Heute starten wir leider wieder sehr spät. Ich habe einen anderen Rhythmus als der Teenager. Aber wenn wir hier eines machen müssen, dann Kompromisse. Nun, gegen elf sind wir endlich bei „Go Greek“ und essen wieder einen schönen Joghurt mit Früchten.
Anschließend fahren wir mit der Metro nach Hollywood. Am Montag Mittag sitzen schon ein paar mehr schräge Typen in der Bahn. Aber da müssen wir durch. Zurück am Dolby Theatre machen die Mädchen eine Celebrity Tour. Mit einem hippen Kleinbus in Luxusversion, der gestern an uns vorbeigefahren ist. Wir fanden, er sei der vertrauenserweckendste in der Auswahl. Leider haben wir uns von der Optik blenden lassen, wie es in Hollywood ja auch üblich ist. Der Touranbieter „TMZ“ betreibt eine gleichlautende Internetseite und auch ein Fernsehformat, in dem es um Promis und ihre Geschichten geht. Wenn die Herrschaften sich entsprechend blöd benehmen, werden ihre Eskapaden bissig kommentiert. Wenn sie sich kooperativ geben, wird wohlwollend berichtet. Dadurch haben die Busse, die mehr oder weniger arglose Touristen durch Beverly Hills (grenzt direkt an den Bereich um den Walk of Fame am Hollywoodboulevard) chauffieren, die Möglichkeit, vorbeilaufende Prominente anzusprechen und den Touristen Fotos und Selfies zu ermöglichen. Auch das wird dann ausgeschlachtet und im TV, Netz, oder den Bussen gezeigt. Der Guide, der zugegebenermaßen süß und einnehmend ist, hat seine Kamera allzeit bereit für etwas wie: Den Busfahrer, der die Fahrt unterbrechen muss, weil sein Lieblingsrealitytvstar aus dem Restaurant kommt. Oder die Touristin, die total ausflippt, weil sie ihren prominenten Schwarm anfassen konnte. Beides ist weit außerhalb unserer beider Comfortzone. Wir merken schnell , dass wir für die nächsten zwei Stunden viel Begeisterung zeigen und klatschen müssen. Machen wir auch tapfer. Der Bus fährt uns also kreuz und quer durch Hollywood. Man zeigt uns viele Restuarants in denen Promis gern Speisen (heute leider nicht) und diverse andere Stätten, an denen man ab und an mal einen Promi sehen kann: Hotels, Clubs, das Gerichtsgebäude (dort wohl ausschließlich Promis, Chris Brown ist dort unfreiwilliger Dauergast, Winona Ryder, Lindsay Lohan, O.J. Simpson und so fort). Wir sehen auch viele Filmschauplätze, die aber meist nur ich zuordnen kann, weil die Filme bereits als Klassiker gelten und ausnahmslos älter als 10 Jahre sind.
Was wir leider nicht sehen, sind die Wohnhäuser der Stars, denn an Beverly Hills fährt der Bus leider nur kurz vorbei. Wir kommen unserem eigentlichen Ziel also nicht näher als bereits der Kardashianwohnstätte in den Hidden Hills von Calabasas. Und genau das hatten wir uns vorgestellt. Die Tour war also ein teurer Reinfall. Wohlweislich hatte der dritte schon so eine Ahnung und hat währenddessen einen eigenen Spaziergang durch Downtown gemacht. Sein Motiv war vielleicht Sparsamkeit, aber er hat seinen Nachmittag genossen und uns später mit coolen Bildern versorgt.
Wir treffen uns wieder vor dem Chinese Theatre. Die Wartezeit nutzen wir für eine zweite erfolglose Suche nach den Big-Bang-Abdrücken. Wenigstens Star Trek ist da! Schnell noch ein Foto und dann zurück nach Santa Monica. Wir halten wieder eine Station vor unserer Heimathaltestelle. Heute, um dem Teenager einen Abstecher zum Beauty-Mekka namens „ULTA“ zu ermöglichen. Mitten im auslaufenden Santa Monica steht also eine Filiale dieser – ich nenne es mal Drogeriekette. Von außen recht unscheinbar, wenn auch sehr aufgeräumt. Wir reißen also noch ein paar Löcher in die Regale (nicht mehr) voller Beautyprodukte, die in Europa angeblich nicht zu bekommen sind. Auch hier sind sie wohl sehr beliebt. Die meisten „It-Pieces“ sind ausverkauft. Außerdem muss ich das Ganze ohnehin beschleunigen. Die Eltern haben geplant, heute noch ins Kino zu gehen und die Zeit läuft. Wir laufen den Rest der Strecke zum Hotel zurück. Und hier gibt es rechts und links so viel zu sehen, dass ich unbedingt noch einmal in Ruhe wiederkommen muss. Einer biegt schon beim Kino ab und besorgt die beiden Eintrittskarten. Ich gehe mit ins Hotel und hole meine Brille, ohne die Kino wenig Spaß macht. Der Teenager bleibt im Hotel, weil sie den Film nicht sehen will.
So genießen die Erwachsenen einen Abend zu zweit. Wir essen noch schnell einen Burger bei „Johnny Rockets“. Vielleicht liegt es daran, dass ich bis dahin nur einen Joghurt hatte, aber er schmeckt wie der beste Burger, den ich je gegessen habe. Großartig!
Dann geht es ins Kino: The Gentlemen. Der neue Geniestreich von Guy Ritchie. Nach „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ und „Snatch“ ist das wieder ein Hit! Jedenfalls wir sind begeistert. Im Kino mit etwa 150 Sitzen sind nur vier Plätze belegt und die beiden anderen Besucher verlassen den Film nach einer halben Stunde. Selber Schuld! Der Film ist klasse und trifft genau unseren Geschmack. Aber eben nur unseren. Eine sehr ausgewogene Mischung aus Komödie, Ganoven- und Laberfilm. Spitzendialoge, tarantinoartig, aber mit britischem Humor. Tolle Details wie schottisch gemusterte Trainingsanzüge und die erlesene Besetzung runden alles ab. Hugh Grant in seiner besten Rolle. Ganz anders als seine bisherigen. Auch Michelle Dockery überrascht mich als coole Gangsterbraut. Colin Farrell, den ich eigentlich nicht so sehr mag, weil ich immer den Eindruck hatte, dass er nur einen Gesichtsausdruck zeigen kann, ist hervorragend. Ich muss meinen Eindruck wirklich revidieren, denn er ist super! Von mir bekommt der Film 10 von 10 Hanfpflanzen! Nun muss ich wohl annehmen, dass die mir persönlich bekannten Blogleser den Film nicht ansehen werden, weil ich ihn so gut bewerte. Das Risiko gehe ich ein. Ich habe ihn jedenfalls nicht zum letzten Mal gesehen.