Das hat Karl Valentin einmal gesagt.
In den letzten Tagen und Wochen hatte ich immer mal wieder Kontakt zur Kunstwelt. Nicht direkt meistens, sondern eher über die Zeitung oder den Fernseher.
Das ist ja eine ganz eigene Welt. Zu Schulzeiten war ich sehr an Kunst interessiert. Dem Unterricht habe ich mit Begeisterung beigewohnt. Ich hatte auch ganz interessante Lehrer. Beide Teile eines Künstlerehepaares zum Beispiel, die mit dem Unterrichten einst nur ein wenig die Kasse aufbessern wollten und irgendwie im Schulbetrieb hängen geblieben sind. Beide waren der Farbe Violett in all seinen Schattierungen verfallen. Ein bisschen verhuscht waren sie, aber sie haben meine Neugier auf Kunst geweckt. Danach hatte ich noch einen 68er-Typen als Lehrer, der den Schwerpunkt im Unterricht eher auf zeitgenössische Kunst gelegt hat. Wahrscheinlich Ausfluss aus seiner Kommunenzeit. Auch in den frühen 90ern war sein Lebensstil diplomatisch ausgedrückt: liberal und sehr unangepasst. Jedenfalls haben wir bei ihm recht progressive Sachen gemacht wie eine Performance „Mein Schulweg“ und Tanztheater. Das war spannend, obwohl es weit außerhalb meiner Wohlfühlzone lag.
Die Schulwegperformance sollte im Zweierteam erfolgen. Mit meinem Partner habe ich mich dann einen Nachmittag zusammengesetzt und bei ein, zwei alkoholischen Getränken haben wir uns was Hanebüchenes ausgedacht und es möglichst ohne Hemmungen auch dargestellt am Tag der Tage. Der Lehrer war begeistert und wir haben für etwas wirklich Lächerliches 14 Punkte eingesackt.
Was soll ich sagen? Das hat doch etwas an der Glaubwürdigkeit von Kunstkritik gekratzt.
Dann habe ich eine Dokumentation über den Künstler Banksy gesehen. Oder eher über seine Werke und wie damit umgegangen wird. Er ist ein Street Art Künstler, der feine kleine und große Graffiti im urbanen Gebiet hinterlässt. Oft mit politischer Botschaft. Nur wenige Menschen kennen seine Identität, wie die meisten seiner Zunft schafft er seine Werke nachts und ohne Zeugen. Vor Kurzem tauchte er in Paris auf. Die Welt war hingerissen, er hat es wieder bis in die hiesigen Zeitungen geschafft.

In den USA war er schon in den meisten großen Städten tätig. Dort gilt aber leider folgendes Gesetz: Der Hausbesitzer muss das Geschmier innerhalb einer Frist entfernen, sonst entfernt es die Stadtverwaltung und berechnet ein saftiges Bußgeld. Dem Gesetz ist es egal, ob das Werk einen ansehnlichen Wert hat und den Bewohnern vielleicht sogar gefällt. Es war vorher nicht da, gehört da nicht hin und muss weg. In der Dokumentation wurde eine Galerist begleitet, der verzweifelt versuchte, einen unzweifelhaften Banksy in der Größe von etwa 4×6 Metern zu retten. Er wollte das Werk schonend entfernen und verkaufen. Gesprüht wurde auf eine Zedernholzlattenverkleidung. Er hat fast die ganze gesetzliche Frist lang gebraucht, dem Besitzer die Erlaubnis abzuringen. Natürlich hat der auch irgendwann verstanden, dass hier Geld zu holen ist. Also gab es neben der Schadenregulierung auch noch ein finanzielles Trostpflaster. Verkaufen konnte er die bemalten Holzlatten dann für etwa 700.000 Dollar. Und dabei bewegt er sich in einer Grauzone, weil der Künstler sein Werk ja gar nicht zum Verkauf freigegeben hat. Schwierige Sache. Andere Künstlerkollegen regen sich furchtbar darüber auf, denn womöglich ist die kurze Lebensdauer vom Urheber ja gewollt?
Ich finde es schade, wenn gute Street Art wieder entfernt wird. Ich mag schöne bunt bemalte Wände und Verteilerkästen. Hamburg hat viel zu wenig davon:

In einem Viertel in Glasgow gibt es ganz viele tolle Bilder zu sehen:

