Tag eins – Samstag.
Nach dem Frühstück gehen wir zur Spanischen Treppe. Wir stehen aber nur oben und schauen hinunter. Denn wir sind auf dem Weg zum Tiber, genauer gesagt zur Engelsburg. Der Weg dahin ist äußerst pittoresk. Man kann sich kaum sattsehen am Panorama. Viele Fotos werden gemacht.
Das Wetter ist grandios. Wir spazieren relativ gemütlich. Es dauert ja immer, bis sich die Tempi aufeinander abgestimmt haben. Ich jedenfalls muss schneller gehen, als ich es allein täte. Dafür werde ich am Ende des Tages aber die Schrittzählung gewinnen.
Direkt an der Burg suche ich noch schnell die mir empfohlenen öffentlichen Toiletten auf. Der Eintritt kostet zwar 1€, ist aber jeden Cent wert. Ein sehr klischeehafter, aber dadurch liebenswerter Italiener mittleren Alters empfängt mich lautstark und weist mir den Weg.
Zurück zur Gruppe ist auch unser Guide bereits eingetroffen. Eine sehr nette Dame, die uns die nächsten 3 Stunden durch die Vatikanischen Museen begleiten wird. Wir schlängeln uns also an den beachtlichen wartenden Mengen vorbei zum Eingang, den wir erstaunlich schnell passieren können. Ein dickes Lob an die Vorbereitung ist hier fällig!
Die Tour startet in einem kleinen Gartenquadrat. Gerade als ich mich frage, warum wir uns die Anlage überhaupt ansehen, verstehe ich. Von meinem letzten unvorbereiteten Besuch geprägt, habe ich einen Spaziergang entlang der unglaublichen Kunstschätze Richtung Sixtinischer Kapelle erwartet. Nur eben mit akustischen Erläuterungen. Wir betreten aber zunächst diesen Garten, weil es dort vollkommen entspannt und ruhig ist. Alle paar Meter stehen drei Schaubilder und davor Bänke. Auf diesen Bildern sind die wichtigsten Malereien der Kapelle abgebildet. Etwa eine Viertelstunde lang wird uns der Zyklus der Bilder erklärt. In der Kapelle wurde schließlich nichts dem Zufall überlassen und jedes Detail erzählt eine Geschichte. Diese Erklärungen können nicht direkt in der Kapelle übermittelt werden. Es ist ein heiliger Ort für die Geistlichen, den sie uns Weltlichen zwar öffnen, aber es herrschen strenge Regeln. So darf weder gesprochen noch fotografiert werden. Außerdem werden sich Massen von Menschen hindurchschieben. Einfach als Träubchen stehen zu bleiben, zu lauschen und den Durchgang zu behindern, ist einfach keine gute Idee.
Die Erklärungen sind jedenfalls super. Einprägsamer als jeder Reiseführer. Später in der Kapelle werde ich mich durchaus an einiges erinnern und mich freuen.
Anschließend starten wir aber wirklich wie alle anderen und folgen den Hinweisschildern in Richtung Höhe- und Endpunkt, der Sixtinischen Kapelle. Ich genieße den Besuch in den Museen wieder sehr. Unglaublich reich vierzierte Räumlichkeiten, gefüllt mit unzähligen Skulpturen, Dekorationen, Bildern und anderen Kunstgegenständen. Von den Erläuterungen behalte ich natürlich viel zu wenig, aber ich nehme mir vor, das Buch „Mein Rom“ bald wieder zur Hand zu nehmen und mich hierher zurückzuversetzen. Schön, dass der Vatikan einen winzigen Teil seiner vielen Verbrechen wiedergutmacht, indem er uns Normalsterblichen gestattet, diesen kulturellen Schatz mit eigenen Augen zu besichtigen.
In einem Raum hängt ein für mich unscheinbares Bild, das unser Guide mit den Worten: „Auch hier eine wunderschöne Kreuzigung.“ kommentiert. Unser Kichern irritiert sie kurz. Sie ist keine deutsche Muttersprachlerin und hat den Gag nicht herausgehört. Da es gleich weiter geht, klärt sie aber auch niemand auf.
