiten Fläche dann zur endgültigen Trennung. Für die Islandliebhaber oder Jammerlappen bedeutete es Abbruch und Rückkehr zur textilbedeckten Zivilisation. Schnell noch ein paar Dinge einkaufen und das Essen vorbereiten! Auf die Strandläufer wartend konnte einer von uns sogar noch mehr Textil in Form einer Jacke anlegen, weil das Klima auf der Terrasse so herrlich war!
Gegen sieben dann das Abendessen:

Als alle satt und zufrieden waren, kam die unvermeidliche Frage: Spielen wir was? Und ja, es folgten zwei Runden SkipBo. Die Muddis haben gelesen. Mein Buch ist nun ausgelesen. Ich muss Morgen nach Teil zwei im Buchladen suchen. Hoffentlich erfolgreich – diese 🐷 🐷 vom Verlag – haben gleich eine Leseprobe eingeheftet. Die haben mich in der Hand. Buchstaben können einen Suchtfaktor haben.
Ich bezweifle, dass noch ein Film geguckt wird. Und wieder kein Alkohol.
Wann kommt endlich unser Koffer mit zwei Büchern? Wenn er noch kommt, dann wird es wie Weihnachten: Einhorn, Unterhosen, Bücher, Saunazubehör, Pürierstab. Vielleicht noch mehr, ich bin nicht Amos Decker (Ermittler siehe oben) und habe nicht alles im Gedächtnis gespeichert.