Mein Kreuzfahrt-Logbuch startet heute!
Ganz entspannt sind wir am Vormittag gestartet Richtung Warnemünde. Auf der Autobahn nicht viel los. Zwischendurch haben wir eine Pause eingelegt für Lockerungsübungen des Rückenkranken. Die Bandscheibe macht Ärger – blödes Teil.
Die Anfahrt in Warnemünde lässt schon vermuten, wohin die Leute alle wollen. Reisebusse und PKW sind in Richtung Kreuzfahrtterminal unterwegs. Am Langzeitparkplatz werde ich gleich namentlich begrüßt und bekomme eine personalisierte Plastikkarte. Dann Gepäck und Beifahrer ausladen, einparken und ab in den Shuttlebus. Nach uns steigt ein weiteres Dreiergespann ein. Wir in etwa 30 Jahren. Eltern mit Tochter. Freundliche Leute, aber leider peinlich. Jedenfalls mein älteres Ich. Es kann amüsant werden. Am Terminal müssen wir einchecken. Zunächst eine Schlangenführung durchlaufen. Auf dem Weg kommen wir an drei Hinweisschildern vorbei, auf denen zu lesen ist, welche Unterlagen bereitzuhalten sind: Das Ticket und der Reisepass. Übersichtlich. Am Schalter ist die nette Dame dann ganz angetan, dass wir schon alles vorbereitet haben. Ich sehe mich um und kann fast nur graue Haare sehen. Mein Begleiter kann meine Gedanken lesen und sagt süffisant, dass die Aida doch das jüngste Publikum anzieht, oder? Wir werden sehen. Nach der Sicherheitsschleuse, die zwar wie am Flughafen funktioniert, aber einen wesentlich entspannteren Eindruck macht (die Sache wurde sogar am Petersdom ernster genommen), wird noch ein obligatorisches Familienfoto am antiken Steuerrad gemacht und dann geht es an Bord. Unsere Kabine ist noch nicht fertig, denn wir haben noch das 14 Uhr Fenster erwischt, unsere Check-in Zeit war erst um 15 Ihr geplant. Wen wundert’s…
Wir gehen also erst einmal auf Deck 9, um vielleicht ein Getränk zu uns zu nehmen. Die Restaurants befinden sich auf den Decks 9-11. Geöffnet ist gerade nur jenes auf Deck 11. Es ist noch keine sogenannte „Genießerzeit“. Die startet erst wieder am Abend ab 18 Uhr. Aber im Restaurant „Bella Vista“ gibt es Pastavariationen und Obstsalat. Getränke sowieso, aber für den angepriesenen Wein ist es noch zu früh. Meine Familie äußert sich eher kritisch zur Auswahl und Qualität der Speisen. Verwöhnt? Erwartungen zu hoch? Ich finde es jedenfalls völlig in Ordnung. Der Service ist hier sehr gut organisiert, leere Teller bleiben nicht lange stehen. Besteck und Gläser werden ständig nachgefüllt. Das Restaurant ist gut gefüllt und ich bekomme einen Eindruck davon, wie voll es hier zu den Hauptmahlzeiten sein wird. Im Hintergrund raunt gelegentlich jemand: „Ah schau! Man kann auch einen Tisch reservieren!“ Ist vielleicht nötig? Ich bin gespannt. So etwas stresst mich eigentlich. Aber ich habe ja Urlaub, also locker bleiben.
Am Tisch reckt und streckt sich der schmerzgeplagte Rückenkranke. Hat er gestern in der U-Bahn auch gemacht. Das war mir etwas peinlich, weil es nicht so gut aussieht. Aber hier fällt das gar nicht weiter auf. Hier laufen eine Menge Invalide herum. Mit Krücken, Rollstühlen und dergleichen. So eine Kreuzfahrt scheint der ideale Urlaub zu sein, wenn man körperlich beeinträchtigt ist.
Sehr kommunikativ sind viele Gäste ebenfalls. Mich sprechen dauernd Leute an: „Schmeckt das gut? Schön hier, oder? Fahren Sie zum ersten Mal?“ Herrje, sieht man mir das etwa an? Ich werde heute Abend einstudieren, wie man gucken muss, damit das aufhört.
Nach der Snackpause ist die Kabine bezugsfertig und wir ziehen ein. Klein und fein! Sehr eng, aber süß. Viel Stauraum in jeder möglichen Ecke. Und leider nicht POSH. Jedenfalls nicht in Warnemünde. Das habe ich gerade gelernt und es bedeutet: Port out Starboard Home. Ein indisch-britisches kostenpflichtiges Extra für Fahrten auf dem indischen Ozean. Es geht um die Lage der Kabine. Die Posh-Lage sorgt dafür, dass der Passagier nicht der gleißenderen Sonne ausgesetzt ist. Hier am Hafen brennt die Sonne auf unseren Balkon. Aber es ist ja nicht warm, deshalb ist alles prima.
Außer vielleicht die Beschallung aus dem Terminal heraus. Überhaupt nicht zielgruppengerechte Pop-Musik plärrt herüber. Für uns ok, aber die Balkonnachbarn meckern bereits.
Leider kann ich meine Texte nicht ohne Internetzugang speichern. Das Bordnetz ist zu schwach. Meine folgenden Berichte werden also immer etwas verspätet erscheinen. Ich muss handschriftlich arbeiten und es im Hafen abtippen.
Das Gewissensbarometer liegt heute Abend bei 6. Tendenz weiter sinkend. Bisher ist alles an Bord nicht auf Verschwendung ausgelegt und ich nehme keinen überflüssigen Kunststoff wahr (außer der Parkkarte). Den Schornstein kann ich nicht sehen, also stimmt er mich nicht bedenklich.
Die Koffer sind angekommen (alle drei). Ich muss auspacken. Also bis später!