El color y la bodega

Die Wände sind fertig. Ich habe meinen Teil erledigt. Wenn sich keiner krank meldet, wird Morgen ein neuer Fußboden verlegt. Und ich muss eingestehen, der kommt keinen Tag zu früh. Rund 10 Jahre Kindheit haben den vorhandenen Boden regelrecht ruiniert. Wobei ich das nicht der menschlichen Beanspruchung zuschreibe, denn die war meines Erachtens nicht überdurchschnittlich rabiat. Nein, das überwiegend aus Naturstoffen hergestellte Linoleum, dass wir als ökogesteuerte Hipstereltern eben deshalb als Belag für das Kinderzimmer ausgewählt haben, ist offenbar nicht strapazierfähig. Eine Idee war ja, die intakten Elemente, die wir zahlreich erwarteten, in unser Schlafzimmer zu überführen. Unliebsamere Farbquadrate unter den Schrank zu legen und zum Beispiel nur das in meinen Augen immer noch frische Limonengrün sichtbar zu verlegen. Fehlende Quadrate sollten nachgekauft werden. Nun ist das Fabrikat an sich aber nur noch schwer zubekommen, von den angebotenen Farben ganz zu schweigen. Wir hatten im Vorwege also schon entschieden, dass der Boden entsorgt werden soll. Und spätestens jetzt, nachdem alle Platten sichtbar geworden sind, zeigt sich, dass ohnehin kaum noch welche vorzeigbar sind. Unzählige Dellen und von den Möbeln verursachte Druckstellen, außerdem deutliche Verfärbungen sind nicht gerade ein Zeugnis von hochwertigem Bodenbelag. Die Platten waren nicht günstig, das Preis-Leistungsverhältnis ist also keineswegs eine gute Werbung. Meine Gefühle dafür bewegen sich in etwa auf dem gleichen Niveau wie die, die ich für unseren Naturwollteppich habe, der derzeit noch unseren Schlafzimmerboden bedeckt. Natürliche Materialien in allen Ehren – das reicht nicht! Gerade dort, wo wir schlafen, möchte ich nach wie vor gesundheitlich möglichst Unbedenkliches, keine Frage. Aber eine gewisse Nachhaltigkeit setze ich auch voraus. Und zwar gleichermaßen unter finanziellen wie auch ökologischen Gesichtspunkten.

Hier noch einmal ein Bild eines gut erhaltenen Teils.

Ich weiß leider überhaupt nicht mehr, wie wir zu der Farbauswahl gekommen sind. Das panafrikanische Trio aus Grün, Gelb und Rot, dass in vielen afrikanischen Flaggen das Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Nationen zum Ausdruck bringen soll, wird auch außerhalb Afrikas von verschiedenen Ländern als Flaggenfarbe verwendet. Mal sind die Bedeutungen der Farben (Vegetation, Reichtum, Blut) identisch, mal gibt es andere lokale Gründe für die Wahl. Aber die meisten dieser Länder liegen nahe oder unterhalb des Äquators. Es passt also gar nicht zu uns.

Der neue Boden wird bezeichnet mit „oak grege“. Ein seltsames Wortgemisch. Die Eiche erklärt sich noch. Und sie passt auch sehr gut, denn die Eiche gilt hierzulande seit jeher als Nationalbaum. Ihre Bedeutungen in der Heraldik wiegen allerdings schwer, denn sie steht für Kraft, Beständigkeit, Stärke und Königlichkeit. Aber wir treten sie ja nur mit Füßen, wir wollen kein Wappen damit schmücken.

Bei „grege“ wird es wage. Soweit ich es herausfinden konnte, wird es im Englischen so nicht verwendet. Es stammt eher aus dem Französischen und bezeichnet dort den Farbton hellbeige, abgeleitet von der Farbe eines Seidenfadens. Sollte das die Verbindung sein, fehlt jedoch ein accent grave auf dem ersten „e“. Vielleicht sollte ich nicht so streng mit dem Preisschild sein. Aber wenn es um Sprache im Alltag geht, neige ich wohl zur Arroganz. Natürlich bin ich selbst alles andere als unfehlbar. Aber ich zähle meine Ergüsse immer noch zum Privaten. Und sobald etwas öffentlich ist, oder schlimmer noch als Werbung oder Orientierung dient, setze ich einen sensiblen Umgang voraus. Es sollte dann einfach korrekt sein. Oder Sinn ergeben. (Wie auf Bestellung habe ich nun wieder zu schnell getippt und irgendeine Funktion aktiviert. Leider ist die Auswirkung im Schreibmodus nicht sichtbar. Das wird sie erst, wenn ich den Beitrag publiziert habe. Und natürlich hat es sich mir bisher nicht erschlossen, wie ich das wieder korrigieren kann. Alle dahingehenden Versuche waren erfolglos. Vielleicht hat sich der eine oder andere bereits über die sinnlosen Aufzählungspunkte gewundert, die einige Texte durchziehen. Sie sind nur Zeugnis meiner Unzulänglichkeit.)

Ich habe mich früher oft mit einem Jazz-Kenner über die Qualität von Gesang gestritten. Ella Fitzgerald hielt er für eine Göttin des Gesangs. Sicher konnte sie gut singen, aber ihre Texte waren weitestgehend langweilig und allenfalls lyrisch. Sie hat ihre Texte wohl selten selbst geschrieben. Ich mochte und mag Sänger wie Morrissey, Robbie Williams oder Amy Winehouse im Besonderen für ihre Texte. Echte Geschichten exzellent formuliert. Jedenfalls ist diese Liste länger, als die der Sänger, die ihre Stimme außerordentlich gut einsetzen können, aber leider nichts zu erzählen haben.

Ich schweife wieder ab. Seidengraubrauner Boden mit homöopathischem Eichenanteil. Ich freu mich schon.

Außerdem habe ich die Sperrmüllabholung vorbereitet. Im Keller wird es langsam ungemütlich. Kühl und dunkel. Am Freitag aber hoffentlich wieder etwas übersichtlicher. Da wird so einiges abgeholt. Unter anderem eine Schranktür mit Spiegel. Den Spiegel soll ich vorher „abkleben“. Ich muss unbedingt fragen: Warum? Sind die Abholer Vampire und wollen nicht durch ihr fehlendes Spiegelbild entlarvt werden? Oder sind sie abergläubisch und wollen nicht sehen, wie der Spiegel im Schlund zerbricht?

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