Monday

Garfield mag keine Montage, ich mag aber Garfield. Montag ist auch nicht mein Lieblingstag. In der Regel aber ist er ok. Heute mag ich dagegen sehr. Denn heute fahren wir in den Fuchsbau, nach Little Whinging, nach Godric‘s Hollow und nach Hogwarts. Wir besuchen die Harry Potter Studios. 2016 war schon eine Teilmenge von uns dort und nun fahren wir alle zusammen!

Vorher gibt es wieder ein heimisches Frühstück. Was soll ich sagen, aber in der Erdbeerschale war wieder keine einzige unschöne Frucht zu finden. Man kann darüber abergläubisch werden und sich fragen, was der Tag so bringt, wenn mal eine schlechte Beere dazwischen liegt. Generell sind Erdbeeren ja Glückssymbole, also vielleicht etwas besonders schönes und auf diese Weise ist man dann vorbereitet und weiß es zu schätzen.

Nach dem Frühstück geht es auch gleich los. Auf jeden Fall pünktlich sein, Ihr kennt mich ja. Harry Potter ist schon ein Phänomen. Ich war noch nie von etwas so begeistert und geprägt – ein wirklicher Fan. Bücher schaffen es öfter, Filme manchmal, dass ich mich darin verlieren kann, mitfiebere, mitleide und es kaum abwarten kann, wie es weitergeht. Die Harry Potter Bücher habe ich eigentlich erst spät für mich entdeckt. Aber Frau Rowling schreibt so schön, eine Mischung aus Kleist und Mann, wenn ich das so vergleichen darf. Endlose Sätze und wunderbare Beschreibungen, die Bilder erzeugen, die sofort den Eindruck vermitteln, dabei zu sein. Wie kaum eine Zweite kann sie sich auch in die verschiedensten Charaktere hineinversetzen, egal wie alt oder jung diese sind, egal, in welchen Lebensumständen sie sich befinden. Astrid Lindgren konnte das auch meisterhaft.

Der Bustransfer soll an der Victoria Station starten. Das haben wir ja alles schon einmal gemacht, aber alles wieder vergessen. Dank Smartphone gehen wir aber dennoch einen direkten Weg, kommen pünktlich an und sind nicht die Ersten. Dieses Mal ist der Bus von außen voller HP-Studio-Tour-Werbung. Dafür ist das Innere weniger schick. Eher linienbusartig. Es gibt Bildschirme an jeder Rückenlehne, es wird neben anderem Entertainment auch „HP and the prisoner of Askaban“ gezeigt. Leider in sehr schlechter Qualität: Klein, miserabler Ton und noch schlechtere Bildübertragung. Es stockt ständig und wirkt wie in 1,2facher Geschwindigkeit. Da ist etwas Magie verloren gegangen. Interessanter zu beobachten ist sowieso die fünfköpfige Familie neben uns, ich fasse das nur einmal kurz zusammen:

Der Vater sitzt zunächst allein in einer Reihe und will, dass das auch so bleibt, seiner jüngsten Tochter (ca. 7) bedeutet er unmissverständlich, sich woanders zu setzen.

Die älteste Tochter (ca. 15) setzt sich und sogleich die Kopfhörer auf. Wir haben alle ein Armband bekommen, dass uns dieser Tour zuweist. Sie hat es beim Anlegen kaputt gemacht – die Mutter muss ein neues besorgen. Danach hört man von ihr nichts mehr.

Der mittlere Sohn (ca. 12) setzt sich und hat nach etwa 1,8 Sekunden die Spiele auf dem Bildschirm aufgerufen und daddelt bereits ausgiebig, als die anderen sich noch sortieren – Chapeau!

