Lesen!

Habe ich es schon erwähnt? Mein größtes Hobby ist das Lesen. Ich mag auch Filme und Serien und obwohl das Lesen anstrengender ist als die Berieselung durch bewegte Bilder, ziehe ich das Buch immer vor.

Man sucht es sich nicht aus und selbst das tägliche elterliche Vorbild oder das Immervorhandensein von Lesestoff in jedweder Form führen nicht dazu, dass ein Kind gern liest. Bei mir war das aber immer der Fall. Schon als Kind habe ich gern gelesen. Zu Beginn meines Leselebens hatte ich etwa 10 Bücher, die ich sicher bereits auswendig hätte mitsprechen können. Der Text war ja groß geschrieben und nicht allzu komplex. Aber ich habe es trotzdem geliebt, sie wieder und wieder zu lesen. Auch in diese kleinen einschichtigen Welten bin ich gern eingetaucht. Wir sind außerdem immer in die Bücherei gegangen und haben Bücher ausgeliehen. Etwas, dass heute viel weniger verbreitet ist. Ich selbst gehe auch nicht mehr hin. Ich kaufe neu oder lade herunter. Eigentlich schade. Aber schon der örtliche Buchhändler in meiner Heimatstadt wird darüber froh gewesen sein. Und als ich dann in München das erste Mal in der riesigen Hugendubelfiliale war, oder bei Foyles in London! Meine Güte, so viele Bücher! Da gab’s kein Halten mehr, ich habe gekauft, soweit das Budget es zuließ.

Allerdings muss ich sagen, dass ein neues Buch für mich schon immer etwas ganz wunderbares war und ist. Ein neues Buch schlage ich immer zuerst auf und atme diesen einmaligen Duft von Papier und Farbe ein. Dieses Erlebnis kann recht unterschiedlich ausfallen. Kinderbücher mit hochwertigem, dickerem Papier und viel Farbe riechen viel besser als Taschenbücher. Am Schönsten ist es mit Schulbüchern. Einfach herrlich. Britische oder Amerikanische Bücher müffeln übrigens. Dort wird wohl überwiegend minderwertiges Papier verwendet und die Bücher sind nicht sehr haltbar. Schon nach wenigen Monaten sind sie vollkommen verblichen und fangen an zu stinken. Da bin ich froh, dass es sich in Deutschland anders verhält.

Einige Verlage haben vor Kurzem eine Studie im Auftrag gegeben, um das Leseverhalten von Kindern zu untersuchen. Überraschenderweise ist dabei herausgekommen, dass Kinder immer noch gern lesen und Zeitschriften und Bücher der elektronischen Unterhaltung sogar vorziehen. Ich habe meine Zweifel zumindest an der angeblichen Klarheit der Ergebnisse, weil der Blick hinter die Kulissen zum Beispiel verrät, dass Kinder im Alter von 3 bis 6 total auf Zeitschriften abfahren. Also ich konnte seinerzeit nur beobachten, dass das Spielzeug, das auf dem Heft klebte, super ankam. Das Heft blieb meistens ungelesen. Vorlesen wollte ich den Schund nicht und selbst lesen ging ja noch nicht. Das änderte sich erst mit dem erstmaligen Erscheinen von „GeoMini“. Kein Plastikmüll darauf und die Aufmachung sehr ansprechend. Das habe ich gern vorgelesen. Aber ich will nicht meckern – wenn die Jugend heute noch gern liest, umso besser.

Und im eigenen Haushalt war und sind Geschichten das Allergrößte! Der Konsum kann ja auch über die Ohren erfolgen, dagegen ist nichts einzuwenden. Der Markt ist inzwischen riesig und es gibt begnadete Vorleser: Stephen Fry, Dietmar Wunder, Stefan Kaminski, Jens Wawrczeck, Christian Tramitz – um nur einige zu nennen.

Das wichtigste aber sind die Autoren, die Welten schaffen, in die ich zu jeder Zeit und in jeder Situation eintauchen kann. Oder die einen Lebensweg so fesselnd beschreiben können, dass ich mich kaum vom Buch lösen kann. Das hat einen hohen Suchtfaktor für mich. Inspiriert von der Filmkritik zu „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ habe ich gestern die zugrundeliegende Biografie des Cartoon-Zeichners John Callahan gelesen. Spannender, kaputter Typ. Aber nicht blöd, schwarzer Humor und darauf stehe ich ja. Das Buch gab es zu meiner Freude nur noch über Medimops und es kostete €2,49. Jeden Cent wert. Gute Ex-und-Hopp-Ware.

Ich „folge“ vielen Autoren insofern, als dass ich neuen Werken immer sehr entgegenfiebere und blind kaufe, was die so auf den Markt bringen. In den meisten Fällen ist das auch erwartungsgemäß prima. Gelegentlich ist mal ein Tiefpunkt dabei. Der „Plötzliche Todesfall“ von J.K. Rowling war so einer: Superlangweilig und zäh. Konnte ich kaum bis zum Ende lesen. Aber die kann so gut erzählen, da ging es gerade so. Und als Robert Galbraith hat sie dann einen Detektiv erschaffen, der alles wieder ausgleicht – im September erscheint Band 4!

Zu Schulzeiten habe ich angefangen, mir von jedem Literaturnobelpreisträger wenigstens ein Werk vorzunehmen. Das ist eine recht schwierige Sache. Denn oft sind das Schriftsteller, die Sachen schreiben, die mich überhaupt nicht ansprechen. Günter Grass zum Beispiel oder Herta Müller. Aber manchmal sind Künstler dabei, die ich sonst nicht entdeckt hätte: Toni Morrison, Selma Lagerlöf, Halldór Laxness oder ganz frisch ausgezeichnet: Kazuo Ishiguro, der hat „Was vom Tage übrig blieb“ geschrieben. Kannte ich bis dahin nur durch die wunderbare Verfilmung mit Anthony Hopkins und Emma Thompson. Aber das Buch ist ein Kracher! Natürlich nicht buchstäblich, die Geschichte ist ja sehr leise.

Bücher und ihre Geschichten sind ein ungeheurer Luxus, den ich sehr genieße. Auf den Herbst freue ich mich auch wegen der Hochsaison auf dem Buchmarkt. Bald gibt es für mich eine Rückkehr nach Niederkaltenkirchen (Franz Eberhofer) und London (Cormoran Strike)!

Vor ein paar Tagen sagte der Chefredakteur des stern, Christian Krug, anlässlich des 70. Geburtstages seines Magazins im Hamburger Rathaus folgendes: „Fragt man mich nach dem Journalismus der Zukunft, glaube ich, gibt es nur eine Antwort. Wir werden uns dem Medienwandel sehr dynamisch anpassen müssen. Aber eines wird bleiben: Die Menschen lieben Geschichten. Das ist der Treibstoff unseres Erfolges. Und der wird bleiben, da bin ich ganz sicher. Es gibt noch sehr viel zu erzählen.“

Damit schließe ich den Sonntagvormittag ab, erledige schnell die Bügelwäsche und das Fensterputzen und kehre dann zurück an den Mount Everest im Jahr 1924 (Dan Simmons, Der Berg)

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