Heimkehr

Die Kreuzfahrt zusammengefasst:

Es hat mir gefallen, aber nicht begeistert. Und ich halte mich eigentlich für begeisterungsfähig. Eine Kreuzfahrt als solche werde ich nicht wieder machen. Ich bin den vielen Menschen nicht gern derart ausgeliefert. Ich mag die Anonymität eines Hotels in der Stadt. Keine Animation und keine Gespräche, wenn ich sie nicht möchte. Oder wenigstens etwas kulturelle Vielfalt: Mit Briten spreche ich zum Beispiel immer gern. Deren Schrägheit amüsiert mich, schon weil sie eine andere Sprache sprechen. Morgens läuft bei mir immer ein britischer Sender. Die üblichen Telefonspielchen machen die auch, aber in englischer Sprache sind sie eher witzig als nervig.

Deutsche Touristen sind oft peinlich oder unangenehm fordernd. Auf sehr viele, die mit uns unterwegs waren, trifft das leider zu.

Das Unterhaltungsprogramm an Bord bot für mich nichts Verlockendes. Ich habe immer versucht, dem möglichst aus dem Weg zu gehen.

Auf dieser Strecke und diesem Schiff ist der Pool nur ein Planschbecken für Kinder. Nicht tiefer als 60 cm und an keiner Stelle breit oder lang genug, um auch nur zwei Züge zu schwimmen. Vollkommen unnötig also für mich. Ich fürchte aber, dass ein größerer Pool zum Beispiel in der Karibik immer nur voll wäre und deshalb auch nicht besser. Sowieso glaube ich, dass die Menschenmassen an Bord eines noch größeren Schiffes mich noch mehr stören würden. Oder eine Getränkeflatrate außerhalb der Restaurants. Diese Massen auch noch über die Maßen alkoholisiert? Bitte nicht. Und wieder dieses Anstehen, dann auch an den Bars.

Der größte Störfaktor allerdings ist für mich die Zeit. Den ganzen Tag musste ich mich damit beschäftigen: Wann am besten ins Restaurant? Wann die Kabine verlassen für den Zimmerservice? Wann wieder an Bord sein? Ich kann mit dieser Art Zeitdruck nicht gut umgehen. Es gibt so vieles, was ich nicht beeinflussen und planen kann. Echter Stress. In den Städten dauernd auf die Uhr sehen zu müssen und zu entscheiden, ob der Umweg noch machbar ist oder nicht. Das gefällt mir nicht.

Auch war das Personal nicht immer außerordentlich freundlich. Die Kellner im Restaurant waren es zwar ausnahmslos, die Damen an der Rezeption dafür überhaupt nicht. Vielleicht müssen die sich auch den ganzen Tag das Gehirsel der deutschen Touristen anhören und sie sollten mir leidtun. An den Bars hatte ich nicht das Gefühl, dass man sich über meine Bestellung freut. Dabei war nicht einmal viel los, denn die Drinks mussten ja bezahlt werden.

Der zweite Seetag war wie erwartet von akuter Langeweile geprägt. In der Kabine war es unbequem, weil es nur einen Stuhl gab und einen Hocker. Im Prospekt wurden uns ein Doppelbett und ein Sofa angekündigt. Das Sofa war durch ein Klappbett ersetzt worden. Leider, denn so konnten wir in der Kabine nicht wirklich sitzen. Und überall an Bord war alles belegt oder laut (Proben). Ich habe mich noch in keinem Urlaub so gelangweilt.

Glücklicherweise haben wir drei uns trotz der Enge gut vertragen. Allerdings sind wir nun heilfroh, wieder zu Hause zu sein und uns ein wenig aus dem Weg gehen zu können.

Positiv war außerdem, dass wir den Luxus eines eigenen kleinen Balkons hatten. Gestern war das Wetter leider zu schlecht (8 Grad und Regen), um darauf zu sitzen. Aber an allen anderen Tagen habe ich den Balkon sehr genossen.

Und sehenswert und wunderschön waren die vier Städte. Meine Lieblingsstadt ist Stockholm. Wirklich schön.

Mein Gewissensbarometer nach der Kreuzfahrt zeigt eine 8. Schon deshalb keine Wiederholung für mich.

Aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub! Zwei Reisen sind schon wieder in der Pipeline. Und an beiden Zielen werden wir uns zu jeder Zeit frei bewegen können. Herrlich!

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