Heute steht noch einmal ganz im Zeichen von Hollywood: Wir fahren nach Burbank und besuchen die Warner Brothers Studios.
Frühstück gibt es bei Mc Donalds. Das ist in Deutschland tatsächlich besser als hier. Hier ist es nur in Ordnung. Anschließend schaffen wir es trocken zur Metro-Station. Denn heute ist es sehr regnerisch. Auf ein Neues an das andere Ende der Stadt. Leider sitzt in unserem Wagen ein armer Mensch, der lange keine Dusche mehr gesehen hat. Es müffelt fürchterlich. Anders als zum Beispiel in London, wo die U-Bahn das einzig sinnvolle Verkehrsmittel ist und deshalb Arm und Reich nebeneinander sitzen, fahren in L.A. überwiegend arme Menschen mit der Bahn. Und eben auch einige, bei denen ich davon ausgehe, dass sie kein gültiges Ticket mit sich führen. Sehr viel Realität zu jeder Tageszeit. So richtig harmlos war hier kaum eine Fahrt. Irgendjemand fällt uns immer unangenehm auf. Aber wenigstens spricht uns niemand an. Es gibt nämlich auch sehr kommunikative Leute in der Bahn, die mit sich selbst diskutieren, oder mit anderen einen lauten Streit anfangen.
Wir fahren bis nach North Hollywood kurz vor den Hollywood Hills, die heute eher schottisch anmuten: Dunkelgrün und wolkenverhangen. Es nieselt auch ein wenig. Von der Station Universal City müssten wir eigentlich mit dem Bus bis zu den Warner Studios im Herzen von Burbank fahren. Aber die recherchierten Buslinien fahren hier nicht sichtbar ab. Es steht allerdings ein Taxi bereit, das uns die etwa fünf Meilen weit fährt. Und am Ziel erwarten uns Bugs Bunny und Daffy Duck (in Bronze) zur Warner Brothers Studio Tour!
Wir sind eine Stunde früher dort, als wir gebucht sind (keine Überraschung), aber dieser Termin ist mir wichtig, hier wollte ich kein Risiko eingehen. Ohne Taxi hätten wir laufen müssen und das hätte mehr Zeit gekostet. In der aktuellen Tour sind aber auch noch drei Plätze frei und wir schaffen es gerade noch, die Restrooms zu nutzen, dann geht es auch schon los.
Zunächst gibt es einen Zusammenschnitt vieler WB-Produktionen der vergangenen Jahrzehnte zu sehen, der von Ellen DeGeneres moderiert wird. Ihre tägliche Show wird hier auch aufgezeichnet. Sie ist mir schon immer sympathisch gewesen, sie hat einen herrlichen Humor. Leider kann man ihre Show in Deutschland nicht sehen. Danach nehmen wir in Stretchgolfcaddies Platz. Wir sind 16 in der Gruppe und wieder sind wir Deutschen die Exotischten. Also das muss ich sagen: Unsere Antwort auf die Frage, woher wir kommen, wird immer sehr positiv bewertet. Ja, negativ ist hier sowieso keiner, jede Bestellung ist „excellent“, oder eine „great choice“ und man wünscht uns täglich mindestens sechs Mal: „Have a good one“. Und ich weiß auch, dass die Amerikaner wie die Briten eben sehr höfliche Menschen sind. Aber unsere Herkunft bleibt eigentlich nie unkommentiert. Manche finden es einfach nur „great“, andere waren auch schon einmal dort und erinnern sich an tolle Städte wie Frankfurt oder Berlin (einer fragt sogar, wie weit Hamburg von Berlin entfernt sei, denn Berlin würde er kennen. Was auch immer es ihm bringt). Andere antworten mit niedlichem Akzent auf Deutsch: „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“. Eine Dame, die uns schon vorher aufgefallen war, weil sie Glitzer zu lieben scheint (Glitzerrucksack, Glitzercap, Glitzerportemonnaie) berichtet uns, sie heiße Ursula (arme Frau, aussprechen kann sie ihren Namen nämlich nicht gut, sie stellt sich als „Uhrschuula“ vor) und sie würde gern mehr Deutsch lernen.
