Inselzeit 7.14.2018
Eine gerade veröffentlichte Studie beschäftigt sich mit den Folgen des Verhaltens der „Drinnen-Generation“. Wo das Lesen des Landlust-Artikels über die Salzwiesen Norddeutschlands den Urlaub ersetzt und auf der anderen Seite die Hardcorecamper Schwierigkeiten haben, ihre verschrobenen Verhaltensanpassungen in der U-Bahn wieder abzulegen (Bitte auch an Werktagen Socken in den Trekkingsandalen tragen, nackte Füße von Naturliebhabern sind für die Mitmenschen eine echte Herausforderung, mindestens aber zu viel Realität für einen frühen Montagmorgen.
Auf der Insel drehen wir Dank des hervorragenden Wetters die Statistik in die andere Richtung. Von Stunde 8 bis Stunde 18 halten wir uns überwiegend (80%) an der frischen Luft auf. Mit Aktivitäten und allem, was das süße Leben so zu bieten hat für uns. Im Hamburger Alltag entspricht wohl nicht einmal das umgekehrte Verhältnis den Tatsachen. Dort bekomme ich schon einen Sonnenbrand, wenn ich bei Sonnenwetter unvorbereitet 2, 3 Kilometer shoppend unterwegs bin.
Die Einweg-Leerguttasche im Küchendurchgang entwickelt sich zu einer richtigen Plastik (Ha!), die in ihrer zufällig konstruierten Fragilität für vieles stehen könnte: Den Gesundheitszustand der Erde beispielsweise, den wir durch bewusstes Vermeiden und Kaufen bestimmter vermeintlich einwandfreier Produkte zu verbessern versuchen, uns aber gleichzeitig schmerzlich bewusst sind, dass dies weniger als ein Tropfen auf dem heißen Stein bedeutet, solange die unzähligen Schurkenstaaten, allen voran die USA, Russland und China sich einen Dreck um das Wohl des Ökosystems scheren. Ich für meinen Teil kann aber nicht mehr zurück, wenn ich eine Verhaltensweise erst einmal abgelegt oder mir angeeignet habe. In diesem Punkt kann ich nur hinzufügen, nichts mehr löschen. Das trägt natürlich dazu bei, dass ich innerhalb und außerhalb der Familie angreifbarer bin, denn nicht immer stoßen meine gelebten Weisheiten auf Verständnis. Lächerlichkeit ist an der Stelle noch die geringste Folge. Aber wie Sheldon Cooper es so schön ausdrückte: „Was wär das Leben ohne Schrullen!“
Nach dem späten (10:30 Uhr) und wieder ausgiebigen Frühstück kam der heutige Rebus auf den Tisch:

Ein Klassiker! Vielversprechend!
Ansonsten kommen wir heute Vormittag nicht mehr in die Gänge. Joggen und Einkaufen werden auf den späten Nachmittag verschoben. Zuerst Minigolf und dann an den Strand. Minigolf ohne mich natürlich, das ist mir zu langweilig.
Das Einkaufen wird heute eine größere Sache, denn wir fürchten den Neuankömmlingansturm auf den Supermarkt am späten Samstag. Deshalb soll schon heute alles rangeschafft werden. Bis die Bollerwagenachse bricht! Die Schokolade kauft heute auch jemand anderes, denn ich wurde nach einem Kilogramm wiedererkannt und es ist mir etwas unangenehm, keine 48 Stunden später schon wieder Nachschub zu besorgen. Auch wenn es heute nur sein muss, weil man ja nie weiß, was Morgen an Kauflust auf die Insel gespült wird. DDR im Schokolädchen wäre fatal.
Genauso fatal und noch nie da gewesen wäre eine Unterversorgung mit Schokocreme. Die Bremer Creme gibt es wenigstens mit Haselnüssen und wurde für „ok“ befunden. Das Ostprodukt stand gestern auch noch sechsfach im Regal. Aber wenn nun viele heimatverbundene Gäste kommen am Samstag? Wie mein Geschichtslehrer schon 1988 vor dem Klassenausflug sagte: „Nehmen Sie genug Lebensmittel mit – nicht, dass die Ostzonalen uns alles wegfressen.“ Sowas darf sich heute sicher kein Lehrer mehr leisten. Das gäbe einen Aufruhr.
