Tag 2 – Sonntag.
Wir stehen recht früh auf und machen uns auf den Weg zur Villa Borghese. Ein wunderschönes Gebäude mit Parkanlage
In diesem Anwesen hat die Familie Borghese über viele Jahre eine Kunstsammlung zusammengestellt, die in der Welt wohl einmalig ist.
Sie haben nicht nur gekauft und gesammelt, sondern überwiegend anfertigen lassen. Erlesene Skulpturen und Raumausstattungen. Napoleon hat sich einiges unter den Nagel gerissen, aber ansonsten ist in dem Haus noch vieles originalgetreu zu sehen. Bemerkenswert und wunderschön.
Wir laufen mit einem Audio-Guide durch die Ausstellung. Die Informationen sind ganz angenehm eingesprochen und sogar mit ein wenig Musik unterlegt. Außerdem kann jeder in seinem eigenen Tempo vor den Werken verweilen. Nach 90 Minuten war aber irgendwie die Luft raus.
Unsere Eintrittsberechtigung ist ohnehin auf zwei Stunden begrenzt. Deshalb ziehen wir den Rest schnell durch und begeben uns in das Café. Nach einer kurzen Pause verlassen wir die schöne Villa und spazieren durch den dazugehörigen Park, der zwar nicht so groß ist, aber mit seinen Pinien und schattigen Wegen entzückend anzusehen.
Unser nächstes Ziel ist der Trevi-Brunnen. Durch die Prachtstraße Via Vittorio Veneto laufen wir in das Altstadtzentrum zurück. Am Brunnen ist es wie erwartet sehr voll. Aber faszinierend ist er trotzdem. Der größte Brunnen Roms und sicher der bekannteste der Welt. Der Brunnen war historisch Endpunkt eines großen Viaduktes. Die jeweiligen Päpste haben sich viele Jahre um eine hübsche Gestaltung bemüht. Der heutige Brunnen hatte eine Bauzeit von 30 Jahren. Nicht zuletzt, weil ein Papst während dieser Zeit verstorben und der Geldfluss ins Stocken geraten war. Aber auch, weil der beauftragte Künstler immer wieder neue Ideen hatte und insgesamt wohl recht schrullig war.
In der Nähe des Brunnens nehmen wir ein Mittagessen zu uns in einem Straßenlokal. Im Gebäude befindet sich ein vermeintlich luxuriöses Hotel. Die Toiletten für Restaurantgäste aber zeugen aber von Verfall und muten unheimlich an. Die Wände schwarz gestrichen. Die hellgraue, großflächige Marmorierung stellt sich als Schimmel heraus und die Temperatur beträgt feucht-tropische 28 Grad. Also schnell wieder raus.
Jetzt wollen wir zum Bahnhof Termini. Wir nehmen die Metro von der Spanischen Treppe. Vor der Treppe nehmen wir noch über die Webcam Kontakt mit der Heimat auf! Wir wurden also live gesehen, wie wir winkend am Fuße dieser Sehenswürdigkeit stehen. Es gibt sogar einen Beweis-Screenshot.
In der Metro ist heute nichts los. Es soll sonst sehr voll sein. Aber heute ergattern wir sogar Sitzplätze. Zwar fahren wir nur drei Stationen weit, aber nach so vielen Kilometern ist jede Sitzgelegenheit willkommen.
Am Termini trennen sich dann unsere Wege. Ich muss ja heute schon wieder zurück nach Hamburg. Aber der Bus steht bereit, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und verbreitet eine angenehme Kühle während der einstündigen Fahrt zum Flughafen. Wieder fahren wir mitten durch die Stadt und am Kolosseum vorbei. Eine herrliche Aussicht. Am Circus Maximus stehen wir sogar ein paar Minuten im Stau und ich kann den Platz begutachten. Es ist wahrlich nicht viel übrig von dem antiken Treiben und ich brauche schon viel Vorstellungskraft, um dem heute noch etwas abzugewinnen. Ich fand schon beim letzten Besuch, dass man aus dieser Wiese lieber mehr machen sollte. Wieder eine Arena aufbauen oder etwas Ähnliches.
Kurz vor der Ankunft am Flughafen wird jemandem schlecht im Bus. Ich vernehme unangenehme Geräusche und bin froh, dass wir kurz darauf zum Stehen kommen und ich gleich flüchten kann. Im Flughafen muss ich dann meine Bordkarte noch einmal genau studieren. Mein Flug ist auf der Anzeigentafel nicht aufgeführt. Aber alle Angaben stimmen und der Barcode ist auch gültig. Also muss ich richtig sein. Eine halbe Stunde später kann ich dann auch endlich „Hamburg“ lesen und bin beruhigt. Die Sicherheitskontrolle hier in Rom ist übrigens äußerst gut organisiert. Viele Menschen werden in wenigen Minuten abgefertigt. Die Wartezeit ist sehr kurz, ich muss kaum stehen bleiben.
Das Shoppingerlebnis ist leider enttäuschend. Es gibt kaum interessante Läden. Ein paar Nobelmarken sind vertreten, aber diese Nischen sind frei von Kunden. Wer will auch auf die Schnelle eine Handtasche für 498€ kaufen?
Ich muss noch etwas essen und suche mir ein vielversprechendes Lokal aus. Ein sizilianischer Koch hat sizilianisches „Cibo da strada“ (Street Food) nach Rom gebracht. Was ich esse, kommt einer kulinarischen Offenbarung gleich. Ich bin begeistert von dieser Spezialität namens Arancina. Das sind frittierte Reisbällchen in verschiedenen Varianten. Ich hatte die Version „Al burro“ mit Schinken und Mozzarella. Köstlich! Ich muss unbedingt nachforschen, ob ich so etwas auch in Hamburg bekomme.
Kurz vor dem Boarding muss ich mit zwei Teenagern per Ferndiagnose einen Waschtrockner zum Laufen bringen. Die Mädchen sind in Nöten. Sie haben einen harschen Auftrag bekommen, sich sofort und unbedingt um die eigene Wäsche zu kümmern. Aber gemeinsam schaffen wir es. Ein Youtube-Video und einige Erklärungen von Symbolen und Anzeigen später läuft die Maschine.
Der Flug hat dann noch eine Verspätung, weil das Rollfeld überlastet ist. Wir müssen uns einreihen und zwölf Maschinen abwarten, bis wir endlich abheben können.
Ich habe es sehr genossen und ich möchte bald wieder zurückkommen und all das sehen, was ich noch nicht kenne.
