Stor framgång

Dreieinhalb Jahre Bearbeitungszeit, bis unsere Tochter endlich ein großes Bett bekommt. Nicht, dass wir nicht sofort ein Neues gekauft hätten. Aber der Platz, an dem ein Bett mit den Maßen 140cm x 200cm stehen kann, war nicht ausreichend vorhanden. Die Bettnische wurde seinerzeit kunstvoll geschaffen, indem aus zwei kleinen Räumen ein Größerer und eine Kammer entstanden sind. An einem Ende der Nische wurden sichtbare Heizungsrohrstränge hinter Gipskartonplatten versteckt. Und eben diese Verkleidung war einige wenige Zentimeter zu groß. Sie musste also kleiner werden. Da unsere hauseigenen Werkzeuge und vor allem Fähigkeiten diese Verkleinerung nicht ermöglichten, mussten wir auf die Hilfe meines Vaters zurückgreifen. Zum Glück hatten wir hier noch genug Guthaben, das wir abrufen konnten. Unbezahlbar: Kurzfristige Terminvergabe, 160 Kilometer An- und Abfahrt, 1 Manntag und volle Flexibilität bei der Leistungsbeschreibung. Denn der Endzustand sollte dann plötzlich doch noch anders aussehen, als ursprünglich geplant. Dafür sind wir wieder einmal sehr dankbar!

Fast alle übrigen Arbeiten (der neue Fußleistenzuschnitt wird auch noch übernommen) schaffen wir Büroleute nun allein. Das war jedenfalls die Grundidee. Schon am nächsten Tag sollten wir aber wieder vor einer Hürde stehen, die wir zwar überwinden konnten, aber es bleibt ein Hindernis. Obwohl bei jeder noch so kleinen handwerklichen Aufgabe von vorn herein klar ist, dass es aufwändiger wird als gedacht, überrascht mich das doch immer wieder. Selbst der Einbau der neuen Geschirrspülmaschine hatte zur Folge, dass das neue Gerät nicht passgenau in der Lücke steht. Es steht etwas weiter heraus als das alte Gerät. Ich wollte mich schon längst mal wieder damit beschäftigt haben, es noch einmal abmontieren und den Grund erforschen, aber inzwischen habe ich mich an den Anblick gewöhnt. Und ich schalte es unbeabsichtigt auch nur noch manchmal ein. Es hat nämlich keine Knöpfe mehr, sondern eine Touch-Bedienfläche. In vielerlei Hinsicht eine Verschlechterung übrigens, aber das nur am Rande. Es war nichts rückschrittlicheres im Angebot.

Aber nun wieder zu unserem heutigen Problem. Geplant war, pünktlich zur Öffnungszeit im skandinavischen Möbelhaus anzukommen, um ein neues Bett samt Matratze zu kaufen und dann von der angeschlossenen Spedition liefern zu lassen. Dieses Angebot haben wir schon einmal genutzt und es wurde im Internet auch noch beworben. Das Wunschbett war laut Internet nicht in den beiden naheliegenden Filialen vorrätig, sondern in der 20 Kilometer entfernten. Natürlich und immerhin. Wir waren pünktlich dort und nach einigen Probeliege-Versuchen war alles ausgewählt.

Ein freundlicher Lorenz hat unsere Bestellung dann aufgenommen und gleich mehrere Probleme aufgezeigt. Die ausgesuchte Matratze hat Lieferschwierigkeiten. Es gab im Lager vor Ort noch genau ein Exemplar. Das kann aber nicht geliefert werden. Wir müssen es selbst transportieren. Warum, bleibt unklar. Nachdem klar war, dass die Matratze nicht gerollt verpackt ist, befürchten wir, dass sie nicht ins Auto passt, selbst wenn wir einen Mann zurückließen am anderen Ende der Stadt und er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückführe. Wir ordern die Matratze und sie wird bis Ladenschluss für uns reserviert sein. Wir können also erst ausmessen und dann weiterdenken. Die restlichen Stücke des Bettes sind auch nicht am Lager. Sie sind aber bestellbar und lieferbar in 14 Tagen. Sie kommen aus dem Zentrallager und einer weiteren Filiale und werden deshalb in zwei Lieferungen bei uns ankommen. Dank Homeoffice ist das aber kein Problem. Allerdings irgendwie frustrierend, denn das Möbelhaus und diese Filiale haben wir extra ausgesucht, um die Ware sofort zu erhalten. Aber gut, war ja nicht das erste Mal. Dann muss eben zwei Wochen auf der Matratze allein genächtigt werden.

