Heute gibt es wieder ein Hotelfrühstück, weil wir anschließend auschecken und dann mit dem Auto Richtung Süden aufbrechen. Frisch angezogen fällt dem Teenager erst einmal das Rührei auf T-Shirt und Hose. Aber gewaschen werden muss sowieso noch. Bis zur Ankunft in L.A. reichen die Kleider hoffentlich.
Die Fahrt zur Leihwagenzentrale legen wir in einem sehr großen SUV zurück. Bei Türöffnung fährt ein Trittbrett heraus. Das brauche ich zwar, aber mir wird recht mulmig. Haben wir nicht auch so ein Monster gebucht? Die Autovermietung „Sunny Cars“ habe ich mir in etwa wie im WDR-Dreiteiler „Wilder Westen inklusive“ vorgestellt. Eine kleine Werkstatt mit Containerbüro und einem staubigen Parkplatz. Weit gefehlt! Wir werden an einem vierstöckigen Gebäude abgesetzt, in dem alle namhaften Autoverleiher ansässig sind. Es sieht aus wie in einer Schalterhalle im Flughafen. Mit direktem Bahnanschluss zum echten Flughafen. Der sehr nette Mann an unserem Schalter versucht wie üblich, uns zu einem Upgrade zu überreden. Wie schon in Schottland, hat er damit auch gar keine Probleme. Für ein eingebautes Navigationsgerät zahlen wir eine kleine Summe extra und bekommen dafür ein Fahrzeug der Luxury-Klasse: Einen Cadillac Escalade.

Gebucht hatten wir die etwas kleinere Variante. Cadillac selbst beschreibt den Wagen als „SUV with sophistication, strength and style“. Greta Thunberg würde sagen: „How dare you!“ Ich bin gleichermaßen beeindruckt wie beunruhigt. Was habe ich da bloß unterschrieben? Wenn ich es aus dem Parkhaus schaffe, dann wird es schon irgendwie gehen.
Ich schaffe es. Und so machen wir uns auf den Weg nach Stanford. Wir sind gespannt auf die Alma Mater von Chuck Bartowski. Das Nerd Herd T-Shirt wurde extra angezogen. Die knapp 20 Meilen sind schnell zurückgelegt, auch wenn das Navigationsgerät noch nicht rund läuft. Und das Stanford Gelände ist wahrlich schön. Die 129 Jahre alten Gebäude sind eine Mischung aus Mexikanischem und Europäischem Klassizismus. Das Wetter ist blendend und so erstrahlen die ockerfarbenen Bauten vor einem azurblauen Himmel. Unser Hauptziel ist der Bookstore, in dem wir Universitätskleidung und einige andere Devotionalien erwarten. Der Laden ist dann etwa so groß wie das Untergeschoß im Karstadt an der Mönckebergstraße. Und es gibt dort auch Bücher und Schreibwaren. Aber hauptsächlich werden die Bedürfnisse der touristischen Besucher bedient. Wir kaufen auch gleich mehrere Outfits. Unser Teenager träumt seit Langem davon, hier einmal zu studieren. Deshalb nehmen wir uns vor, wieder regelmäßiger einen Lottotippschein abzugeben. Denn die saftigen Studiengebühren sind eine erste Hürde. Eine weitere ist natürlich die persönliche Eignung. Ich muss das nochmal genau nachlesen in „Wo bitte geht’s nach Stanford“ von Isabelle Liegl. Eigentlich gehe ich aber davon aus, dass der Zug bereits abgefahren ist. Und der Lottogewinn ohnehin unwahrscheinlich. Aber heute werde ich diesen Traum nicht zerstören.
Das Parken bzw. Bezahlen des Tickets erweist sich als schwierig. Mir scheint, dass das ein erster IQ-Test ist. Wir fallen übrigens durch, kommen aber trotzdem wieder heraus aus dem Parkhaus. Allerdings musste das Kennzeichen angegeben werden. Vielleicht läuft die Uhr auch immer weiter und weiter – Bastian Pastewka kennt das.
