Thursday

Heute schlafen wir direkt mal aus. Bis kurz vor acht. Obwohl das Frühstück hier nur bis 09:30 Uhr serviert wird. Aber wir sind doch in Kalifornien.

Weniger entspannt ist die Coronalage in der Welt. Wir merken hier davon aber noch nichts und sind bislang überall willkommen. Hoffentlich bleibt das auch so. Eine Heimreise wäre auch schön. Aber nun freuen wir uns erst einmal auf L.A.!

Nach dem Duschen in einem mittelmäßigen Bad (es ist eben nur ein „Inn“ und kein Hotel) gehen wir zum Frühstück. Der Frühstücksraum ist die kleine Lobby. Dort stehen drei Tische mit insgesamt 13 Stühlen. Da die Herberge über ca. 60 Zimmer verfügt und der Parkplatz voll belegt ist, könnt Ihr Euch vorstellen, wie viel Platz zum Frühstücken bleibt. Wir ergattern ein Tischchen mit zwei Stühlen draußen vor dem Eingang. Die Sonne scheint, also ist das durchaus angenehm. Ich kann schließlich auch im Stehen frühstücken. Das Buffet erhält dann von uns das Siegel: Legendär. Und das ist leider ironisch gemeint. Es gibt Toast und Bagelchen, um mit dem Besten anzufangen. Ansonsten ein paar namenlose Cereals, die, wie ich später höre, wohl auch so fade schmecken, wie sie aussehen. Joghurt gibt es auch, das steht jedenfalls auf den Bechern. Aber hier in den USA ist Joghurt eher ein Fruchtpudding. Darin enthalten sind fettfreie Milch, Maisstärke, Gelatine und immerhin Zucker und kein Ersatzprodukt. Schmeckt uns Dreien nicht sooo gut. Serviert wird das Ganze mit Einwegbesteck und -geschirr. Da es leider keinen Frischkäse gibt, versuche ich die kalte Butter mit dem kleinen Plastikmesser zu verstreichen. Mit dem zweiten Messer klappt es, die Butter ist in der Sonne schon etwas warm geworden. Wir beschließen, später am Vormittag ein zweites Frühstück einzunehmen, das diesen Namen auch verdient.

Also Auschecken und dann wieder auf die Straße. Heute liegen nur noch 100 Meilen vor uns. Der nächste Zwischenstopp ist nach einer kurzen Recherche Ventura. Dort gibt es ein Einkaufszentrum mit einer „Target“-Filiale und sicher auch eine Frühstücksgelegenheit. „Target“ ist für den Teenager ein Must-See. Es handelt sich dabei um einen Supermarkt, der unserer „real“- oder „Metro“-Kette gleicht. Eine Mischung aus Lebensmitteln und Non-Food, nur eben (überraschungsfrei) sehr viel größer als in Deutschland. Unserem Teenager zufolge sei das auch überhaupt nicht vergleichbar. Hier ist alles total cool und in Deutschland eben nicht. Diese These zieht sich übrigens durch den gesamten Urlaub. Unsere Gegenargumente verhallen ungehört. Die vielen Youtuber können doch nicht irren. Mir geht es anders. Ich bin sehr angetan von unserem Urlaub und genieße Kalifornien sehr, aber mit jedem Tag weiß ich unsere heimische Ausstattung in jedem Bereich mehr zu schätzen. Vom Wasserdruck bis zu unseren Verkehrsregeln – ich mag es auch zu Hause.

Ein paar Kleinigkeiten kaufen wir dann auch im „Target“. Unter anderem eine Dose Kopfschmerztabletten. So etwas wollte ich schon immer mal haben. Eine ganze rappelnde Dose! Meine sind sogar schrill orange. In Großbritannien gibt es freiverkäufliche Medikamente ja auch im Supermarkt, aber eben nur in Blistern. Und so günstig sind die Tabletten. Am Liebsten würde ich fünf verschiedene Dosen kaufen. Aber ich schätze es gibt hier auch eine Maximalabgabmenge und ich möchte mich nicht schon wieder blamieren. In Großbritannien habe ich im Kaufrausch einmal vier Schachteln auf einmal kaufen wollen. Die Kassiererin sagte mir dann, dass sie mir nur drei verkaufen darf. Für die vierte müsste ich mich einfach schnell noch einmal anstellen und erneut bezahlen. Habe ich dann auch gemacht. Aber heute nicht.

Wir haben Wasser gekauft und wollen die Flaschen mit dem Einkaufswagen zum Auto transportieren. Wir schieben eine Weile um das riesige Gebäude herum. Wir haben leider auf der anderen Seite geparkt. Ich schaue auf den Boden und sehe eine dicke gelbe Linie mit Einkaufswagen darauf, denke mir aber nichts dabei. Plötzlich müssen wir stehen bleiben, denn der Wagen rollt nicht mehr. Um uns herum stehen auch bereits drei weitere herrenlose, leere, blockierte Wagen. So ist es eben nicht gedacht. Wir dürfen das „Target“-Gelände mit Wagen nicht verlassen. Wieder peinlich. Und wir müssen nun alles auf unsere Arme verteilen.

