Wachgeküsst

Heute! Endlich! Die Badrenovierung startet! Eigentlich eher Kernsanierung, denn es bleibt nichts, wo es war. Alles muss raus. Das hätten wir in dieser Form niemals selbst regeln können. Abgesehen davon, dass wir das Klempnergewerk nicht beherrschen, hätte ich mir auch nicht zugetraut, alles herauszureißen und im Grunde alle Leitungen neu und anders zu verlegen. Aber der Reihe nach. Am Morgen um neun Uhr fuhren zwei sehr große Transporter und ein Anhänger in unsere Straße. Heute musste erst Material und Werkzeug aufgeladen werden, deshalb die späte Stunde. Ab Dienstag geht es schon um sieben Uhr los. Die Nachbarn werden sich freuen. Den Wagen entstiegen sind zwei Handwerker. Auch der sagenumwobene 205cm große Mann, der uns aus verschiedenen Gründen bereits angekündigt wurde. Zum Beispiel, weil er ganz wunderbar austesten kann, ob etwas die richtige Höhe für den hier wohnenden Mann hat. Nach einer Startbesprechung kamen dann noch zwei weitere Herren für das Grobe dazu. Trockenbauer – oder Allrounder, wie RTL2 sie nennt. Gegen zehn Uhr dreißig hieß es aber zunächst: „Dann legen wir mal los!“

Es wurde sofort sehr laut. Aber nicht unbedingt wegen des Abrisses. Auch wegen der Musik. Wie bereits von vormaligen Kunden berichtet, hört der Große mit Hingabe Schlagermusik. Begleitet wurde der Start also von Vanessa Mai mit Ihrem Stück „Wachgeküsst“. Ich weiß noch nicht, was anstrengender sein wird die nächsten Tage: Baulärm oder Musik. Die Kollegen jedenfalls müssen ganz schön leidensfähig sein, oder sie mögen das auch. Ich gehe am Donnerstag ja wieder ins Büro…

Nach der Mittagspause ergab sich eine erste Kollateralschadenplanänderung. Ein Wandstück, das eigentlich eine Begrenzung der Dusche werden sollte, hatte nach der Fliesenentfernung ein mächtiges Loch. Es war auch nur eine Hohlwand, durch die an einer Seite die Leitungen führten. Die Wand wird jetzt wohl nicht neu aufgebaut, sondern auf ein notwendiges Minimum eingekürzt und dann kann an dieser Stelle der Eingang zur Dusche sein. Finde ich super, denn dann wird die Dusche noch größer und in die Nische kommt viel mehr Licht.

Dies war der Stand zur Mittagspause:

Dort stand die Badewanne und man kann den Schatten der (ehemaligen) Wand rechts gut sehen.

Insgesamt offenbart unser Haus auch bei dieser Baustelle wieder seinen bemitleidenswerten Zustand. Rätselhaft und schräg verlegte Leitungen haben sich ja schon öfter gezeigt, wenn renoviert wurde. Diesmal sorgten einige Rohrleitungen im Bad für Kopfschütteln: „Warum?“ Und bei der Hauptwasserleitung wurden Anschlüsse verkehrt herum installiert. Was das bedeutet, weiß ich nicht, es wurde kommentiert mit: “ Gut zu wissen“. Scheint also außer falsch nicht so schlimm zu sein. Außerdem ist ein sichtbares Leitungsrohr im Keller aus Kunststoff und nicht aus Kupfer. Das scheint schon schlimmer zu sein, denn es folgten einige Beispiele von Katastrophen, die sich daraus ergeben können, wenn das Rohr einen Defekt hat. Und den wird es eines Tages haben, so viel sei sicher. Aber daran können wir jetzt auch nichts ändern.

Am frühen Nachmittag habe ich uns in unserer Baustellenunterkunft eingecheckt:

Gestern hatte ich zunächst einmal recherchiert, worin genau der Unterschied zwischen einem Hotel und einem Hostel besteht. Und ich habe herausgefunden, dass es eigentlich keinen gibt. Das Wort ist eine Zusammensetzung aus Hotel und dem lateinischen Hospitale – Gästehaus. Ich hatte falsch vermutet, dass das „S“ irgendetwas bedeutet und eben dafür eingefügt wurde. So wie Manny aus „Modern Family“ richtig bemerkt, dass gewisse Annehmlichkeiten verloren gehen, wenn das „H“ zu einem „M“ wird. Aber in einem Hostel sind die gleichen Gegebenheiten zu erwarten wie in einem Hotel. Unseres hat keine Sterne. Es gibt also keine Seife oder Shampoo. Ansonsten kann ich sagen, dass das Zimmer die gleiche Qualität hat wie unsere Zimmer in Reykjavik oder Edinburgh, aber nur die Hälfte kostet. Wie immer bei Immobilien gilt: Lage, Lage, Lage.

Eigenes Bad und drei Betten. Sogar alle drei sind richtige Betten und kein Schlafsofa oder Klappbett. Ich werte das als Plus, denn das haben nicht alle unsere bisher bewohnten metropolesquen Zimmer geboten, obwohl meist mehrere Sterne am Hoteleingang angebracht waren. Meine persönliche Faustregel hierfür begründen die Alpen. Je südlicher davon gelegen, desto weniger sind die Sterne wert.

Ach ja, Hauptunterscheidungsmerkmal eines Hostels sind die Bewohner, die sich weltweit sehr bewusst für ein solches entscheiden. Sie können dann davon ausgehen, dass die Betreiber und Bewohner relativ jung, weltoffen und kommunikationsfreudig sind. Es geht wohl um das Lebensgefühl, jederzeit und überall willkommen zu sein. Für Backpacker in Asien zum Beispiel sicher recht wichtig, weil die wenigsten die Landessprache oder die kulturellen Gepflogenheiten beherrschen.

Unser Entscheidungskriterium war aber der sehr faire Preis für das Zimmer. Zum Frühstück kann ich noch nichts sagen, das hole ich nach.

Kurz vor dem Feierabend ergab sich dann noch eine zweite Änderung der groben Planung. Die vorhandene Abflussumgebung ist dergestalt, dass eine bodenebene Dusche in unserem Fall definitiv nicht möglich ist. Der Aufriss dafür ist zu groß und hätte wieder andere Folgen, die wir nicht in Kauf nehmen wollen. Wir bekommen nun eine ganz flache Duschwanne. Da wir uns gegen einen Sockel im Duschbereich entschieden hatten, ist das auch gar kein Problem. Und die Unterschiede zum gefliesten Untergrund kann ich mir zweifach schönreden: 1) lässt sich eine Wanne viel besser reinigen und 2) ist der Ablauf besser sauber zu halten – die Haare!!! Beide Argumente hatte ich auch früher schon angeführt, sie fielen aber der Optik zum Opfer und jetzt sind sie zurück.

Allseits einen schönen Feierabend!

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