Jetzt geht es weiter nach Cupertino zur Apple Zentrale. Die Fahrt ist kurz und der Parkplatz Europäisch klein. Im Silikon Valley ist man wohl auch eher grün als auf SUVs eingestellt. Aber ein Riesenwagen fährt raus, dann muss ich da ja auch hinein passen. Es passt. Das Visitor Center ist ein stylischer Glas-Holz-Bau. Darin quasi eine Apple-Filiale und ein großes Modell der gegenüberliegenden Firmenzentrale. Das Modell ist aus Macbookgehäusemetall gefertigt. Mit einem IPad lässt sich das Innere erkunden. Sehr cool. Die Aussichtsplattform auf dem Dach ist leider nicht hoch genug, um den 1,1 Meilen umfassenden Rundbau wirklich sehen zu können. Das gab es aber letzte Woche im TV, macht also nichts.
Geshoppt wird eine Apple Watch für den Herrn. Üblicherweise wird auf den Ladenpreis noch eine Steuer von 8,5% addiert. Das empfinde ich als sehr lästig, weil auf diese Weise auf dem Etikett nie der endgültige Preis zu lesen ist. Bei Apple beträgt der Zuschlag auch gleich 10%, was aber an der Region liegt und nicht am Anbieter, wie uns eine spätere Recherche verrät.
Jetzt geht es weiter Richtung Süden zu unserem nächsten Stopp: Carmel by the sea.
Bei dieser Gelegenheit kann ich in amerikanischem Stil einige der Luxury Features unseres Gefährts aufzählen: Ausfahrbare Trittbretter, digitale Anzeige auf der Frontscheibe, Kühlschrank in der Mittelkonsole, Klimaregulierung an jedem der sieben Sitzplätze, Parksensoren mit Kameras in jede Richtung (allerdings kein akustisches Signal, sondern Vibration im Fahrersitz), alles, was zu verstellen ist, natürlich elektrisch, eine Sitzbelüftung, die ein Gefühl vermittelt, als säße man am Bahnsteig, eine Warnung nach dem Ausstellen des Motors, man möge doch bitte sicherstellen, dass niemand im Fond vergessen wird: Kinder, Hunde u.ä. .
Die Strecke bis Carmel führt erst über einen pittoresk kurvig-waldigen Zubringer zum Küstenhighway No. 1. Das ist eine sehr schöne Berg-und-Tal-Strecke. Der Übergang zum Highway bei Santa Cruz ist sehr stauig, so dass wir den Sonnenuntergang verpassen und erst im Dunkeln in Carmel ankommen. Unser Hotel hat einen sehr britisch-plüschig-schrabbeligen Charme. Zwei sind begeistert, die dritte nicht. Es war aber eine der wenigen bezahlbaren Unterkünfte in diesem Kampen Kaliforniens. Es ist zwar schon dunkel, aber bei einem kleinen Spaziergang entdecken wir entzückende Straßen und Häuser. Die müssen wir uns Morgen früh dann noch einmal ansehen, bevor es weiter geht. Das Continental Breakfast wird uns aufs Zimmer gebracht. Wir sind gespannt, denn im Reiseführer steht, dass dieses Zugeständnis an Europäische Touristen meist nicht gut ist. Dann legen wir eben in einem Highway-Diner nach. Dieses Vergnügen wollen wir sowieso nicht verpassen, weil wir es aus unzähligen Filmen kennen. Ach ja, bei unserer Ankunft hier im Hotel musste ich kurz an das „El Royal“ und seine illustren Gäste denken. Aber hier knistert nur der Kamin in der Minilobby, wie er es auch im Dartmoor täte.
Der Super Tuesday ist an mir komplett vorübergezogen, ohne dass ich etwas davon mitbekommen hätte. Der Fernseher war heute gar nicht in Betrieb, so dass ich es in der deutschen Zeitung nachlesen muss.