Nachtrag ins Logbuch:
Wir waren gestern so früh zurück auf dem Schiff, dass das Zimmermädchen noch gar nicht bei uns war. Also ging einer in die Sauna, ist ja schließlich noch Finnland. Und zwei begaben sich wieder in den Lounge-Bereich. Leider wurde dort gerade eine ABBA-Show geprobt. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ABBA nicht leiden kann? Fürchterliche Ohrwürmer. Ich habe einmal ein Buch gekauft, das dann im Regal stand „one of us is lying“ – mir war beim Kauf gar nicht klar, dass der Titel auch eine Zeile aus einem ABBA-Song ist. Darauf hat mich erst jemand summend gestoßen. Ich habe es dann umgedreht und immer noch nicht gelesen. Auf Deck 11 erschallte jedenfalls ein ohrenbetäubender Lärm. Das geplante Chillen musste noch warten. Zumal die Bar noch geschlossen war. Mit einem Cocktail hätte ich das besser ertragen.
Nun aber zum letzten Ziel der Reise: Stockholm! ABBA….
Darauf habe ich mich fast am Meisten gefreut. Leider ist der Aufenthalt dort auch der kürzeste. Nur 5 Stunden bleiben uns, um die Stadt zu erkunden. Deshalb ist absolute Optimierung das oberste Gebot.
Die Uhren wurden heute Nacht wieder zurückgestellt. Ich war deshalb schon um 4 Uhr wach, es wird also ein langer Tag.
Ich kann mir aber kaum eine schönere Anreise nach Stockholm vorstellen, als bereits vier Stunden vor Ankunft durch die entzückende Schärenlandschaft zu gleiten. Das Gewissen schlägt Alarm, denn wir fahren ganz nah an Sommerhäusern vorbei. Ich nehme an, dass die Bewohner nicht so erfreut darüber sind. Aber schön anzusehen ist es! Ferien auf Saltkrokan lassen grüßen. Schweden ist zweifelsohne ein wunderschönes Land. Einen meiner schönsten Urlaube habe ich dort als Kind verbracht. Ein echter Lindgren-Urlaub auf dem Land.
In meinem Büro hing mal ein Islandkalender. Eines Tages sah sich ein Kollege das Bild des Monats an und sagte: „Mann, ist das schön – kein Wunder, dass die Isländer an Elfen und Trolle glauben!“ Ich denke, das kann auch für die Schweden gelten. So eine Idylle lässt niemanden kalt.
Allerdings brauchen wir auch noch ein Hoch. Helsinki war schon dringend nötig und hat geholfen. Wir fürchten uns nämlich ein wenig vor dem letzten Seetag. Gestern Abend haben wir schon unter akuter Langeweile gelitten. Was sollen wir bloß mit einem ganzen Tag anfangen? Wenn das Wetter es zulässt, werde ich mich auf das Sonnendeck begeben und lesen. Allerdings werden dort auch Veranstaltungen abgehalten. Da muss ich mich in eine Ecke verkriechen. Ansonsten ist man überall den Leuten oder der Zwangsunterhaltung ausgesetzt. Es gibt leider keine ruhige Ecke mit Tischen, auf denen wir mal ein Spiel spielen könnten. Unsere Versuche sind bisher immer gescheitert, weil alles belegt war, oder die Musik zu laut. Und auf dem Kabinenbalkon stehen nur zwei Stühle und kein Tisch. Echte Luxusprobleme eben. Das Unterhaltungsprogramm bietet bisher leider für niemanden etwas. Wir sind altersmäßig ganz falsch hier. Das Kind zu alt (für das Fitnessstudio leider noch nicht alt genug) und die Erwachsenen zu jung.
Was das Shoppen angeht, so muss ich schreiben, dass das inzwischen kein Grund mehr ist, ins Ausland zu reisen. Vor unserer Haustür wird alles geboten. Oder es ist bestellbar. Ich habe auf der Reise kaum etwas gesehen, dass ich nicht auch in der Heimat bekommen könnte. Weder teurer noch in einer geringeren Auswahl. Irgendwie schön, aber auch etwas desillusionierend.
Das Wetter ist am frühen Morgen hervorragend! Es ist ja bald Midsommar, also fast immer hell. Die Sonne scheint und es könnte nicht besser sein.
Während der Fahrt durch die Schären muss ich unweigerlich an viele liebgewonnene Krimifiguren denken, auf deren Spuren wir jetzt noch fahren und später noch gehen werden: Paul Hjelm, Erik Winter, Lisbet Salander.
Stockholm ist dann doch noch schöner und beeindruckender als Helsinki. Es ist viel größer und hat durch das Königshaus noch schönere Architektur zu bieten. Wir laufen vom Schiff in die Stadt direkt auf die Altstadtinsel Gamla Stan. Dort ist jede Gasse entzückend. Der königliche Palast ist genauso wenig abgeschirmt wie der in Kopenhagen. Man kann überall herumlaufen und sich alles ganz genau ansehen. Spannend, denn das kann ich mir in London nicht vorstellen. Die Skandinaven und ihre Touristen sind einfach entspannter. Von Gamla Stan laufen wir nach Norrmalm, dem Einkaufsviertel von Stockholm. Ein paar Läden durchstreifen wir, für mehr fehlt uns die Zeit. Wir nehmen uns vor, mal wiederzukommen für ein langes Wochenende. Dann werden wir es richtig auskosten.
Wir schauen uns noch das königliche Theater an, das ist ein sehr schönes Gebäude. Und dann schlendern wir zurück nach Gamla Stan. Wir machen noch eine kleine Pause in einem Park wie zur Jahrhundertwende. Gusseiserne Jugendstilbänke inmitten eines Blumenarrangements. Blumen gibt es übrigens auch an Bord zu kaufen. Dort ist ein Blumenladen untergebracht und es werden Blumenbindekurse angeboten. Ich muss sagen, dass ich das nicht verstehe. Warum an Bord eines Kreuzfahrtschiffes? Kaufen kann man in dem Laden unter anderem eine Rose, die speziell konserviert wurde und fünf Jahre halten soll. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis.
Aber wo ich schon von der Aida erzähle – in Gamla Stan begegnen uns drei Aida-Ausflugsgruppen, die herummarschieren und den Erläuterungen lauschen. Ich muss in Hamburg mal beobachten, ob mir da auch mal so eine Gruppe über den Weg läuft. Oder ob Hamburg nur Start- und Zielort ist.
Bevor wir zurück zum Schiff gehen, stärken wir uns mit Tunnbrödsrulle, Kanelbullar und Bubble Waffle. Kann man in der Heimat alles nicht genießen. Es ist erwartungsgemäß lecker und wir laufen in bester Laune zurück. Der Weg ist sehr professionell ausgeschildert bzw. in farbigen Linien auf dem Boden markiert, so kann nichts schiefgehen. Die Schilder haben mir hier auch Spaß gemacht. All die bekannten Straßen und Örtlichkeiten aus den unzähligen Büchern mal vor Ort zu lesen, war sehr nett.

Es war ein toller Tag in Schweden und ein herrlicher Nachmittag in Stockholm. Ich werde wiederkommen!
Adjö!