Die jüngste Tochter sitzt neben ihrer Schwester, die aber offenbar nicht bereit ist, mit ihr zu kommunizieren (man kennt ja leider die Vorgeschichte nicht). Bei ihr muss die Mutter alles regeln. Sie anschnallen, den Bildschirm einstellen (Sprache, Programm etc.), dann hat sie leider auch ein rechtes Gehirsel mit ihrem Kopfhörer, zweimal muss durchgetauscht werden, nachdem sie vergeblich versucht hat, die Ohrstecker so klein zu kneten, dass sie in ihre Ohrmuschel passen. Überflüssig zu sagen, dass die Größe nicht veränderbar ist, auch nicht durch Handfertigkeit.

Das alles geht einher mit einem lauten und hektischen französischen Gebrabbel. Ich verstehe nur Fetzen, weil die so schnell sprechen. Franzosen schaffen ihre durchschnittlichen 16T Wörter pro Tag bestimmt bis zur Mittagszeit. Und vielleicht leben sie einige Monate weniger als der Durchschnittseuropäer. Wer immer in so einer Hektik lebt, sich wie ein Vogel bewegt und immer wenigstens 4 Dinge gleichzeitig jongliert. Es sieht anstrengend aus. Ich muss schmunzeln, habe ich doch ein Live-Foto von den beiden daddelnden Kindern gemacht. Nur von schräg hinten, versteht sich und nur, weil ich die hektischen Bewegungen so witzig finde. Es wird dann wieder gelöscht.

Nach halber Strecke muss der Sohn den Platz wechseln, weil er das System zum Absturz gebracht hat, jetzt neben dem Vater, der darüber noch ein wenig schimpft, was aber niedlich-französisch klingt. Die Töchter sitzen nebeneinander, sprechen sich aber weiterhin nicht an. Die Mutter muss etwa alle zwei Minuten etwas regeln oder schimpfen, was zu einer Durchsage des Busfahrers führt: Es sei nötig, dass man sitzen bleibt, solange der Bus in Bewegung ist.

Ich sitze allein in meiner Reihe, drei sind ja immer einer zu viel. Aber ich muss gar nichts regeln, außer vielleicht meine Lüftungsauslässe, denn die Klimaanlage läuft einwandfrei und sehr angenehm. Draußen ist es heute schwülwarm bei 27 Grad.

Nach 40 Minuten kommen wir am Studiogelände an. Schon von außen ist zu erkennen, dass sich hier vieles geändert hat. Es ist viel aufgeräumter und durchgestylter. Schön, so lohnt sich auch der zweite Besuch. Im Eingangsbereich hängt der Ukrainische Eisenbauch, mit dem die Flucht aus Gringotts gelingt. Ganz schön groß.

Wir starten gleich mit der Tour und werden als letzte Teilnehmer noch mit in den ersten Warteraum geschoben. Dort erzählen uns Fred und George, wie wir uns zu benehmen haben und was wir unbedingt tun sollen. Es ist eine neuere Aufnahme, aber die beiden sind immer noch süß. Anschließend nehmen wir in einem kleinen Kinosaal platz und man kündigt an: The HP-Movie-Marathon starts now – See you tomorrow. Das stimmt natürlich nicht. Gezeigt wird ein Film, in den die drei Hauptdarsteller von den 10 Jahren Drehzeit berichten und kurz die große Filmfamilie vorstellen. Danach gehen sie durch die Doppeltür in die große Halle von Hogwarts und hoch geht die Leinwand und da ist sie dann wahrhaftig: Die Eingangstür zur großen Halle!