Zurück am Auto ist schnell klar, dass die Matratze nicht in unser Auto passen wird. Selbst wenn sie etwas flexibel wäre, das Risiko ist zu groß. Also erstmal wieder nach Hause. Auf dem Heimweg halten wir noch in einer Filiale eines ebenfalls skandinavischen Bettenausstatters. Dort kommt nur ein Exemplar in Frage. Leider ist das aber fast doppelt so teuer und eigentlich wäre es auch nur eine Notlösung. Denn die einzig wahre Matratze ist in Moorfleet reserviert. Die letzten Kilometer der Heimfahrt werden nur durch die Worte: „Und was machen wir jetzt?“ unterbrochen. Zu Hause checken wir verschiedenste Internetseiten. Das Ergebnis ist ein Miettransporter zum Black-Friday-Tarif. Teurer als eine Liefergebühr zwar, aber zusammen mit dem Matratzenpreis immer noch günstiger als das Premium-Modell aus dem Notfall-Laden.

Da beim Flexibilitätstest in Moorfleet ein halber Hexenschuss zu beklagen war und außerdem am späten Nachmittag noch ein Lernentwicklungsgespräch ansteht, muss ich mich allein auf den Weg machen. Ich spaziere also zur Mietwagenstation und nehme einen Crafter in Empfang. Ich hatte die Wahl zwischen Crafter und Crafter. Was Kleineres war nicht da. 15 Schäden soll ich am Wagen prüfen und eventuelle Neue melden. Mindestens die Hälfte der vermeintlichen Schäden hätte ich ohne das Protokoll gar nicht als solche erkannt. Also gebe ich auf und setze mich in ins Cockpit. Ich will den Rückspiegel einstellen, muss aber feststellen, dass es keinen gibt. Klar, vier Meter weiter hinter mir gibt es auch gar kein Fenster, durch das ich blicken könnte. Weiter auf der Checkliste: Schlüssel ins Schloss und drehen. Der Motor startet leider nicht. Auch beim zweiten Versuch nicht. Und ich muss feststellen, dass ich hier ein Schaltgetriebe vor mir habe. Ich muss also die Kupplung treten und nicht die Bremse. Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen.

Die Fahrt ist ganz entspannt. Es ist etwas voller in der Stadt als am Vormittag, aber ich genieße die Fahrt im Transporter. Es macht mir so viel Spaß, dass ich den Mietpreis auch jochenschweizermäßig als Event verbuchen kann. 50 Minuten später rolle ich auf den Möbelhausparkplatz. Es ist sehr voll, aber mit dem großen Gefährt muss ich ohnehin einen Randplatz suchen.

Im Markt gehe ich zielstrebig zur Kasse und kaufe das gute Stück. Es ist tatsächlich noch da! Auf dem Parkplatz wird es bereits dunkel. Aber sobald ich die Hecktür öffne, geht im Innenraum ein Licht an. Sehr gut. Die Matratze wiegt zwar 40kg, ist aber besser zu bewegen, als ich dachte. Ich kann sie relativ einfach hineinbugsieren. Und wie sie so darin liegt, wird völlig klar, das sie niemals in unseren Wagen gepasst hätte.

Als ich den Motor anlasse, läuft im Radio die Titelmelodie zu Raumschiff Voyager. Wie passend, ist der Kapitän der Voyager doch eine Frau. Wenn‘s läuft, läuft‘s. Der Rückweg ist auch wieder sehr angenehm und der Wagen kann nach 42 Kilometern zurückgegegeben werden.

Im Flur steht nun eine große Matratze. Dort muss sie auch bis Morgen stehen bleiben. Denn Punkt zwei auf der Liste, das Streichen der Neubauten wird heute nicht mehr abgearbeitet werden.

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