Gerade wurde eine Studie veröffentlicht, die aufzeigt, dass Salz gar nicht so schädlich ist, wie lange angenommen. Die Frauen in China essen sehr salzhaltig und leben übrigens länger und gesünder als Europäerinnen. Ja, das hat natürlich verschiedene Gründe. Aber das Salz ist eben einer davon.
Ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung schreibt dazu, dass es vermutlich trotzdem nichts am Verhalten der Menschen ändern wird. Denn ernährungswissenschaftliche Irrtümer halten sich immer sehr hartnäckig. Da muss ich ihm Recht geben.
Generationen wurden aufgrund eines Kommafehlers zum Spinatkonsum genötigt. Ärzte geben Ernährungsratschläge, die jeglicher wissenschaftlichen Basis entbehren. Und trotzdem glaubt man ihnen. Und wehe, du setzt dich darüber hinweg und sprichst offen darüber! Je nach deinem Gegenüber können die folgenden Anfeindungen beachtlich sein. Es ist mir ein Schleier, warum der zivilisierte Mensch immer gleich wie ein Missionar auftritt und andere nicht einfach essen lässt, was sie wollen. Muss es mich wirklich interessieren, dass mein Kollege nun Veganer ist? Ich kann höchstens sagen: Tut mit leid für dich. Aber mehr steht mir eigentlich nicht zu.
Problem Nr. 1 ist schon mal, dass er es mir erzählt. Vielleicht gibt es dafür einen Grund: Berücksichtigung bei der Restaurantwahl, oder das Ablehnen des Geburtstagskuchens. Aber ob mit oder ohne Grund, ist das sofort Gesprächsthema und wird ausführlich erläutert.
Ich halte mich für einen toleranten Zeitgenossen und höre mir den Vortrag gern an. Ich bin auch stets offen für Veränderungen. Durch eine Dokumentation beispielsweise, die ich nicht einmal selbst gesehen habe, versuche ich weitgehend den Palmölverzehr zu vermeiden. Aber warum habe auch ich das Bedürfnis, den Verzicht zu erklären und im Idealfall andere mit ins Boot zu holen? Ich könnte einfach sagen: Danke, das möchte ich nicht essen. Ende. So läuft es aber nie ab.
Die Nahrungsaufnahme scheint uns alle zu einen und deshalb möchten wir unsere Philosophie wohl unbedingt teilen. Ein Aufkleber auf einem SUV vor mir teilte mir heute Morgen mit: Meat is murder. Vielleicht suchen wir auch Bestätigung und Zuspruch.
Daran ist gar nichts schlechtes. Es wäre doch schön, wenn möglichst viele Menschen umweltbewusst einkaufen. Es ist einfach schwierig, weil keine der mir geläufigen Verhaltensregeln DIE eine richtige ist. Alles hat zu jeder Zeit Vor- und Nachteile.
In meinen Weltverbessererteenagertagen habe ich den Standpunkt vertreten, dass allein die Flora und Fauna unsere Hilfe brauchen. Die Menschheit kann und soll sich selbst helfen. Stimmt wohl irgendwie. Aber es hängt doch alles zusammen. Und es ist alles so furchtbar kompliziert.
Was kann ich also tun? Ich bleibe dabei und glaube weiter an Bio-Lebensmittel und ich versuche mehr und mehr, den Kunststoffkonsum zu vermeiden. Deshalb keine kunststoffverpackten Gemüsegebinde mehr und auch keine aufblasbaren Einhörner. Willy forever! Der hält hoffentlich noch eine Weile.
Zum Schluss lasse ich Euch stehen mit einem Zitat aus „The normal heart“:
„Zucker ist das Wichtigste, alles weitere dient nur der Lebenserhaltung.“