Egelieschmarn

Inselzeit 10.14.2018

Trotz der unheimlichen Bedrohung der Datenkrallen – niemand hat darum gebeten, den Blog einzustellen oder den Inhalt zu neutralisieren. Heute deshalb nicht ganz direkte und verblümte Charakterisierungen. Mal sehen, wer sich wiedererkennt.

1.

Er bewegt sich leichtfüßig, nahezu lautlos. Er ist plötzlich einfach da oder einfach weg. Selbst wenn er da ist und für sich, ist er trotz möglicher Nahrungsaufnahme kaum wahrzunehmen. Er verschmilzt mit jeder Sitzgelegenheit wie ein Chamäleon, dabei mit einer Gelenkigkeit, die einen passionierten Yogi neidisch werden lässt. Grundsätzlich kein Mann vieler Worte. Es bedarf eines Themas, dass seine Begeisterung hervorruft, damit aus wohldosierten, oft von Ironie oder Sarkasmus gefärbten Beiträgen ein Redeschwall von mehr als 100 Worten wird. Aus denen ist dann aber klar zu entnehmen, dass ihm die Sache am Herzen liegt. Faszinierend.

2.

Trotz seiner fast Gegensätzlichkeit zur Nr.1 ist er dieser dennoch sehr zugewandt. Diese Auffälligkeit ist auch charakterisierend. Auf der einen Seite repräsentiert er das Ruhige und Gleichmäßige der Gruppe. Jede Tätigkeit hat ihre Tageszeit. Hektische Entscheidungen oder Aktivitäten sind ihm fremd. Digitale Zerstreuung am Morgen und Abend, vorzugsweise in liegender Position. Analoges Gehirntraining verteilt über den Rest des Tages mit Stift und Papier. Auf der anderen Seite schränkt diese kaphaesque Lebensauffassung seinen Lebensradius aber in keiner Weise ein. Er ist stets offen gegenüber der Selbstreflexion und reagiert, auch wenn es unbequem ist, sofort: „Morgen bringe ich das Leergut weg.“ Außerdem weiß er um die glückssteigernde Wirkung einer gemäßigten (Achtung Radarfalle!) Radtour, wie er sie jeden Morgen antritt.

3.

Ganz anders als Nr.2 täte Ihr Gehirntraining ganz gut. Muss sie sich doch immer alles notieren, Pläne und Listen niederschreiben. Das Geregelte ist ohnehin sehr wichtig. Der Koffer ist kaum ausgepackt, da läuft in Gedanken bereits die erste Waschmaschine. Ihr Tagesablauf ist geprägt von aus ihrer Sicht notwendigen Tätigkeiten, an die sie sich sehr ungern von automatischen akustischen Signalen erinnern lässt. Aktivitäten können sie nur locken, wenn sie einen kulturellen, bildenden Aspekt haben. Dann kennt die Begeisterung aber kaum Grenzen.

4.

Er vereint so einiges an bereits genanntem. Stets ausgleichend ruhig wie allzeit aktiv. Das analoge Gehirntraining kann auch in brettspielgeselliger Runde erfüllend sein. Auch abseits sitzender Aktivitäten muss man ihn nicht zweimal bitten, dabei zu sein. Die anpackende Mentalität ist im Notwendigkeitssektor (vgl. Haushalt) ebenso zu beobachten wie auch im Freizeitsektor. Durch letzteres konnte ihm bereits mehrfach der Titel „Held des Tages“ verliehen werden.

5.

Mit zwei langen, sehr sportlichen Beinen gesegnet, ist sie aber auf vier Beinen erst wirklich glücklich. Darüber hinaus kennzeichnet sie eine bemerkenswerte Tierliebe, die sich auch auf Kriechtiere und Insekten erstreckt. Anders als auf ihre gleichaltrigen Gefährten übt die digitale Welt auf sie keinen nennenswerten Reiz aus. Sie legt ihren Schwerpunkt auf die Familie und versucht zu jeder Zeit ganz selbstlos, die Gruppe zusammenzuhalten und für gemeinsame Aktivitäten zu gewinnen.

6.

Sie repräsentiert die im klassischen Sinne schönen Künste. Von je her entstammen ihren Händen Werke von hoher Qualität. Auch ist sie der Literatur zugewandt und hat dadurch schon vor ihrer Zeit Geschichten lauschen können, als diese anderen noch schlaflose Nächte bescherten. Gleichzeitig hatte sie empfindsame Augen und selbst 70er Jahre Zeichentrickserien aus der Welt der Fauna waren zu brutal. Das ist inzwischen überwunden, sehr zur Freude ihrer Eltern ist es von schonungsloser Dystopiedarstellung nur noch ein kleiner Schritt zu allem, was man aus Hamburger Sicht gesehen haben sollte.

7.

Sie hat die Fähigkeit, das optimale Verhältnis zwischen eigener Erholung und dem Wohlbefinden der Gruppe auszuloten und auszunutzen. Wie spannend das Buch auch gerade ist, für ein Sandeis oder ein versprochenes Spiel kann sie der literarischen Welt ohne Umschweife entfliehen, voll dabei sein und anschließend wieder einen Mörder jagen. Nach eigener Aussage sind die Begleiterscheinungen ihrer Erwerbstätigkeit verantwortlich für den ganzjährigen Urlaubsteint, der sich von allen anderen abhebt. Andere Quellen vermuten, dass es am südlichsten Geburtsort liegt.

Der heutige Rebus:

Ist schwieriger als angenommen, zumal das Ergebnis noch keine Begeisterung ausgelöst hat: „Gibt es nichts leckeres?“

Dazu werden noch Fleischpflanzerl gereicht, um es genießbar zu machen.

Das Frühstück heute wieder gegen 10 Uhr, wobei erst sehr spät Leben in die untere Etage kam. Danach fand ob der späten Stunde ein nahezu fluchtartiger Aufbruch der Vier statt, um noch die verbleibenden 15 Minuten vor der Mittagspausenschließung zu nutzen. Die Drei lasen noch die Zeitung, kauften ein und fuhren dann ins Borkumer Aquarium. Eine niedliche Stätte mit doppelt besetztem, überdimensioniertem Empfangstresen. Der geneigte Besucher hätte bei voller Sehkraft gleich von dort alle Exponate betrachten können. Es ist wirklich nicht sehr groß. Aber liebevoll gestaltet und es gibt alle Bewohner der nassen Inselregion zu sehen. Ich mag Aquarien – zu Hause oder die gebührenpflichtigen. Leider machen sie zu Hause viel Arbeit und brauchen Platz, den wir dafür nicht hergeben wollen. Sonst hätte ich gern eins. Am Liebsten mit Seepferdchen.

Nach dem Abendessen haben wir eine Runde „Krazy Wordz“ gespielt- das ist immer wieder nett.

7 Minuten vor dem Sonnenuntergang sind fünf von uns noch einmal für einen Sundowner Schrägstrich Moonupper (sieht geschrieben noch viel besser aus) zur Promenade gefahren, das war sehr schön.

Die versnobten Hamburger entschuldigen sich hiermit auch in aller Form für jedwede diskriminierende Äußerung hinsichtlich der Kleiderauswahl anderer Gruppenmitglieder. Wir werden schon noch andere Merkmale finden, um die Gruppe positiv von der Außenwelt abzugrenzen. Wenn wir Herrn Bezos unterstützen können, dann auch Herrn Bohlen.

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