Zwar schreiben dieser Tage viele ihr persönliches oder allgemeines Corona-Tagebuch, aber da die Lage eben allgegenwärtig ist und das Reisen so bald noch nicht wieder möglich sein wird, steige ich mit ein.
Gerade habe ich den Live-Stream der Verleihung des Henri Nannen Preises verfolgt. Schön, was ohne Publikum auch möglich ist: Gutes Bühnenbild (die Henri Nannen Lounge im G+J Pressehaus), gute Präsentation, gute Moderatoren. Außerdem durfte ich dabei sein. Für die große Gala bekommt man als Normalsterblicher nämlich keine Eintrittskarte.
Der HNP wird an Journalisten aus der ganzen Welt vergeben für herausragende Leistungen in den Bereichen Reportage, Investigation oder Fotografie. Die Juroren haben als Laudatioersatz ihren Favoriten unter den Nominierten verkündet. Diese Einspieler mögen inszeniert gewesen sein, aber es ist mir immer wieder ein großes Vergnügen, einem Journalisten zuzuhören. Auch die beiden Moderatoren haben ihre Texte sehr schön gesprochen: Flüssig, wortreich, grammatikalisch korrekt, ausgefallen formuliert, leidenschaftlich und ohne Aussetzer oder Füllwörter. Ein Genuss! Und das ist leider viel zu selten der Fall. Im Fernsehen oder im Radio bekommt man oft nur Reden zu hören, die schwer erträglich sind. Besser erträglich, aber selten gut sind journalistische Videos auf Zeitungsportalen. Da tragen die Autoren ihre Stücke meist recht fade vor. Ihre Stärke liegt sicher im Schreiben, nicht in der Darstellung. Aber das junge Publikum verlangt offenbar nach Videos und bin nur noch wenige Jahre Teil der werberelevanten Zielgruppe. Den HNP für den Web-Beitrag des Jahres hat übrigens Rezo für seinen Beitrag zur „Zerstörung der CDU“ bekommen – toll! Vielleicht gucke ich ihn mir noch einmal an.
Erfreulicherweise funktioniert unser WLAN einwandfrei. Es wird ja dieser Tage sehr stark beansprucht: Den ganzen Tag zapfen drei Rechner alles ab, was eingespeist wird. Und das ist in Hamburg nicht immer ausreichend. Am Samstagabend zum Beispiel können wir unser Filmprogramm oft nicht ruckelfrei genießen.
Im vergangenen Januar, als man noch bummeln durfte, war ich mit netter Begleitung von Auswärts in der Innenstadt. An exponierter Stelle auf dem Jungfernstieg standen Demonstranten, die ich gar nicht beachtet habe. Aber plötzlich hörte ich meine Begleitung fragen: „Ihr wollt hier kein 5G?????“. Ja, von wegen. Ich nähme es sofort in Anspruch. Die Demonstranten – ich versuche es diplomatisch auszudrücken – waren der linksalternativen Szene zuzuordnen. Aber jenem Extrem, dass nicht nur konservative gesellschaftliche Normen ablehnt. Das allein ist mir ja grundsätzlich nicht fremd oder unangenehm. Diese (überwiegend) Damen hatten aber dazu noch einen Hang zum Esoterischen. Davon zeugten ihre bunten Baumwollkleider und Federschmuckstücke. Und sie waren eben gegen 5G. Aber da sie technischem Fortschritt nur ihre Klangschalen entgegenzusetzen hatten und offensichtlich auch in der Welt der Rauschmittel zu Hause waren, sind wir weiter gelaufen. Also ein wenig mehr Einsatz erwarte ich schon, als einfach nur dagegen zu sein. Warum? Und worauf stützt sich ihre Ablehnung? Meine eigene nachgelagerte Recherche hat ergeben, dass es tatsächlich so einiges gibt, das noch geklärt oder untersucht werden sollte. Ich hoffe, dass das auch geschieht und die Zweifel sich idealerweise als unberechtigt herausstellen. Denn ich nutze die Annehmlichkeiten eines schnellen Netzes sehr gern. Und ich gewöhne mich auch immer so schnell an neue Errungenschaften. Rückschritte sind nicht erwünscht.
Zu Hause ist es jetzt seit vielen Wochen recht ereignis- aber mitnichten reizarm. Das Fernsehprogramm ist eine Zumutung. In den Nachrichten finden kaum andere als Virusmeldungen Platz, weshalb ich versuche, mein Informationsbedürfnis nur einmal am Tag zu stillen. Und die Streamingplattformen bieten zwar viel Neues, aber es ist nicht alles nach unserem Geschmack. Da bin ich schon mal schneller genervt als im Normalbetrieb. Es wird also viel gelesen. Ein richtig fesselndes Buch hatte ich noch nicht in der Hand, aber einige stehen noch aus. Zur Not muss ich eben ein bekanntes Buch noch einmal lesen.
Schön zu lesen sind auch die sehr ausführlichen Wochenberichte der Schulleitung. Diese Woche wurde über den sanften Wiedereinstieg in den Unterrichtsbetrieb berichtet. In die Schule waren auch junge Schüler gekommen. Bezüglich dieser Gruppe hatte man im Vorfeld einige Bedenken wegen der Einhaltung von Abstandsregularien in der Pausensituation. Es hat aber alles prima geklappt, bei allen überwog wohl die Freude des Wiedersehens. Das wollte niemand durch Verstöße aufs Spiel setzen. Die Tischtennisplatten dienten dabei zusätzlich als „effektiv soziales Regulativ“. Ob einem sowas als Germanist spontan einfällt? Oder ist das ein Fachbegriff?