Während die Eltern über so viel Bräsigkeit lachen können, ist für den Teenager bald die maximal erträgliche Peinlichkeit erreicht. Ab jetzt müssen wir uns also zusammenreißen.

Nachdem alles verstaut ist, wollen die Damen ins nahegelegene Café gehen, um das geplante zweite Frühstück einzunehmen. Aber der Beifahrer sitzt im Auto und ist sichtlich irritiert darüber, dass es immer noch nicht weitergeht. Vielleicht wurde es für Absicht gehalten, aber darüber können wir alle drei lachen. In „Mimis Café“ bekommen wir schließlich ein einwandfreies Frühstück (und dann auch noch um 13 Uhr): Cinnamon French Toast, Waffles with Berries, Quiche. Das Obstangebot ist hier übrigens hervorragend. Obst kann immer als Beilage geordert werden. Sehr leckere Beeren, Ananas und Melone.

Nach dem Brunch noch schnell tanken. Wie auch im Europäischen Ausland, muss man zuerst die Kreditkarte einlesen und kann erst danach tanken. Unsere Zapfsäule verlangt aber eine Debitcard und akzeptiert keine Creditcard. Das muss mir der nette Tankwart auf Nachfrage erklären. Dann bekommen wir auch unser Benzin.

Ab Ventura beginnt schon der Großraum Los Angeles. Das merken wir zum Einen am Verkehrsaufkommen und zum Anderen an den vielen aus der Film- und Serienwelt bekannten Ortsnamen. Bis hierhin: Oxnard, Thousand Oaks, Saratoga, Malibu, Calabasas, Topanga, Pacific Palisades, Brentwood.

Und dann sind wir auch schon in Santa Monica. Das Hotel liegt direkt am Pier, wir finden es also schnell. Die Einfahrt ist sehr eng und wir rollen ganz langsam ein. Leider ist draußen nichts frei, also müssen wir weiter in die Garage, in die wir gerade so hineinpassen. Dafür sind viele Plätze frei. Gerade als die ersten Taschen ausgeladen sind, kommt ein Hotelangestellter und belehrt uns, dass wir nicht allein parken dürfen. Nur er und seine Kollegen dürfen das. Es tue ihm leid, aber wir müssen wieder rausfahren und ihm das Auto oben übergeben. Ui, ich entschuldige mich, woraufhin er sich noch mehr dafür entschuldigt, dass an der Einfahrt niemand stand, der uns gleich aufgeklärt hat. So viel Höflichkeit. Wie ich es aus vielen Filmen kenne, übergebe ich brav den Schlüssel, obwohl „Gone in 60 seconds“ einer meiner Lieblingsfilme ist. Unser Gepäck teilt sich in der Hauptsache auf drei Koffer auf. Aber durch das Auto eben auch auf einige Taschen, Tüten und das Wasser. Der Hotelpage sieht das Chaos, holt einen Kofferwagen und lädt alles auf. Sehr nett ist er. Wir aber sind alle drei erschrocken, wie wenig glamourös unsere Habseligkeiten aussehen. Und nun werden sie auch noch derart präsentiert und direkt aufs Zimmer eskortiert.

Das Zimmer ist ausreichend geräumig und wir richten uns ein. Der Safe ist nicht funktionsbereit und wir müssen den Service rufen. Nach einer kleinen Pause im Zimmer wollen wir die Pier besichtigen. Die Sonne scheint und wir gehen alle ohne Jacke. Das ist recht frisch, aber wir beißen die Zähne zusammen. Einmal zum Wasser und wieder zurück. Ich wusste nicht, dass die legendäre Route 66 von Chicago quer durch das Land führt und hier am Pier endet. Haben wir die also auch bereist. Wenigstens ein klitzekleines Bisschen. Weil uns etwas kalt ist, gehen wir in die nächste Mall, die nur ein paar Schritte entfernt liegt. Leider Open Air und in den Läden sehr gut klimatisiert. Es wird also auch nicht wärmer. Es wird noch etwas geshoppt und dann wollen wir eigentlich in der „Cheesecake Factory“ essen, aber dort müssten wir eine Wartezeit von 20 Minuten in Kauf nehmen. Im Wartebereich sitzen schon eine Menge Wartewillige. Wir sind es nicht und entscheiden uns für Fast Food bei „Johnny Rockets“. Sehr lecker. Eine halbe Stunde ist vergangen und der Wartebereich ist leer. Also werden wir an einem anderen Abend einfach etwas später einen zweiten Versuch wagen.

Zurück im Hotel gewähren wir dem Teenager etwas Erholung und gehen in Jacken gehüllt noch einmal zur Pier. Im Dunkeln ist sie viel cooler, weil die bunte Beleuchtung besser zur Geltung kommt. Außerdem ist es nun leerer und leiser hier, wir können sogar das Brandungsrauschen hören.

Und auch den Drehort des Films „Der Clou“ entdecken wir beim zweiten Besuch (obwohl der Film in Chicago spielt):

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