Endlich wieder Urlaub fern der Heimat!
Im letzten September in voller Ungewissheit gebucht. Es war ja lange nicht abzusehen, ob man im Sommer 2021 wieder Urlaub machen darf und dann noch im Ausland. Aber inzwischen ist Deutschland „grün“ und wir wurden an der Grenze einfach durchgewunken. Dabei hatten wir alles parat. Der Beifahrer allerdings hat 3 Kilometer vor der Grenze festgestellt, dass der Personalausweis seit 2 Monaten abgelaufen ist. Aber auch das war kein Problem, den wollte niemand sehen.
Bis zur Grenze sind wir an der Westküste entlanggefahren. Erst die A23 bis zum Ende und dann durch lauter Nette Örtchen, wie zum Beispiel Husum. Da war ich noch nie. Für meine entsprechende Bemerkung habe ich aber nur ein: „Warum auch?“ geerntet. Schönes Schleswig-Holstein trotzdem. Und der Grenzübergang eben ohne viele andere Bettenwechselsamstagstouristen.
In unserer Zweierkolonne haben wir uns auf dem zweiten Platz eingereiht. Wir haben nicht gebucht und waren lange recht ahnungslos, wohin genau es geht. Die Threema-Gruppe hat bis vor wenigen Tagen noch einen ganz falschen (Orts-)Namen getragen. Außerdem ist es auch mal ganz schön, einfach nur zu folgen. Den ganzen Nachmittag sind wir also dem Kodiaq oder UB70 hinterhergefahren. UB70 nicht zu verwechseln mit UB40, der Band oder dem namensgebenden Formular „Unemployment Benefit, Form 40“. Die Fahrer sind zwar auch Bandmitglieder, aber diese Band wurde unter weniger dramatischen Umständen gegründet und sie sind nicht nur ein One-Album-Wonder. Beim Wagennamen Kodiaq weiß ich nicht genau, ob der von den Kodiak-Inseln inspiriert ist und durch seine Bauart besonders geschmeidig durch Landschaft Südalaskas rollen könnte. Also bleibe ich bei UB70 und wir fahren hinterher.
Bei Esbjerg biegen wir links ab und fahren auf der Küstenstraße 181. Weit und breit Dünenlandschaft – ein wunderbarer Anblick – mehr Dänemark geht kaum. Vorbei an vielen Kindheitserinnerungen (Henne Strand) und Örtchen, die wir vor Jahren bereits besucht haben (Blåvand, Vejers Strand, Hvide Sande). Und rechts der Fjord immer im Blick. Das Meer wird hier weniger spektakulär präsentiert, weil Dünen davor sind und man es nicht sehen kann von der Straße aus. Aber wir können es riechen und ahnen!
Plötzlich biegt das Leitfahrzeug an einem der zahlreichen Kreisverkehre Richtung Ortsmitte ab. Mein Beifahrer beginnt bereits zu jammern, dass es doch nun genug sei mit der „scenic route“. Der Rücken meldet sich und er würde gern mal wieder aussteigen. Es stellt sich aber heraus, dass es sich nicht um einen rein touristisch angelegten Umweg handelt, sondern der Hausschlüssel abgeholt wird. Nun also Endspurt!
Der Weg von der Hauptstraße zum Haus ist sehr verwinkelt. Ich werde ohne Übersichtskarte nicht wieder hinaus, geschweige denn zurück finden. Sehr viele Kurven und Schotterwege später kommen wir an. Ein rotes Reetdachhaus mit großem Grundstück, dass die nächsten Nachbarn nur erahnen lässt. Total pandemiekonform. Wenn wir nicht wollen, werden wir hier wohl kaum jemandem begegnen.
Nach der Ankunft wird das Haus gemäß der vorhandenen Aufteilung in einen jungen Trakt und einen alten Trakt geteilt. In der Mitte die das Wohn- und Esszimmer, die kleine Küche, deren Größe man durch die offene Gestaltung verzeihen kann. Die Kühl- und Gefrierkombination ist einer maximalen Besucherzahl von 12 Personen angemessen, geradezu amerikanisch. Und wir sind ja nur 7.
Es müssen kleine Reetdachbewohner in den Schlafräumen beseitigt werden, wir scheinen die ersten Gäste der noch fragilen Saison zu sein. Auf dem Weg haben wir schon überwiegend dänische Autos gesehen, sehr wenige deutsche. Bis vor einigen Wochen war die Einreise ja auch noch nicht erlaubt, wir haben wirklich Glück gehabt. Nachdem das Kill-Team seine Aufgabe erfüllt hat, wird der Pool eingeweiht (Luft schwimmbadmäßig warm, Wasser eher kalt) und der erste Einkauf erledigt.
Unser Unterhaltungsequipment zu installieren, erfordert hier mehr als nur ein paar Steckverbindungen. Der Fernseher ist so eng an der Wand angebracht, dass wir ihn abnehmen müssen, um ein HDMI-Kabel einzustecken. Aber mit zehn Händen schaffen wir es, freie Fahrt für Filme und Videospiele.
Dann wird südamerikanisch gegessen und anschließend der obligatorische erste Gang zum Strand. Obwohl wir erst gegen 21 Uhr aufbrechen, müssen wir uns über Dunkelheit noch keine Gedanken machen. Mittsommer ist gerade erst vorbei und wir sind so weit im Norden, dass die Sonne erst weit nach 22 Uhr untergehen wird. Der Weg zum Strand beträgt aber immerhin rund 2 Kilometer und wir biegen immer mal wieder in eine Sackgasse ab. Auch hier finde ich mich allein kaum zurecht. Immer schön zusammen bleiben. Der Weg ist allerdings sehr pittoresk. Zunächst durch kleine Wäldchen und später durch die unverwechselbare Dünenlandschaft, die erst durchsetzt ist von bunten Blüten verschiedenster Art (auch meine aktuelle Balkonbepflanzung sehe ich am Wegesrand) und später immer wieder von feinem weißen Sand durchbrochen wird. Wirklich schön. Der Strand ist einsam und durch die Wolkendecke gräulich klassisch mit dezenter Brandung. Eben so, wie ich es mir von der Nordsee wünsche. Der blaue Himmel kommt schon noch. Der Rückweg endet mit einem kleinen Abenteuer, weil wir eine andere Route gewählt haben und wir kurz vor dem Ziel über einen Graben springen müssen. Gut, dass UB70 auch hier Führungsqualitäten mitbringt. Souverän wird uns Stadtkindern beim Sprung assistiert. Ich muss sagen, dass Borkum mir fehlt, aber auch Dänemark seinen eigenen Charme hat. Mehr Naturbelassenheit, weniger Reglementierung für Touristen, die hier sowieso kaum Raum einnehmen. Wir sind keinen 10 Personen begegnet bei unserem Ausflug. Irgendwie auch schön, auch wenn es sonst viel Spaß macht, fremden Strandkorbnachbarn Spitznamen zu geben und über ihre Eigenarten zu lachen. Hier können wir uns den eigenen Schrullen hingeben.
Zurück am Haus leeren wir die erste Flasche Sekt und schauen noch den Rest des Dänemarkspiels. Die dänische Mannschaft gewinnt, die Stimmung in der Gegend sollte also ungetrübt bleiben. Mitfiebern oder Jubel waren ob der Entfernungen allerdings nicht auszumachen.
Am Sonntagmorgen schlafen alle lang, so dass unser Poolgang und die Dusche unbemerkt bleiben. Entspannung macht sich breit, mal sehen, was der Tag bringt.
