Der nächste Urlaub wirft seine Schatten voraus! Gerade habe ich uns mit Nackenkissen für den 12stündigen Flug versorgt. Außerdem vier Steckdosenadapter zusammengeliehen, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass unsere Hotelzimmer über ausreichend viele USB-Ports verfügen. Wir nächtigen schließlich nicht immer in Viersterneetablissements und im Zweifel müssen ja drei mobile Geräte gleichzeitig geladen werden.
Über WLAN verfügen natürlich alle Hotels, dieses Kriterium steht noch weiter oben im Anforderungskatalog als ein gutes Frühstück. Während dieser Reise sowieso, denn der Teenager hat so viele instagramwürdige Lokalitäten herausgesucht, die aufgesucht werden müssen, dass wir auf keinen Fall jeweils alle drei dort etwas verzehren können. So viel schaffen wir nicht. Also kann man das Frühstück schon mal getrost weglassen.
Die Fluggesellschaft (Swiss) hat sich heute gemeldet mit dem Hinweis, dass die Sitzplatzreservierung für den Langen unter uns aus organisatorischen Gründen geändert werden musste. Hoffen wir mal, dass es sich um eine angemessene Änderung mit ausreichender Beinfreiheit handelt. Das werden wir nun erst am Flughafen erfahren, weil die zugehörige App so „kurzfristige Änderungen nicht anzeigen kann“. Schweizer Gemütlichkeit – die Mail begann auch mit einem jovialen „Gruezi Frau…“ .
Ich versuche, entspannt zu bleiben, denn die zahlreichen Formalitäten, die für eine Einreise in die USA zu erledigen sind, reichen mir aus, um meinen Stresspegel immer schön hoch zu halten. Aber ich glaube, jetzt ist alles eingepflegt. Leider kann die App auch hierzu keine echte Bestätigung anzeigen. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf, den ich tatsächlich auch bereits zurückgemeldet habe, als die Frage nach der Bereitschaft eingeblendet wurde, einen Feedbackbogen auszufüllen. Ja, wenn sie doch fragen, die Schweizer, gell! Vielleicht wurde deshalb eine neuer Sitzplatz vergeben. Möglicherweise sogar ein Upgrade.
Über die Mentalität der Schweizer weiß ich nicht viel. Aber wir landen nur kurz und müssen zum großen Flugzeug sicher auch laufen. Es bleiben nach Plan nur 10 Minuten bis zum Boarding Teil 2. Spätestens da gilt es, sich schon einmal auf den Kalifornischen Stil einzustimmen. Ich hatte im Büro einen Englischlehrer, der nicht nur so aussah, als käme er geradewegs vom Venice Muscle Beach (wie ein junger Michael Clarke Duncan). Unser Unterricht sollte um 07:30 Uhr starten. Selten erschien er vor 07:55 Uhr. Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass er sehr wohl wusste, dass Unterrichtsbeginn nicht erst um 08:00 Uhr sei, haben wir ihn gebeten, bitte pünktlich zu sein. Wir hätten Folgetermine und auch sonst müssten wir rechtzeitig wieder am Arbeitsplatz sein. Darauf hat er sich nur gestreckt, dabei den Dehnungszustand seines T-Shirts nahezu ausgereizt und gesäuselt: „Ich bin Kalifornier. Halb acht ist eine unwürdige Zeit und wir sollten uns lieber mal entspannen („relaxen“, nicht „chillen“). Das würde auf keinen Fall passieren, dass wir schon um halb acht starteten.“ Er hat dann oft versucht, früher zu kommen. Wenn er es geschafft hatte, hat er dafür aber zur Kantinenöffnung um 08:00 Uhr erst einmal ein Päuschen eingelegt, um sich einen Kaffee und ein Croissant zu holen.
Die Koffer sind gepackt. Jetzt wird noch über Zweitjacken und ein weiteres Paar Schuhe verhandelt. Das Handgepäck ist vorbereitet. Ich glaube, es kann nun wirklich losgehen: „California – here we come“!