Warten

Für heute waren die Bodenverleger angekündigt. Leider habe ich das Datum nicht schriftlich bekommen. Hätte ich es schwarz auf weiß lesen können, hätte es mich ungemein beruhigt. Aber so saß ich seit 8 Uhr bereit und wartete auf die Ankunft. Bis 9 Uhr noch ganz entspannt. So früh muss es ja nicht losgehen. Nicht einmal die Badezimmerbaustelle unserer Nachbarn im ersten Stock war schon hörbar. Aber ab 9:30 Uhr wuchs mein Unmut. Verschiedene Szenarien liefen vor meinem geistigen Auge ab. Die Firma hätte den Termin gar nicht verzeichnet. Oder die Klingel wäre defekt (habe ich geprüft, das war nicht der Fall). Was sollte ich tun, wenn heute niemand mehr auftauchte? An wem sollte ich das auslassen? Unterbrochen wurden diese Gedanken nur von gelegentlichen Bohrgeräuschen aus dem ersten Stock. Die hätte ich auch lieber hier unten gehabt.

Die Folgen des Nichterscheinens wären auch fatal. Denn das Zimmer ist nicht bewohnbar, alle Möbel sind ausgelagert und verteilt. Nicht einmal eine nächtliche Notstätte könnte ich herrichten. Alles steht voll.

Die Schranklieferung war außerdem für den Nachmittag angekündigt. Und diese Firma hat mir den Termin gleich mehrfach bestätigt und sich gleichzeitig entschuldigt, das Vierstundenfenster nicht noch weiter eingrenzen zu können. Ich war der Verzweiflung nahe. Derart unsicheres Warten kann ich nur schwer ertragen. Dafür bin ich zu ungeduldig.

Schon in der Schule konnte ich mit „Warten auf Godot“ so gar nichts anfangen – Absurdes Theater soll das sein. Ja, total absurd.

Ich hatte mir vorgenommen, um 11 Uhr dort anzurufen, und mich zu erkundigen, ob es denn noch losgeht. Aber um 10:31 Uhr wurde ich erlöst: Die Schelle ging!

Nach 15 Minuten war der alte Boden weg und der neue lag in 12 Paketen um Flur. Und der Spediteur rief um 10:50 Uhr an, ob er auch schon um 12 kommen könnte, um den Schrank zu liefern. Geplant war hierfür 14-18 Uhr. Kommen konnte er. Auf die Schnelle habe ich das Schrankzimmer so gut es ging leer geräumt für den neuen Schrank (Zwischenlager). Um 11:30 Uhr war er dann auch schon da, der Schrank und sein Innenleben. Direkt Stress. Auch wenn ich nur koordinierte. Schleppen und schuften mussten andere.

Ich versuchte derweil, die Bügelwäsche abzufertigen. Das hatte ich zwei Wochen immer wieder aufgeschoben. Das rächte sich natürlich böse. So viele Hemden (15) und Blusen (6)!

15:04 Uhr – alle waren fertig. Die Verleger und die Bügelwäsche. Herrlich! Wenn auch weiterhin viel Arbeit da war, denn die Möbel mussten zurück ins Zimmer und das auch bald. Das Chaos ging mir schon ein wenig auf die Nerven. Also ein altes Haus zu kaufen, einzuziehen und alles nach und nach zu renovieren, steht ja ohnehin nicht auf meiner Liste. Das ginge aber wirklich nur ab einer Quadratmeterzahl von 120. Sowas benötigt ausreichend Ausweichfläche, damit der Nervfaktor nicht zu hoch wird.

Am Abend des Donnerstag stehen die Möbel noch nicht wieder an Ort und Stelle. Der Schrankkorpus ist aufgebaut. Und dann wollte ich zunächst das Altpapier entsorgen. Denn wohin damit? In der Wohnung ist es im Weg. Im Keller auch. Und wenn es erst mal im Keller liegt….. Für die ordnungsgemäße Entsorgung musste ich nach Lurup fahren. In der näheren Umgebung waren alle Container voll. Freitag ist Abholung. Und zum Verursacher wollte ich nicht fahren, denn da ist in den Abendstunden zu viel los und ich wollte nicht noch mehr kaufen. In Lurup konnte ich auch gleich noch zum Supermarkt gehen und ein wenig einkaufen – Lebensmittel. Oder besser Getränke, denn da gibt es die größte Auswahl.

Wieder zurück zu Hause habe ich dann entschieden, dass es Zeit für Feierabend ist. Also habe ich den Fernseher eingeschaltet. Im regulären Programm lief nicht viel. Ich habe mich dann mit der Auswahl im Bezahlfernsehen vergnügt. Wenn man bei „Broadchurch“ von Vergnügen sprechen darf.

Hinterlasse einen Kommentar