Sunday

Heute wurden in Kalifornien die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Wir wachen auf und es ist schon so spät… Schnell schwimmen und duschen und dann mal zum Zieleinlauf des Marathons spazieren. Die Profis sind schon längst fertig. Jetzt trudeln einige Halbprofis ein. Sie sehen für ihre Leistung noch frisch und wenig abgekämpft aus. Die Menge jubelt ihnen zu. Es sind zwar (noch) nicht superviele Leute da, aber es werden mehr. Die Massagezelte sind noch recht leer und die Ersthelfer noch unbeschäftigt.

Das Wetter ist heute Morgen wider Erwarten toll: Blauer Himmel und nur ein paar Wolken. Die werden leider mehr werden. Aber immer positiv denken.

Zurück im Hotel schläft der Teenager immer noch. Um zehn Uhr neuer Zeit wecken wir sie mal. Frühstück gibt es heute bei „Go Greek“. Dort wird original Griechischer Joghurt (ja, wirklich!) angeboten, den man sich mit allerlei Toppings schmücken kann. Obst in wie gewohnt großer Auswahl, Müsli und Schokolade. Der Laden befindet sich an der Promenade kurz vor dem Zieleinlauf des Marathons. Und so ist auf der Straße zwar viel los, aber beim Griechen sind wir die Einzigen. Es schmeckt köstlich.

Anschließend fahren wir mit der Metro in Richtung Downtown. In der Bahn sind auch schon viele Marathonläufer auf dem Heimweg. Einer hat sich sichtlich mühsam hingesetzt und als er nach acht Stationen aufstehen will, hat er dabei große Probleme. Ganz so wie Barney Stinson nach dem New York Marathon. Beinahe müssen wir darüber lachen, nicken uns aber nur wissend zu. Man will ja nicht unhöflich sein.

Heute haben wir Tickets für die (Achtung!) höchste Aussichtsplattform in Kalifornien. Irgendwie auch süß, dass die Amerikaner sich immer so abfeiern für ihre Leistungen. Oder es ist anstrengend, immer nach Superlativen zu leben. Wenn etwas mal nicht das Größte oder Schnellste ist, was bleibt dann noch? Wir jedenfalls fahren mit der recht neuen Bahn (Baujahr 2016) in die Stadt. Es dauert ungefähr 45 Minuten bis ins Zentrum. Mit dem Auto nicht schneller zu schaffen. Dort steigen wir am Pershing Square aus und stehen inmitten des Financial Districts mit seinen Wolkenkratzern. Es ist das Büroviertel und entsprechend ist am Sonntagnachmittag nicht viel los hier. Aber den U.S. Bank-Tower finden wir schnell. Dort fahren wir in beachtlicher Geschwindigkeit in den 70. Stock. Dort befindet sich die obere Etage der Aussichtsplattform. Die untere Etage erreicht man über eine Treppe (kann ja jeder), oder über die volltransparente 5m lange Plexiglasrutsche, die an der Außenwand des Gebäudes angebracht ist (können nur Mutige). Eine kleine Reibungsverbrennung haben wir danach zu beklagen. Aber das ist nicht so schlimm. Der Ausblick ist fantastisch! Man kann die 15 Meilen bis nach Santa Monica sehen und auch die rund 10 Meilen bis zum Hollywoodschriftzug. Und natürlich auch die restliche Stadt dazwischen. Die vielen verschlungenen Freeways und die vielen hohen Palmen, die die sehr geraden Straßen säumen. Hügelig ist Los Angeles auch, jedenfalls mehr als ich erwartet habe. Vom Bank-Tower aus können wir auch schon die Seilbahn „Angels Flight“ sehen, die am Bunker Hill betrieben wird. Wir kennen sie aus der Serie „Bosch“ und einigen anderen Filmen. Sie war lange Zeit nicht in Betrieb, weil es einen Unfall gab, bei dem auch ein Fahrgast gestorben ist. Die Bahn wurde daraufhin grundsaniert und wir fahren heute unbeschadet den Hügel herunter. Die Fahrgeräusche allerdings klingen sehr historisch. Die Sache mit dem Unfall lese ich auch erst unten auf einer Infotafel. Unten angekommen, haben wir noch einen kurzen Blick auf das Rathaus und die LAPD- Zentrale, die mir aus „Bosch“ ebenfalls sehr vertraut vorkommen. Dann schlendern wir wieder zur U-Bahn Haltestelle zurück und fahren zur Union Station, dem Hauptbahnhof von L.A.. Dafür, dass diese Stadt so unglaublich groß ist, ist der Bahnhof eher heimelig. Es gibt nur 10 Gleise und der Gleiszugangsbereich ist hell gefliest. Das Gebäude ist in Spanischem Kolonialstil gebaut und sehr schön. Die Innenausstattung ist aufwändig gefliest und mit Holz verziert. Der Wartebereich ist mit sehr bequemen Ledersitzen ausgestattet, über dessen sachgemäße Verwendung mehrere resolute Damen wachen. Hier im Bahnhof laufen nur Touristen und Reisende umher. Anders als auf der Straße, sieht man hier keine obdachlosen Menschen. Das ist in Hamburg etwas anders. In L.A. allerdings ist die Zahl der offensichtlich Mittellosen ganz schön erschreckend.

