Heute wurde mir vom abonnierten Musik-Streaming-Dienst das neue Album „Earthling“ von Eddie Vedder empfohlen. Wenig überraschend, ist er doch auf fast jeder meiner Playlists mit dem einen oder anderen Stück vertreten. Überraschend ist aber das Album, ein sehr vielseitiger Genre-Mix. Es beginnt mit einem Lied im Herbert Grönemeyer-Stil. Zuerst dachte ich: Nanu? Ein Duett? Aber es singt dann doch Herr Vedder. Herr Grönemeyer hat ja einige Jahre in London gelebt und nicht in Chicago, ich glaube nicht, dass die beiden sich mal getroffen haben. Dann folgt eine Tom Petty-Referenz, da wollte ich schon abbrechen, aber die Skip-Taste reichte aus. Anschließend folgen einige rockigere Stücke, eines mit Ska-artigem Gesang, aber nicht schlecht. Und dann noch fast erwartet eine Hommage an die Ramones, deren Fan-Club-Präsident Herr Vedder ja ist, mit einer ordentlichen Portion E-Gitarren-Schrabbel. In der Mitte ein Duett mit Elton John – also zwei Stimmen meiner Jugend. Es ist schon ihr zweites gemeinsames. Das erste ist auf dem enttäuschenden Elton John-Album „The Lockdown Sessions“ zu finden. Eine Ansammlung riesiger Stars, die mich leider überhaupt nicht überzeugen konnten. Wenn Herr John anruft heißt es sicher: „Yes Elton, send an embarrassing big car and I‘ll be there!“ Und das Duett mit Dua Lipa, das aus vier schönen John-Hits zusammengebastelt wurde (Sacrifice, Rocket Man, Kiss the bride, Where‘s the Shoorah) hat es an die Spitze der UK-Charts geschafft und ihm den ersten Nr. 1 Hit seit 16 Jahren eingebracht. Das gönne ich den beiden natürlich, aber für mich ist das eine sehr lahme Nummer, da erwarte ich viel mehr. Im Duett auf Vedders Album dominiert das Piano, das ist prima, aber dann gleitet es etwas ab ins countryhafte und damit kann ich nicht viel anfangen. Beide sind solo also viel besser.
Herr Vedder hat mich durch meine Jugendjahre in den Neunzigern begleitet. Zumindest modisch erlebt dieses Jahrzehnt gerade ein Comeback. Karottenjeans heißen zwar jetzt: Mom, Paperbag oder Cinchback, aber bei letzterer kann man sich wenigstens den Gürtel sparen, der im Augenblick in der Modewelt so gar keine Rolle spielt.
Eigentlich steht das ganze Wochenende im Zeichen der Neunziger. Gestern Abend wurde in einem Quiz nach dem Namen „Rufus Beck“ gefragt. Und da hatten wir plötzlich total Lust auf „Der bewegte Mann“. Was soll ich sagen: Der Film ist überraschend gut gealtert. Ich kann über die Gags immer noch lachen. Heute Abend versuche ich, „Sneakers“ zum Hauptfilm zu machen, mal sehen, ob das klappt. Die Besetzung ist ein Who is Who der Neunziger: Ein knittriger Redford, Poitier, Strathairn, Aykroyd, Phoenix und Kingsley. Und ein sog. Heist-Movie. Ein Film, der ein Verbrechen (meist Raub) aus der Sicht der Ganoven thrillerartig nachzeichnet. Gute Samstagabendunterhaltung.