Wir hatten gestern noch die Matratzen getauscht. Der junge Mensch schläft lieber weich und wir nicht so gern. Die beiden Matratzen lagen einfach nur im falschen Raum. Unten im Hof haben in der Nacht Katzen miteinander gestritten. Ansonsten war es sehr ruhig. Die Fenster gehen nach hinten raus, eigentlich schade, Sirenengeheul finde ich auch immer heimelig. Dann höre ich das eben nur tagsüber. Nach dem Wachwerden schnell eine Dusche: Ein Traum – riesige Duschkabine mit zweierlei Sprühköpfen, eine Regendusche und eine Handbrause. Letztere finde ich ja viel besser, da komme ich mir nicht so ausgeliefert vor. Die Handbrause ist zwar sehr niedrig angebracht, aber bei meinem Stockmaß ist das kein Problem. Und der Wasserdruck ist erstaunlich hoch. Es dauert nur etwas, bis das Wasser warm wird. Das erklärt vielleicht, warum die Leute in Filmen immer erst die Dusche einschalten, sich dann entkleiden und erst später in die Dusche gehen.
Unser Frühstück ist herrlich: Toast, Coronation-Chicken-Aufschnitt, Pancakes, Rührei, Joghurt, Müsli und Erdbeeren. Bemerkenswert ist die Qualität der Erdbeeren. Sehr lecker und ausnahmslos alle schön in der Schachtel. Wie das so geht, was wird nur aus all den angedrückten Beeren? Vielleicht landen die in der Marmelade….
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Notting Hill. Wir wollen heute ausgiebig vintagemäßig shoppen. Am späten Samstagvormittag sind wir natürlich nicht die Einzigen, die zur Portobello Road strömen. Aber der Markt ist auch einfach sehr schön. In ruhiger, angenehmer Stimmung bauen die Ladenbesitzer und andere Marktleute ihre Stände auf der Straße auf und man kann sich alles ansehen. Überfüllt ist es nämlich nicht. Wir kaufen auch einige Kleinigkeiten und machen zwei kleine Trinkpausen. Zwischendrin treffen wir zufällig eine Schulfreundin. Wir wussten zwar, dass sie auch gerade hier sein müsste, aber sich dann auch zu treffen, ist schon ungewöhnlich. Vielleicht gibt es nächste Woche noch ein verabredetes Treffen unter jungen Menschen.
Von der Portobello Road fahren wir zum Piccadilly Circus. Auf jeden Fall ist dieser Ort ein Must-Be bei jedem Aufenthalt. Von dort spazieren wir zum Leicester Square, der heute leider sehr voll ist. Deshalb laufen wir einfach weiter. Unser Ziel ist Minalima. Das ist das Ladengeschäft zweier Grafiker, deren populärster Auftrag bisher die gesamte Grafik der Harry Potter Filme war. Vor dem Laden hat sich eine Schlange gebildet. Aber wir müssen nur rund 10 Minuten anstehen, dann dürfen wir hinein. Auf zwei Etagen sehen wir erst eine Ausstellung der Harry Potter Produkte: Schulbücher, Karten, Tapeten und dergleichen. Wirklich toll. Außerdem werden einige Bücher in außerordentlich schöner Version angeboten. Auch eine Märchenbuchreihe. Natürlich tragen wir etwas heraus. Die Verkäufer sind auch noch so nett. Ich freue mich sehr über diesen Abstecher.
Inzwischen geht der Nachmittag zu Ende und uns schmerzen Die Füße. Also erst einmal eine weitere Trinkpause in einem Pub. Ein sehr kleiner Gastraum und trotzdem eine Ruheoase, weil das laute Treiben von Soho ausgesperrt wird. Als die Gläser leer sind, setzen wir zum Endspurt an und laufen zur Foyles for Books-Filiale. 7 Etagen voller Bücher. Nach einer Sanierung klinisch modern eingerichtet, früher herrschte hier Schrabbelcharme in dunklem Holz. Aber immer noch sehr gut sortiert. Ich erstehe einen Reisführer für das Dartmoor. Dann kann uns dort auch nichts mehr entgehen!
Die U-Bahn bringt uns ohne Umsteigen wieder zurück zum Earls Court. In der Bahn ist ein junger Mann vor unseren Augen eingeschlafen. Erst hat er sich noch gewehrt und versucht, seinen Kopf unter Kontrolle zu halten. Aber nach einer Station schläft er und droht während der Fahrt erst auf die eine Sitznachbarin zu kippen und dann auf die andere. Alle müssen schmunzeln, das ist schön anzusehen.
Wir bringen unsere Beute nach Hause, machen uns kurz frisch und gehen dann zum Essen. Heute essen wir asiatisch, es ist teilweise sehr scharf, aber trotzdem lecker. Nach dem Essen trennen wir uns kurz. Eine geht direkt zum Apartment und die beiden anderen kaufen in zwei verschiedenen Supermärkten noch ein paar Getränke. Mit je nur zwei Händen und ohne Kofferraum muss man einfach öfter einkaufen.