Nachtrag im Logbuch:
Für den Teenager gab es gestern noch eine Maniküre. Dann standen noch Sauna und Abendessen auf dem Programm. Wir wählten die Spätschicht für das Essen. Komplett anderes Angebot als am Vortag. Es gibt Themenabende: Gestern Italien, heute USA. Ich frage mich, wie das Buffet zur Mittagszeit an Hafentagen wohl aussieht. Es bleiben ja sicher auch Leute an Bord. Wir aber nicht.
Ich bin extra früh aufgestanden, um das Einlaufen in Tallin nicht zu verpassen. Schließlich weiß ich nicht, ob unser Kabinenbalkon der Stadt zugewandt ist oder dem Hafen. Es war aber noch zu früh. Leider finde ich im Bordprogramm keine aktuelle Lagebeschreibung wie sie in Flugzeugen seit einer Weile immer zu sehen ist. Ich habe also nur die vage Beschreibung des Kapitäns aus einer Durchsage, wann wir den Lotsenpunkt von Tallin erreichen und muss noch warten. Dabei kann ich einige Jogger beobachten, die hier tatsächlich über das Deck laufen.
Gegen 9 Uhr haben wir dann angelegt in Tallin. Und weil wir schon ein schnelles Frühstück hatten, können wir gleich losgehen. Vor dem Ausgang auf dem Tenderdeck steht schon eine beachtliche Gruppe von Menschen, also wieder warten. Wir müssen übrigens nicht tendern, wir gehen über die Gangway. Beim Tendern müssten wir in spezielle kleinere Boote, um an Land gebracht zu werden. Tallins Hafen ist jedoch groß genug für unser Schiff.
Von Bord spazieren wir durch eine kleine Gasse mit Buden voller estnischer Souvenirs. Wie sich herausstellen wird, ist dort alles komprimiert zu sehen, was der Souvenirmarkt so hergibt. Sehr skandinavisch. Die Wollprodukte so kratzig wie üblich, also uninteressant. Leider, denn einen Schal könnte ich wohl gebrauchen bei 7 Grad.
Unser erstes Ziel, die Altstadt, ist schon zu sehen. Wie in Lüneburg ist sie von einer großen Straße umgeben. Die müssen wir erst überqueren, bevor es pittoresk wird. Aber das ist es dann auch gleich. Ein Hügel voller hübscher Gassen und Kirchen. Eine Mischung aus Wismar und Edinburgh mit Lübecker Einschlag. Es ist nicht sehr groß, geradezu ideal für einen eintägigen Besuch. Den historische Teil haben wir also recht schnell erkundet. Leider fängt es an, zu regnen. Aus diesem Grund geben wir dem Wunsch nach Kultur nach und gehen ins nächste Einkaufszentrum. Dort sind wir auch erfolgreich.
Direkt neben dem Zentrum liegt ein hippes Quartier, in dem alte Fabrikgebäude renoviert wurden und jetzt angesagte Marken ihre Waren anbieten. Alles sehr angenehm.
Die Esten sprechen sehr gut englisch. Deutsch angeblich auch, aber wenn ich deutsche Worte höre, kommen sie aus den Mündern anderer Kreuzfahrer. Das verrät mir ihre Kleidung, oder das weitverbreitete Aida-Schlüsselband, an dem die Bordkarte üblicherweise getragen wird. Die Landessprache sieht aus wie eine Mischung aus Deutsch und Finnisch. Es gibt „Mööbel“ und „Disain“.
Weil der Regen nicht weniger wird, machen wir uns am Nachmittag wieder auf den Weg zum Schiff.
Hoffentlich bleibt es an den nächsten Stationen trocken.
Zurück an Bord tauen wir in der Kabine wieder auf. Wir haben nicht die richtigen Jacken dabei, das muss man wohl so sagen.