Wednesday

Heute sind wir überwiegend auf der Straße. Uns soll eine Strecke mit „dramatischen Abschnitten“ erwarten. Was immer das heißt.

Aber vorher noch das Frühstück: Es kommt in zwei Kühltaschen und steht um 07:30 Uhr vor der Tür. In den Taschen liegen Bananen, Äpfel, Muffins, Croissants, Joghurtbecher, Orangensaft und viel zu viele Aufstrichdöschen für die beiden Croissants. Es ist in Ordnung, der Verzehr auf dem Zimmer eher unpraktisch. Es gäbe Tischchen im Innenhof, aber dort rollen bereits Koffer und Servicewagen herum.

Nach dem Frühstück spazieren wir zum Strand. Der Weg ist zwar weiter, als wir dachten, aber es geht trotzdem schnell. Der Strand in Carmel ist wunderschön! So einen Strand habe ich noch nie gesehen. Die Strände auf den Kanaren oder am Mittelmeer sehen ganz anders aus. Hier mischt sich der tropisch weiße Sand mit einer skandinavisch anmutenden Vegetation, die hier aber üppiger ist und bis kurz vor die Brandung reicht. Darin dann noch Felsen und im Hintergrund teilweise eine dezente Steilküste.

Der Stopp hier hat sich wirklich gelohnt. Dem Teenager wird das erst heute Abend klar werden. Sie hadert mit den entsprechenden Wenigertagen in L.A. und hat sowieso keine Lust, irgendwohin zu spazieren.

Dann checken wir aus und fahren wieder auf die Küstenstraße. Was wir sehen, ist atemberaubend. Wie auch in Schottland oder Island kann man sich kaum sattsehen. Erst fahren wir über waldige Serpentinen und plötzlich ist der Pazifik zu sehen. Die Straße liegt weit über dem Meeresspiegel und deshalb sind die Buchten und Felsen so schön zu sehen. Es gibt alle paar Meilen sogenannte „Vista Points“: Kleine Parkplätze zum Halten und der Möglichkeit, die Aussicht zu genießen. Einige nutzen wir auch.

Dann steigt vom Meer herauf dichter Nebel, der vom Wind mal heraufgewirbelt und mal hinabgepustet wird. Zum Glück muss die Geschwindigkeit wegen der engen Kurven sowieso gedrosselt werden. Es ist ganz schön und unheimlich. So bekommen Krimiautoren wohl ihre Inspirationen. In einem Film hätte ich diesen Effekt für ziemlich übertrieben gehalten.

Beifahrer und Fondpassagier wechseln zwischendurch mal die Plätze. Auf den Vordersitzen gibt es nämlich auch eine Massagefunktion. Die kann die Stimmung aber leider auch nicht bis zum Abend heben. Irgendwann überwiegt der Bewegungsmangel.

Nach zwei Stunden pausieren wir in einer Gaststätte mit spektakulärem Ausblick. Man wirbt mit Walbeobachtung. Leider schwimmen gerade keine vorbei. Anschließend wollten wir eine Mall in einem kleinen Örtchen suchen und etwas shoppen. Die Durchfahrt durch San Luis Obispo bleibt aber erfolglos. Also weiter Richtung Etappenziel Santa Barbara. Bevor die Küstenstraße plötzlich wieder etwas mehr ins Landesinnere führt, durchfahren wir zunächst Pismo Beach – ein Ort, der einen meilenlangen Strand bietet. Rechts und links der Straße liegen riesige Campingplätze mit noch größeren Wohnmobilen. Hier ist wohl ganzjährig Saison, es sieht voll aus. Nach diesem Ort durchfahren wir noch Guadalupe. Gerade, als ich denke, dass ich diesen Ortsnamen weiter zur mexikanischen Grenze gelegt hätte, zeigt sich eine Hauptstraße, die in Mexiko wohl auch nicht anders aussähe. Sehr cool. Lässt mich gleich an „El Mariachi“ denken.

Anschließend säumen landwirtschaftliche Felder die Straßenseiten. Erst Erdbeeren, die aber noch wachsen müssen und dann Kohl, der schon ganz gut aussieht. Vor uns biegt ein Truck voller Kartons auf die Straße. Nach ein paar Meilen muss er bremsen und es fallen vier Kartons mit Blumenkohl herunter. Einen Kohlkopf überrollen wir, aber mit 22-Zoll-Reifen und einem Gewicht von 2,5 t merken wir das gar nicht. Hatte ich eigentlich schon die PS-Zahl erwähnt? 426. Da meldet sich mein Umweltgewissen. Tut mir leid. Da wäre ein Inlandsflug wohl kaum schlimmer gewesen.

Den Zug hätten wir noch nehmen können. Wir sehen die Küstenroute und auch die silbernen Wagen ein paar Mal. Sieht auch gut aus.

Gegen halb sechs sind wir dann endlich in Santa Barbara. Den weiteren Abend verbringen wir getrennt. Einer geht zum Strand: Laufen und den Sonnenuntergang genießen. Die beiden anderen laufen zur nächsten Mall. Der Spaziergang ist auch nicht zu unterschätzen, denn wir sehen einen wunderschönen und sehr gepflegten Ort mit spanischem Einschlag. Hier lebt wohl viel Geld. Einige Promis auf jeden Fall, das habe ich gelesen. Wir sehen aber keinen.

Da der Shoppingausflug von Erfolg gekrönt wird, ist auch der Teenager wieder versöhnt und findet Santa Barbara ebenfalls super.

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