Sind der Respekt und das Heraufschauen zum Lehrkörper eigentlich im gleichen Maße gesunken wie die Aufsässigkeit und die mangelnde Ehrfurcht gestiegen sind?
Ich hatte früher von allem etwas. Je nach Lehrer hatte ich Respekt oder eben nicht. Wenn ja, habe ich mich gut benommen und gespurt. Wenn nein, war ich nicht die einzige, die so empfand und der arme Mensch hatte ganz schön unter uns zu leiden.
Genug der Abschweifung.
Mittags ging es zum Minigolfen. Ohne Muddis, die hätten sich, wie bereits ausgeführt, bloß gelangweilt. Hätte ich einen Garten, könnte darin neben einem Zen-Sandkistchen gern eine Minigolfanlage installiert werden. Sparte die Rasenpflege (die Wege würde ich anders auslegen, Kies vielleicht, das knirscht so schön). Und wenn daran alle so viel Spaß haben, wie sie im Urlaub immer behaupten, könnte man jeden Abend trainieren. Wo der Spaß herkommt, weiß ich nicht, aber ich finde, so eine Anlage versprüht unheimlich viel desolaten Charme: Ausgeblichene Kunststoffteile, eingerissene Netze, rostige Metallteile und die unvermeidliche Schrabbelspur vom jeweiligen Abschlag. Ich stelle es mir ganz witzig vor, diesen Anblick von der Terrasse aus zu bewundern. Fast wie in Banksys Dismaland. Das hätte ich auch zu gern besucht. Es war aber leider wie die Werke vieler neuzeitlicher Künstler nur von begrenzter Dauer.
Die fünf waren ganz schön lange weg, über die Dauer eines Nickerchens im Garten, die Restlaufzeit der Waschladung (die dann unter idealen Bedingungen im Garten trocknete, weil niemand mit gesundem Menschenverstand den Trockner einschaltet und das Haus verlässt), der Fahrt über die Apotheke inklusive einer kurzen pharmazeutischen Beratung, des teilweisen Aufbaus des Strandlagers, eines tiefgreifenden Gespräches und der Abwägung, ob der Gang ins Strandbüdchen lohnt oder nicht.
Die heutigen Köche hatten dann die A-Karte gezogen: Sie haben den Monstereinkauf zu zweit bewältigt. Allerdings irgendwie freiwillig und als ich nach Hause kam, war der Kühlschrank sehr voll! Schön, dass wir noch so viele Tage vor uns haben. Es schleicht sich ja schon immer etwas Wehmut ein, wenn die Tage gezählt sind und nicht mehr nach Lust und Laune eingekauft werden kann, sondern es ans Resteverwerten geht.
Während ich schreibe, weht ein BBQ Duft herüber und der Tisch füllt sich mit leckeren Speisen wie zweierlei Nudelsalat und einem exotisch anmutenden blattgrünen Salat mit Erdbeeren. Außerdem erklingt kubanische Musik und ich lege erstmal eine Pause ein.
Satt und zufrieden sind wir ins Wohnzimmer umgezogen. „Draußen“ heute also bis 19:30 Uhr, aber dann wurde es etwas kühl.
Es wurde auch entschieden, heute Star Trek Teil 2 zu gucken. Supi – der Cumberbatch und seine bösewichtigen Monologe. Es geht zwar nicht im Original, aber Sascha Rotermund ist eine würdige Synchronstimme.
Es dauert allerdings noch etwas, denn die Jogging-Einheit hatte heute noch keinen Platz, die wird noch vor dem Hauptfilm nachgeholt.
23:30 Uhr – alles erledigt !
Morgen auf ein Neues!