Anreisetag! Und die Anreise dauert wirklich einen ganzen Tag!
Wir starten kurz vor acht mit dem Taxi Richtung Flughafen. Der Fahrer erinnert mich an Sherlock Holmes Gegenspieler in der Folge „Ein Fall von Pink“. Aber er sagt nichts und im Radio läuft eine jazzige Playlist namens „Montreux Jazz“. Bis auf das Saxophonsolo die letzten 5 Minuten eigentlich ganz gut. Hotellobbymäßig.
Am Flughafen läuft alles wie am Schnürchen. Wir sitzen schon um halb neun beim ausgiebigen Frühstück. Es kommt die Frage auf, warum man bei Interkontinentalflügen so früh erscheinen soll. All die Passfragen werden ja inzwischen im Vorwege online erledigt. Also nur Reisefieber. Aber das ist in Zeiten der Pandemie ein Tabuwort: Fieber. Tatsächlich laufen auffällig viele Reisende mit Mundschutz herum. Wir haben keinen, aber der soll schließlich auch nur bedingt wirkungsvoll sein.
Während des Frühstücks gehen wir nochmal durch, ob auch nichts vergessen wurde. Leider haben wir etwas vergessen: Den männlichen Führerschein. Weil es noch so ein blödes rosa Leporelloding und immer nur im Weg ist. Das bedeutet, dass möglicherweise nur ich fahren darf. Das gefällt uns allen nicht, ist aber nicht mehr zu ändern. So früh sind wir auch wieder nicht hier. Zurückfahren passt nicht mehr.
Die WCs am Hamburger Flughafen sind in einem hervorragenden Zustand: Angenehme 3 Grad kühler als im restlichen Gebäude und frisch gereinigt duftend. Super.
Leider starten wir wegen akutem Bodenpersonalmangel 20 Minuten später als ohnehin schon knapp geplant. Wir hoffen das Beste. Der Schweizer Pilot kündigt jedenfalls an, die Anschlussmaschinen entsprechend zu informieren. Das gesamte Personal an Bord stammt offenbar aus der Schweiz. Ich verstehe die Damen besser, wenn sie englisch sprechen. Sie haben keine Hemmungen, Worte zu benutzen, die man im benachbarten Kanton schon nicht mehr versteht. Da bin ich mir sicher.
In Zürich haben wir dann erwartungsgemäß einen echten Stress, das nächste Gate zu erreichen. Aber wir fahren mit einer Untergrundbahn. Während der Fahrt zeigt uns eine akustische Heidi in den Fenstern alpine Schneebilder aus ihrer Heimat. Ganz süß. An Bord der Maschine Richtung San Francisco sind wir dann wirklich die letzten. Auf unserem Platz sitzt bereits ein hoffnungsfroher junger Mann, der dann sichtlich enttäuscht auf seinem zugewiesenen Platz nimmt.
Während des Fluges genießen wir einen einwandfreien Service. Alle 20 Minuten gibt’s Getränke und die Snacks und Mahlzeiten sind alle lecker: Curry Vindaloo (europäisch mild), Rosmarincracker, Käseküchlein, Schokoladeneis und ein Sandwich.
Das Entertainment an Bord lässt zumindest auch bei mir keine Wünsche offen: Es ist Award-Season und ich gucke: A beautiful day in the neighbourhood, Judy und Ford vs Ferrari. Der erste ist sehr rührend und hat mir sehr gut gefallen. Der zweite ist ok, etwas handlungsarm und der dritte ist leider langweilig trotz der tollen Darsteller. Für den Rückflug bleibt auch noch genug! Alles in allem vergehen die 12 Stunden annehmbar schnell.
Die eigentliche Einreise ist dann wie erwartet langwierig. Zunächst werden wir an Automaten gelotst: Passscan, Fingerabdrücke und Zollerklärung werden gespeichert. Anschließend stellen wir uns in eine beachtliche Schlange, die sich auch nicht wirklich bewegt. Zwei Stunden stehen wir herum und werden Zeuge einiger sehr deutscher Auseinandersetzungen, die die Stimmung bei einigen Wartenden fast zum Kippen bringt. Kurz vor einer Eskalation werden auch Citizenschalter für uns geöffnet, weil dort gerade nichts los ist. Dann geht es schnell. Auch wenn wir das ganze Programm noch einmal ausführlicher über uns ergehen lassen müssen. Immerhin ist der Beamte gut gelaunt und sehr freundlich. Und unsere Koffer stehen auch noch am Band! Alle drei!
Dann machen wir uns auf den Weg zum Hotel mit einem Ökotaxi (Hybridfahrzeug). Eine der Brücken erstrahlt in voller Beleuchtung, es ist schon dunkel.
Im Hotel hat keiner mehr Lust, nach 22 Stunden auf den Beinen, das Zimmer noch einmal zu verlassen. Also rufen wir den Roomservice, das haben wir noch nie gemacht. Es gibt Burger, Cesars Salad und eine Ramen-Bowl. Ordnet uns das gern selbst zu.
Jetzt wird geschlafen! Bis Morgen.