Rhein Romantik

Heute wachen wir recht früh auf, weil wir den Samstag auch recht früh beendet haben. Wir waren müde. Und wir arbeiten stetig daran, in drei Tagen einen Marathon zu laufen. Da muss es abends eben etwas ruhiger sein.

Das Frühstück wollen wir heute wieder auswärts einnehmen. Wir haben uns das WDR Funkhaus Café ausgesucht. Nicht zuletzt wegen der Öffnungszeiten, denn man erhält auch am Sonntag schon um 08:30 Uhr ein exquisites Frühstück. Und wir sind nicht die Einzigen, die frische Croissants zu schätzen wissen. Die Pancakes sind ebenfalls köstlich. Nach dem Frühstück gehen wir zum Museum Ludwig, ein Museum für zeitgenössische Kunst. Dort wollen wir die Zeit bis zur nächsten touristischen Attraktion überbrücken. Das Museum liegt direkt am Dom, dessen Glockengeläut zur sonntäglichen Messe einlädt. Wir haben der Kathedrale aber schon vor dem Frühstück einen kurzen Besuch abgestattet. Wegen der Vorbereitungen durften wir nur ganz kurz hinein und auch nur in die Halle am Eingang, aber das reicht ja als Pflichtbesuch allemal.

Im Kunstmuseum haben wir Werke vieler namhafter Künstler betrachtet. Von Nolde über Picasso bis Beuys und Warhol von allem etwas dabei. Das Museumsgebäude ist modern und sehr ansprechend gestaltet, es gefällt mir richtig gut. Außerdem ist es angenehm klimatisiert. Wir sind schnelle Museumsgänger und haben immer noch etwas Zeit, die wir im „Wartesaal am Dom“ mit einem alkoholfreien Cocktail verbringen. Der Wartesaal ist in den Bahnhofsgewölben untergebracht. Der Hohlraum unter den Gleisen wurde hier sehr stylisch hergerichtet und beherbergt nun eine Hipster-Gaststätte mit Außenbereich. Wir setzen uns unter einen Schirm, denn die gemessenen 24 Grad fühlen sich an wie 32. Ich muss mir auch kurz eine Mütze kaufen, denn am Nachmittag haben wir eine große Hafenrundfahrt gebucht und ich kann nicht abschätzen, ob wir schattig platziert werden. Der gestrige Tag hat für einen Sonnenbrand auf dem Kopf gesorgt. Dort kann ich ja nicht cremen.

Am Pier Nr. 10, der hier Steg genannt wird, warten schon einige andere Touristen auf die Abfahrt. Eher unangenehmes Publikum. Ich kann meine nordische Arroganz leider nicht verbergen, aber die zahlreichen Menschengruppen sind auf verschiedenste Art zu laut, zu jovial und zu mitteilungsbedürftig. Wir müssen beide etwas gequält lächeln. Durch die Wärme bin ich sowieso etwas quengelig und frage mal vorsichtig, ob wir den Ausflug nicht lieber sausen lassen sollten. Aber eigentlich wäre eine mehrstündige Pause mit leichter Brise jetzt genau das Richtige. Also durchhalten. Und wie so oft, wird es bei schlimmsten Befürchtungen total ok bis super. Das Schiff verfügt über einen Deckbereich, der offen, aber überdacht ist und wir bleiben an unserem für mindestens fünf Mann gedachten Tisch allein. Dann lassen wir uns auch noch einen Lillet-Cocktail servieren und lauschen der angenehmen Erzählstimme der Stadtbilderklärerin. Die Fahrt führt etwas südlich an den berühmten Kranhäusern vorbei und dann in drei nahegelegene Hafenbecken Richtung Norden. Es ist auch ganz interessant, was hier passiert. Denn auch die Binnenschifffahrt transportiert Container, alles eine Nummer kleiner als in Hamburg, schon weil der Rhein nicht so einen Tiefgang hat, aber dennoch zahl- und traditionsreich. Entlang der Ufer queren wir kilometerlange Hochwasserausgleichsflächen, die bei diesem Wetter als Naherholungsgebiet dienen. Viele Menschen liegen und sitzen im Gras und genießen die Sonne. Neue Brücken werden seit der Bürgermeisteramtszeit von Konrad Adenauer nur noch in „Konrad Adenauers Brückengrün“ gestrichen. Da das nun schon einige Jahre so gehandhabt wird, ergibt sich ein stimmiges Bild auf der ganzen Fahrt.

Wieder an Land, machen wir uns frisch im Hotel und gehen ein letztes Mal zum Rheinufer und suchen uns ein schönes Lokal für das Abendessen. Die Stimmung ist hier mediterran, Familien, junge Paare, Freunde, alle genießen den sommerlichen Abend im Freien.

Hinterlasse einen Kommentar