Bahnfahren kann total entspannt sein – wenn die Bahn denn fährt. Wenn nämlich nicht, dann ist es eine Katastrophe. Man ist schnell mitten in der Pampa gestrandet und man ist ja nicht allein. Die Menschenmassen, die so ein Zug dann ausspuckt, können nicht alle mit einem Taxi o.ä. bedient werden. Und mit einem Regionalzug hält man eben auch in Orten, die noch nicht einmal mit Gastronomie in Bahnhofsnähe aufwarten können. Grauenhaft. Der moderne Mensch läuft dann ja nicht zu Fuß Richtung Heimat, schon wegen des Gepäcks nicht.
Ich habe mich gestern gefragt, ob es auch eine deutsche Eigenart ist, derart über die Bahn und ihre Unzulänglichkeiten zu schimpfen? Angefangen mit der Unpünktlichkeit. Bei Verbindungen ohne Umsteigen ist das zwar ärgerlich, aber in der Regel kein Problem. Kommt auf das Ziel an. Will man ein Konzert besuchen, sollte man eben einen großzügigen Puffer einbauen. Bei Umsteigenotwendigkeiten ist das schon eine schlimmere Sache, weil die Anschlussverbindung gefährdet ist. Und im nächsten Zug hat die Platzreservierung keine Gültigkeit mehr…
Die Anfälligkeit für wetterbedingte Schäden auf der Strecke, oder technische Mängel am Zug können doch aber kein spezielles DB-Problem sein. Das wird es doch in Europa oder der Welt überall geben? Schimpfen die anderen Nationen auch so viel darüber? Die Franzosen und Spanier, die gehen auch noch ständig streiken, das muss die Fahrgäste schier wahnsinnig machen. Bei uns jedenfalls sind die Stimmen immer sehr laut und deutlich zu hören, wenn es was zu meckern gibt bei der Bahn. Vielleicht sind wir zu verwöhnt. Ich weiß es nicht.
Wenn ich außerdem noch an die Umwelt denken möchte und aus diesem Grund mit der Bahn reise, bin ich jetzt erst einmal wieder bedient. Das Auto scheint mir im Augenblick viel verlockender zu sein. Was hätte ich mich gestern aufregen können! Ich war total „aggro“. Der Tag war vollkommen im Eimer.
Zu allem Überfluss hat der Taxifahrer am Hauptbahnhof auch noch einen Charme versprüht, der unsere Stimmung auf keinen Fall verbessert hat. Mann, Mann, Mann. Aber mit viel Verspätung sind wir dann endlich zu Hause angekommen.
Nun musste der Kühlschrank nach zweiwöchiger Abwesenheit wieder gefüllt werden. Also noch einmal aufbrechen zum Einkaufen. Wenigstens ist das am Samstag kurz vor 20 Uhr in Hamburg kein Problem, bis 24 Uhr hätte ich noch Zeit. Ich schließe also die Garage auf und während ich das Tor hochschiebe, regnen eine zweiwöchige Ladung Birkengedöns, Blätter und zwei Spinnen auf mich herab – ich bin den Wuttränen nahe. Alles abgeklopft, sitze ich aber endlich im behaglichen Cockpit unseres wunderbaren Autos. Es ist sauber, kein unangenehmer Geruch wabert herum, der Motor schnurrt und die Musikanlage findet sogleich mein Telefon und setzt an, mich mit dem Tag zu versöhnen: Ein wunderbares Stück von Morrissey erklingt! Ich hätte selbst keine bessere Wahl treffen können. Und ich habe es auch nicht, wenn ich nämlich keine Playlist oder kein Album anwähle, wählt das Gerät selbst und fängt irgendwo an, zaubert aus dem gesamten Musikbestand etwas hervor. Das hätte also auch ein Hörbuchkapitel sein können oder etwas total blödes. Aber auf den Wagen ist Verlass! Anschließend schwenkt er zwar um auf ein Weihnachtslied (immerhin ein sehr schönes von Jamie Lawson), aber er ist wie ich ein Januarkind und scheint zu spüren, wie sehr ich mich jetzt auf den Herbst freue, ich habe ja gerade die Klimaanlage auf 21 Grad reguliert – weil ich es kann!