McKenzie

Als ich heute Morgen die Tür aufgeschlossen habe, begrüßte mich Vicky Leandros mit „Joe McKenzie“. Die Arbeiten waren schon wieder in vollem Gange.

Gestern Abend im Hostel musste ich noch einmal einkaufen, weil wir gar nichts zu trinken hatten. Ich bin also zum nächstgelegenen Supermarkt gegangen. Und weil ich meinen Urlaubsrucksack dabei hatte und Hostelzimmergetränke besorgen wollte, fühlte es sich ein wenig nach Urlaub an. Die Kieler Straße hat natürlich nicht viel vom Flair der Earls Court Road in London, aber sonst stimmte alles. Und heute Morgen nun ein irisch-schottischer Gruß von Frau Leandros.

Auf der Baustelle werden beide alten Heizkörper entfernt. Im Badezimmer und auch im Schlafzimmer. In beiden Räumen gibt es was hübsches neues. Bei den Modellen habe ich noch keine Vorstellung, wie sie aussehen werden. Wenn die Profis darüber sprechen, klingt es für mich eher nach Zahnarzt: „Achter flach“ oder so ähnlich. Ich habe es mir nicht gemerkt und muss mich nun überraschen lassen.

Beim Hören des Senders „Radio Schlagerparadies“ bin ich überrascht, dass ich kaum etwas kenne. Es ist zwar alles erwartungsgemäß eingängig und einfach im Rhythmus, aber dennoch kenne ich die wenigsten Stimmen oder Texte. Die Welt dreht sich auch dort weiter. Manchmal denke ich, dass auch viele Pop-Songs ganz schön nach Schlager klingen. Aber der echte Schlager zeichnet sich durch einen Grundbeat aus, der in fast jedem Stück nahezu gleich klingt. Man kann wohl gut dazu mitklatschen. Wie in jeder guten Samstagabendshow des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In meinen Augen der Tod jeder Veranstaltung. Wenn ich in einem Publikum sitze, in dem plötzlich jeder anfängt mitzuklatschen, ist es eine Mischung aus Scham und Bedauern, die mich überkommt. Ich mache dann nicht mit und hoffe, dass es schnell wieder aufhört. Oliver Welke hat sich nach einem schlagerhaften Einspieler mal bei seinem Publikum dafür bedankt, dass niemand klatschend mit eingestimmt hat. Geplant oder nicht, darüber habe ich mich amüsiert!

Außerdem werden heute die Zargen und Türen ausgebaut und die Höhe um 10cm erweitert. Einige Tage keine Tür im Schlafzimmer. Da wird es wohl ganz schön staubig. Ich hoffe, die Kleiderschranktüren lassen nicht allzu viel davon durch.

Nach chinesischem Kalender beginnt am 5. Februar 2019 auch das Jahr des glücklichen und vergnüglichen Erd-Schweins. Ich habe im Hausflur schon Neujahrswünsche mit unseren chinesischen Nachbarn ausgetauscht und freue mich über die vielen süßen Bilder, die überall in der Stadt zu sehen sind. Es gibt durchaus auch schöne Seiten der Globalisierung.

Das kann alles aber nicht davon ablenken, dass heute nicht so viel Sichtbares passiert. Im Wohnzimmer und im Keller werden zwar bereits einige Installationsartikel gelagert, aber bis die Teile ausgepackt werden, vergeht noch viel Zeit. Meine Langeweile steigt in etwa proportional zum Staubaufkommen in der Wohnung. Für Morgen habe ich mir einen Friseurtermin gebucht, der mich dann schon eine Weile beschäftigen wird. Was ich hier in der Wohnung erledigen wollte, habe ich vertagt. Es ist kein Platz vorhanden und die vorhandenen Türen sollen lieber geschlossen bleiben.

In Anbetracht der augenblicklichen Lage, ist es ganz gut, dass das Projekt Fußboden im Kinderzimmer bereits abgeschlossen ist und hier nicht zwei weitere Handwerker arbeiten müssen. Das wäre gar nicht so einfach. Die Abstellflächen sind jedenfalls erschöpft.

Gelegentlich werde ich etwas gefragt. „Wollen Sie die Ecke so nutzen?“ oder „Die Türzargen also wirklich 210cm hoch?“ Ich bin mir unsicher, ob das nicht eher rhetorische Fragen sind. Es ist ja alles entsprechend geplant und wurde am Montag auch noch einmal angesprochen. Vielleicht wollen sie nur nett zu mir sein.

Am frühen Nachmittag dann die erste unvermeidliche Beschwerde von Nachbarn. Allerdings nicht wegen des Lärms, sondern wegen der Dixi-Toilette, die aufgestellt wurde. Wir haben das schändlicherweise nicht angemeldet. Ich habe es nachgeholt und hoffe nun, dass es damit erledigt ist.

Ein letzter Blick auf die Baustelle hat einige neue Leitungen offenbart. Es wurden größere und kleinere Schächte ausgestemmt. Der Rahmen für die WC-Spülung steht schon. Das sieht durchaus nach Arbeit aus, es ist nur nicht so deutlich wie gestern. Ich schätze, so geht es Morgen noch weiter. Im Schlafzimmer wurde der Heizungshohlraum gedämmt und verkleidet. Leider ist nun eine kleine Schimmelecke am Fenster sichtbar. Darum muss ich mich Morgen kümmern, wenn es geht. Es steht nämlich auch im Schlafzimmer überall Material und Werkzeug herum. Die neuen Türen brauchen einen richtigen Sturz, den sie bisher nicht haben.

Auch die Wände im Flur werden nach dieser Aktion eine Nachbehandlung brauchen. Ob die Tapeten die Wochen unbeschadet überstehen, weiß ich noch nicht. Die Handwerker sind allerdings sehr umsichtig. Soweit es geht, wurde alles abgedeckt und die Bauschuttbeseitigung in übersichtlichen Wannen ist zwar mühsam, schont aber die Umgebung.

Kurz vor dem Feierabend klingelte ein Handy mit den Worten: „Ekkehart – ich will nach Hause!“

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