Vom Bahnhof fahren wir wieder mit der U-Bahn nach Hollywood zum Walk of Fame. Die U-Bahn-Stationen in Hollywood wurden erst 2017 im Betrieb genommen und sind hübsch anzusehen. An unserer Station wurde die Tunneldecke mit leeren Filmrollen verziert. Dazu bunte Metallpalmen. Der Walk of Fame am Hollywoodboulevard hat sich seit „Pretty Woman“ aber nicht verändert. Die Straße hat einen St.Georg-schen Flair. Die hübschen Sterne auf dem Boden fristen ihr Dasein recht schmucklos. Hier ist noch nicht einmal der Schein pompös. Der Hollywoodboulevard ist überwiegend laut und schrabbelig. Am einen Ende vor dem imposanten Dolby-Theatre weht kurz ein glamouröser Hauch. Das Oscar-Theater ist außen wie innen sehr gepflegt und beherbergt auch viele kleine Läden. Wir finden bei „Sephora“ endlich die ersehnten Produkte und damit ist auch der Teenager wieder etwas versöhnt. Sie ist von L.A. als Stadt nicht im Ansatz so begeistert wie ich. Ich finde hier alles faszinierend. Schon wegen der unzähligen Filme, die hier spielen und die ich so mag.

Im Dolby-Theatre besuchen wir auch die Restrooms. Hollywoodüblich ist der Eingang schön und optisch einwandfrei. Die Räumlichkeiten an sich eher weniger. Ob die Gäste der Oscar-Verleihung andere Restrooms haben? Wenigstens ist dieser Service in ganz Kalifornien bisher immer gratis gewesen und deshalb will ich mal nicht klagen.

Gleich nebenan steht mit dem Chinese-Theatre noch ein Premierentheater, diesmal im Pagodenstil. Auch das ist groß und toll gestaltet. Aber die Besucher hier interessieren sich weniger für die hübsche Fassade als für die in Beton gedrückten Hand- und Fußabdrücke der Stars auf dem Vorplatz. Diese Tradition wurde durch den Gestalter der Anlage begründet, der seine Abdrücke als Monogramm nach Abschluss der Arbeiten hinterließ. Dem Bauherren hat das gefallen und so hat er vor über 90 Jahren angefangen, Filmstars um ihre Abdrücke zu bitten. Der Gestalter war dann übrigens 35 Jahre lang Zeremonienmeister dieser besonderen Autogramme. Wir machen eine Menge Bilder. Nur die Abdrücke der „Big Bang Theory“- und „Star Trek“-Besetzungen finden wir nicht. Es sind wohl zu viele und irgendwann haben wir keine Lust mehr.

Der Sunset Boulevard liegt ganz in der Nähe und wir statten auch ihm einen kurzen Besuch ab. Hier reihen sich eine Menge Autos aneinander, der Parkplatz für die Hollywood-Besucher ist in der Nähe. Gut, dass das nicht mehr unser Problem ist. Die Straße finde ich sehr hübsch. Schöne Palmen mit angehendem Sonnenuntergang.

Das Hollywoodmuseum ist leider schon geschlossen, der Tag geht schon wieder zu Ende. Wir fahren Richtung Santa Monica zurück. Ich muss sagen, die öffentlichen Verkehrsmittel gefallen mir hier gut. Für unsere touristischen Touren sind sie prima. Für Einheimische sieht das wohl etwas anders aus. Auf dem Linienfahrplan ist zu erkennen, dass das sternförmig angelegte Netz ganze Quadranten ausspart. Dort fahren dann vielleicht nur Busse. Die Buslinien haben wir noch nicht erkundet. In Santa Monica sieht man sie sehr oft fahren. Vielleicht ist die Taktung auch akzeptabel. Es scheint jedenfalls so, als wollte man wirklich versuchen, die Stadt verkehrsmäßig etwas zu entlasten.

Eine Station vor unserer Heimatadresse steigen wir kurz aus, um eine „Taco Bell“-Filiale aufzusuchen. Weit und breit sind wir die einzigen Fußgänger und die Filiale ist eher als Drive In angelegt. Es gibt nur einen winzigen Verkaufsraum. Da einer der drei Tische Außenbereich durch einen kommunikativen Obdachlosen besetzt ist, essen wir im Gehen. Die Burritos und Tacos sind sehr lecker! Das werden wir vielleicht noch einmal wiederholen. Auf dem Weg zurück zur Bahn gehen wir noch in einen Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Es ist ein Biomarkt. Deshalb gibt es weniger Snackartiges, als wir suchen, aber dafür spannende Ökoprodukte zu saftigen Preisen. Wir kaufen nur etwas Schokolade und wagen einen neuen Cookie-Versuch. Die Cookies, die wir bisher hatten, waren leider nicht so gut. Diese hier sind auch wieder vegan, aber ausnahmsweise lecker. Vegan kann also auch schmecken.

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