Nach drei Stunden und kurz vor dem Ausgang erlöst uns ein Gruppenmitglied und verabschiedet unseren Guide. Die Stimmung drohte zu kippen. So viele Schritte und Informationen. Alle Teilnehmer bekunden ehrliche Begeisterung und bedanken sich. Dann darf geshoppt werden. Allerdings nur kurz, denn nicht alle Teilnehmer würzen ihre kulturellen Begegnungen gern mit einem obligatorischen Besuch im Gift Shop. Ich muss mich also beeilen und kaufe nur ein Buch. Mehr möchte ich auch nicht tragen. Zwischen mir und der Rückkehr zum Hotel liegt schließlich noch ein weiteres Highlight. Und ich kann nicht erwarten, dass der Rucksackträger mit mehr als dem nötigsten Gewicht einverstanden ist. Er freut sich über jeden Schluck Wasser, der die Flasche verlässt.
Wir verlassen also Vatikanischen Boden und kehren erst einmal in ein hübsches Lokal ein und stärken uns mit einem Snack. Danach gönnt sich noch einer ein Eis und wir laufen um die Vatikanmauern herum zum Petersdom. Unser Zeitfenster für einen Zugang ohne Wartezeit schließt sich auch bald. 10 Minuten vorher treffen wir ein. Und können innerhalb von wenigen Minuten die Schleusen hinter uns lassen und den Dom betreten. Wir hatten uns Tage vorher in der Threema-Gruppe geeinigt, dass diese Tickets erworben werden. Ohne sie ist der Dombesuch kostenlos. Beinhaltet ist auch ein Audio-Guide, für den man aber eine App installieren muss. Dafür ist es jetzt zu spät, denn der mobile Empfang ist zu schwach und außerdem muss jeder Nutzer sich namentlich registrieren. Wir verzichten also. Nicht jeder ist über den stolzen Preis von 17,50€ glücklich. Zum einen gibt es keine verlässlichen Angaben, wieviel Lebenszeit damit erkauft wurde und zum anderen sind im Dom viele Sehenswürdigkeiten gesperrt und nicht zugänglich. Am Sonntag ist hier Großkampftag mit vier Heiligsprechungen. Unter anderem die des britischen Kardinals John Henry Newman. Sogar Prinz Charles wird dabei sein! Aber trotz allem freue ich mich, wieder im Dom gewesen zu sein. Er ist in vielerlei Hinsicht ein Superlativ und einfach überwältigend.
Nach dem Dombesuch gehen wir noch ein Eis essen und fahren mit zwei Taxis zum Hotel. Autofahren in Rom ist wirklich aufregend. Ich bin froh, hinten zu sitzen. Die Abstände zwischen den Wagen sind nur minimal. Und auf dem schon für Fußgänger abenteuerlichen Piazza Venezia gibt es keine Ampeln. Wenn es stockt, eröffnet man einfach eine weitere Spur und fährt. Ich käme hier niemals von der Stelle und würde verzweifeln.
Wir machen uns frisch und treffen uns dann um 19:00 Uhr wieder in der Hotelbar. Wir lösen unsere Gutscheine für einen Begrüßungsdrink ein. Wir bekommen außer Drinks noch Chips und Oliven. Sehr liebevoll und lecker.
Leider spielt heute Abend die italienische Nationalmannschaft und alle Taxis sind unterwegs. Wir schieben unsere Tischreservierung eine halbe Stunde nach hinten und fahren alternativ mit dem Bus zum Restaurant „Minerva“. Einer tollen Örtlichkeit nahe des Pantheon. Das Restaurant liegt auf dem Dach und bietet neben der spektakulären Aussicht auch sehr leckeres Essen. Mein Essen ist vielschichtig. Als Hauptgang Mille Feuille mit Pasta (eigentlich nur eine andere Bezeichnung für meine Lasagne mit Hasenragout) und als Dessert Mille Frolle (dünne Kekse, die mit einer Creme im Wechsel geschichtet werden). Alles sehr lecker. Nach dem Essen entscheiden wir uns für einen weiteren Drink in der angeschlossenen Dach-Bar. Die Getränke sind hochpreisig, schmecken aber prima und werden durch die Aussicht auf das Pantheon und die Kuppel des Petersdoms massiv aufgewertet. Die musikalische Untermalung ist allenfalls von mittelmäßiger Qualität, aber das schmälert unser Rooftop-Erlebnis keineswegs. Es rundet den Tag einfach ab. Mit dem Taxi geht es wieder zurück ins Hotel. Wir schaffen es gerade noch, unsere Schrittzähler zu vergleichen, bevor sie um 0:00 Uhr auf 0 zurückfallen. Ein neuer Tag in Rom.