Die Baustelle ist ja immer noch nicht abgeschlossen. T-minus 3 Wochen noch bis zur Lieferung der Glaswand. Also ist nach wie vor Geduld gefragt.
Aber heute wird die Spanndecke eingezogen. Eingeföhnt trifft es wohl eher. Ein die Outdoorgastronomie neidisch werden lassendes Heizgerät hat die Wohnung innerhalb von wenigen Minuten in eine 38 Grad warme Bikram-Yoga geeignete Umgebung verwandelt. Ironischerweise sieht das Gerät eher wie eine Schneekanone aus. Die provisorische Kunststoff-Duschvorhanghalterung hat es gleich in die Knie gezwungen. Ich bin ins Wohnzimmer geflüchtet und habe die Balkontür aufgemacht. Mein Körper ist noch nicht auf Sommer eingestellt. Im Gegenteil, ich genieße doch gerade das isländische Hochsommerwetter in Hamburg. Immerhin war die künstliche Hitze trocken und draußen schien auch die Sonne.

Ich hatte auch bereits einige von meinen heutigen Aufgaben erledigt. Da stand nämlich noch so einiges drauf. Vom Schränke wieder einräumen bis Löcher bohren waren die unterschiedlichsten Sachen dabei.
Am Wochenende habe ich mich mehr auf den Haushalt konzentriert. Endlich wieder waschen. Und weitestgehend den Staub beseitigt. Den Sonntagabend hatten wir mit der Sichtung eines Klassikers unserer Filmwelt abgerundet: „Gone in 60 Seconds“. Es ist immer wieder interessant, wie abhängig meine Allzeit-Hitparade amerikanischer Filme auch davon abhängt, wann und wo ich einen Film erstmals gesehen habe. Diesen hatte ich seinerzeit im inzwischen leider nicht mehr existenten Odeon Cinema am Londoner Leicester Square gesehen. Und es ist am Ende des Tages auch nur ein durchschnittlicher Actionkracher mit mittelmäßigen Dialogen. Oder besser war, denn er stammt bereits aus dem Jahr 2000. Heute läuft er wohl nur noch im Nachtprogramm. Für die beste Fernsehzeit reicht es sicher nicht mehr. Obwohl sich 12jährige vielleicht immer noch daran erfreuen können. Keine Spezialeffekte oder Animationen, die 20 Jahre später nur noch Mitleid erregen. Nur ehrliche Prügeleien und Verfolgungsjagden, während derer sich die Polizei traditionell ziemlich ungeschickt anstellt, nach jedem noch so heftigen Zusammenprall der Fahrer aber immer noch aus dem Wrack klettert. Ich fand den Film allerdings schon damals klasse und das hat sich auch nach 22-maliger Sichtung nicht geändert. Es liegt sicher in der Hauptsache an den Darstellern wie Nicolas Cage, Angelina Jolie oder Vinnie Jones. Die hatten damals ihre Blütezeit und sind für mich in ihren Rollen nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. An Herrn Cage habe ich ohnehin einen Narren gefressen. Ich mag den einfach. Ich glaube, er ist gar kein so guter Schauspieler, er spielt wie so viele andere immer sich selbst. Aber das macht er mit so viel Ironie, dass es mir einfach gefällt. Er wurde während seines Schaffenstiefs, das leider bis heute anhält, oft mit Negativpreisen ausgezeichnet für seine Leistungen in vielen B-Movies. Aber ich sehe ihn immer gern. Vielleicht liegt es daran, dass wir am gleichen Tag Geburtstag haben. Ich weiß es nicht. Einzig seine oscarprämierte Darstellung in „Leaving Las Vegas“ gefällt mir nicht. Der Grund dafür ist aber die deprimierende Geschichte des Films. Sowas gucke ich mir eben nicht gern an. Ansonsten bekommt jede Cage-Produktion bei mir eine Chance. Der Mann muss ja Geld verdienen, er gibt gerüchtehalber viel davon aus. Ich hoffe also auf baldigen Nachschub auf Netflix.
Und nun ohne Umschweife der Schwenk zur Oscar-Verleihung 2019. Ein Jahr, in dem ich nur sehr wenig mitgefiebert habe, weil ich, wie schon erwähnt, nur wenig von dem gesehen habe, was nominiert war. Aber Rami Malek hat ihn bekommen für seine Darstellung als Freddie Mercury. Und seine Leistung war ohne Zweifel preiswürdig. Frau Colman habe ich bisher nur in „Broadchurch“ gesehen, aber sie ist Britin und das allein ist ja schon super. Ihr Film über eine fiktive Intrige am Hofe von Queen Anne steht ja ebenso wie der diesjährige beste Film „Green Book“ unter dem Motto „Diversität“. Das hat die ganze Veranstaltung insgesamt auch ausgestrahlt. Irgendein Thema versucht man dabei ja immer zu transportieren. Mal mehr, mal weniger subtil. In diesem Jahr aber durchaus gelungen. Es war eine gefällige Show mit durchaus guten Laudatoren und weniger Gezwungenheit als sonst. Vielleicht ist es ohne Moderator sogar besser? Vielleicht sind die Moderatoren inzwischen so gefangen in den Zwängen der Veranstalter, dass kaum noch echter Biss und Witz möglich sind. Die Freiheiten, wie Frau Goldberg oder Herr Chrystal sie hatten, sind jedenfalls inzwischen undenkbar. Zu oft ist das auch schon nach hinten losgegangen.
Für das nächste Jahr fiebere ich nun auf den 30. Mai hin. Dann startet „Rocket Man“, die verfilmte Lebensgeschichte von Elton John mit dem anbetungswürdigen Taron Egerton. Mal sehen, ob der auch preisverdächtig ist. Ich kenne ihn ja nur als „Kingsman“ und die Reihe ist Geschmackssache. Meinen trifft sie aber definitiv.