Aber ich schweife ab. Mit dem Gefährt fahren wir durch die 40.000 qm große Produktionsanlage mit unzähligen Hallen. Die dazugehörigen Bürogebäude stehen etwas entfernt außerhalb des Studiogeländes. Wie im Vorspann eines jeden WB-Filmes zu sehen, sind die Hallen alle beige. Es ist viel los. Unser erster Halt ist ein sog. Archiv. Es ist aber eher eine Ausstellungshalle, in der relativ aktuelle Filme vorgestellt werden: Aquaman, Wonder Woman, Fantastic Beasts and where to find them und Harry Potter (mit dem Verweis auf die „echten“ Harry Potter Studios bei London – ja, die sind auf jeden Fall einen Besuch wert). Die Auswahl kann ich nicht nachvollziehen, es wird leider nicht erklärt, warum gerade diese Werke. Vielleicht, weil die Kostüme so sehenswert sind. Alles sehr aufwändig und vielseitig. Leider darf man nichts anfassen. Die Aquamankostüme sehen toll aus, die hätte ich gern mal angefasst. Den Film habe ich nicht gesehen. Danach fahren wir durch die Straßenfassaden von New York (oder L.A. oder Washington, je nachdem, was gerade gebraucht wird. Die Türen haben alle keine Beschläge, die werden je nach Stadt und Jahrzehnt angebracht) über den Angestellteneingang aus E.R. in Chicago, durch den Central Park mit dem Brunnen aus „Friends“ bis nach Stars Hollow. In Stars Hollow sehen wir das Stadtzentrum und die Häuser der Protagonisten, die natürlich auch für andere Serien und Filme genutzt werden. Die Häuser haben auf der Vorder- und Rückseite zwei Eingangsbereiche. Dazwischen begehbare Räume. Wir gehen bei den „Gilmore Girls“ hinein und bei den „Pretty Little Liars“ wieder hinaus. Interessanterweise desillusioniert mich das nicht. Ich finde es faszinierend und werde zu Hause gleich mal wieder etwas davon laufen lassen, um zu sehen, was ein wenig Farbe und Dekoration so alles bewirken kann.
Der nächste Stopp ist das Ausstattungslager. Auf vier Etagen lagern Lampen, Regale und Dekorationsgegenstände. Wir sehen Gegenstände, die reserviert sind für laufende Produktionen und entdecken dadurch, dass es eine dritte Staffel von „Good Girls“ geben wird!
Wir gehen über in eine Halle, in der zur Zeit, aber nicht heute, eine Serie gedreht wird, die erst noch anläuft. Hier dürfen wir nicht fotografieren. Es sollen noch keine Bilder nach außen dringen. Es soll ein Teenagerdrama im Highschoolfootballmilieu im Problemstadtteil Crenshaw in L.A. sein. Gucke ich mir dann natürlich beizeiten an. Die Werbung wirkt.
Wir fahren noch durch eine riesige Halle, in der die Tischler fleißig an Wänden und Innenausstattung arbeiten.
Letzter Halt ist das große Museum und der obligatorische Gift Shop. Im Museum wird noch einiges über den Ablauf einer Produktion dargestellt. Sehr interessant. Hier finde ich auch vieles über ältere Serien und Filme, die in der nachfolgenden Generation nicht mehr bekannt sind. Manche Produktionshallen haben Plaketten am Eingang (E.R., Big Bang, Two and a Half Men). Diese Plaketten werden für Serien angebracht, die mindestens 10 Staffeln lang laufen. Sie haben die Hallen dann ja wirklich lange geprägt.
Wir können im „Central Perk“ auf dem gemütlichen Sofa Platz nehmen und uns knipsen lassen. Wer möchte, kann hier auch eine Szene nachspielen. Wir möchten lieber nicht. Auch, weil als nächstes die Kulissen aus Pasadena zu sehen sind! Wir dürfen auf Sheldons Platz sitzen und auf Leonards Sessel! Wir sehen die Caltechkantine und das Treppenhaus im vierten Stock! Großartig! Das geht nur, weil die Serie beendet wurde. Hat das Ende doch auch etwas Gutes. Sonst hätten wir die vertrauten Räume nicht sehen können.
Wir sind alle drei ganz angetan von dieser Tour. Es hat uns gut gefallen.
Vor der Tür steht wieder ein Taxi, das uns zurück zur Universal City Metro Station bringt. Mit einem Universal Shuttle Bus fahren wir von dort noch zum Universal City Walk. Das ist ein den Universalstudios und Freizeitpark vorgelagertes Einkaufszentrum. Die Mädchen werden von betörendem Duft in ein Beautygeschäft gelockt und wir erstehen eine selbskreierte fruchtbasierte Gesichtsmaske. Der Vorgang dauert recht lang, weil die nette Verkäuferin einfach nicht aufhört zu reden. Sie lobt das Englisch des Teenagers und meine pinke Jacke. Ist alles natürlich nur Verkaufstaktik, die bei uns aber wirkt. Sehr zum Entsetzen des Dritten im Bunde, den der Laden nach eigener Aussage geradezu aggressiv macht. Nach diesem Einkauf wollen wir aber alle zurück nach Santa Monica. Wir haben mit der Warner Brothers Tour die richtige Entscheidung getroffen. Hier bei Universal liegt der Schwerpunkt auf Entertainment und nicht auf den Blick hinter die Kulissen.
Der Shuttle Bus bringt uns wieder zurück zur Metro. Eine Lautsprecherdurchsage (unterstützt von Minions) bedankt sich für den Besuch und falls wir mit der Metro angereist sind, auch dafür, denn „Green is Universal“. Das ist doch ein netter Abschluss. Nach knapp 1,5 Stunden kommen wir wieder im Hotel an und machen uns kurz frisch. Denn heute Abend möchten wir gern mal etwas anderes als Fast Food essen. Am Tisch sitzend. Wir entscheiden uns für die „Cheesecake Factory“. Auch das ist eine sehr gute Entscheidung. Es gibt Nudeln, Fisch und Hackbraten. Alles sehr sehr lecker!