Von da an können wir in unserem eigenen Tempo durch die Ausstellung flanieren. Es startet mit der großen Halle, in der zwei Tischreihen aufgebaut und gedeckt stehen. Über den Fliesenboden sind die Darsteller wirklich gelaufen, die Halle wurde genau an dieser Stelle massiv gebaut und 10 Jahre lang genutzt. Die Ecken sind mit allerlei Devotionalien der vier Häuser geschmückt. Überall verteilt stehen gesichtslose Puppen, die Kleidung der Charaktere tragen, es sind alle da: Hagrid, Professor McGonagall, Dumbledore, Snape und so fort. Heraus aus der Halle folgt eine große Studiohalle, in der diverse Schauplätze aufgebaut wurden. So findet sich die Küche im Fuchsbau neben Snapes Klassenzimmer und der Gryffindor-Jungen-Schlafsaal neben einer sich ständig wechselnden Treppe. Obwohl die ja irgendwie nebeneinander liegen. Das Portrait der fetten Dame hängt auch dazwischen. Es ist etwas voller als beim letzten Mal, aber mit kurzen Wartezeiten lässt sich alles bestaunen und knipsen. Es ist auf jeden Fall wieder großartig! Nach dieser großen Halle folgt der verbotene Wald, den wir noch nicht kennen. Mit Nebeleffekten. Danach folgt der Hogwarts Express, wie alles auch hier natürlich der Original-Zug, in dem gedreht wurde. Mit all den Kameraleuten war es ganz schön eng darin. Hier wurden sechs Abteile nach den ersten sechs Filmen gestaltet und ausgestattet. Sehr liebevoll gemacht. Die Bahnhofshalle, in der auch noch ein Shop und etwas Gastronomie untergebracht sind, geht über in den Außenbereich. Dort können wir 10 Meter der alten Hochbrücke in Hogwarts bewundern, den Knight Bus, das Haus der Dursleys, ein Fuchsbaumodell und das Mandrake-Gewächshaus von außen und innen sehen. Dann steht dort noch ein Ford Anglia auf dem Weg in den zweiten Teil der Ausstellung.

Der zweite Teil startet mit den Goblins und wie die Schauspieler dazu wurden. Das sieht sehr aufwändig aus. Ich glaube so ein Drehtag ist sehr lang. Direkt danach für uns alle neu ist die Schalterhalle von Gringotts. Riesig und ja auch in mehreren Teilen zu sehen, da lohnte sich der Aufwand, Marmorsäulen und -böden nachzuahmen, die sehr echt wirken. Ein paar Schritte weiter ist die Halle aus dem achten Film zu sehen, vom Drachen zerstört. Der Drache wird wütend und tosend dazu animiert gezeigt. Auch das sieht fast real aus. Was heute so möglich ist, toll. Dazwischen wurden einige Verliese aufgebaut und am Ende kann man durch die Winkelgasse laufen. Dort wurden alle einschlägigen Läden aneinandergereiht, das ist sehr hübsch! Zum Schluss gibt es noch einen Einblick in die Entwürfe und handwerklichen Aspekte des Set Designs. Das ist ebenfalls spannend und toll aufbereitet. Die Ausstellung mündet dann in ein riesiges Modell der Howarts-Anlage, die in einem ständigen Wandel von Tag und Nacht beleuchtet wird. Im Film sieht man dann keinen Unterschied. Die Burg scheint einfach dort zu stehen in Schottland.

Unser Besuch endet natürlich mit einem Einkauf im Shop und einem Snack in der Gastronomie. Gekauft wurden einige Kleinigkeiten, wir sind im Grunde ja bereits gut ausgestattet mit Fanartikeln. Wir essen jeweils ein Pie-Gericht. Es ist natürlich Fast Food, aber von der gehobenen Sorte, die ohne Fritteuse auskommt: Ein kleiner Pie mit Kartoffelpüree, Rotkohl, Möhren und brauner Soße. Zum Nachtisch teilen wir uns Aunt Petunias Pudding. Ein Vanilleküchlein mit Zitronenfüllung, das außen herum mit bunter Marshmallowsahne und Cocktailkirschen dekoriert wurde. Sehr süß, aber schmackhafter als er anmutet.

Dann geht es zurück zum Bus und wir fahren wieder nach Hause.

Später am Abend ist Resteessen angesagt. Wir haben noch ein paar Spaghetti. Der Geruch am Gasherd erinnert mich an die Campingurlaube meiner Kindheit. Schön. Allerdings hat unser Aufenthalt hier mit Camping sonst recht wenig gemein. Man kann aber auch einen Städteurlaub mit Camping verbinden, das schließt sich nicht aus. Bei meinem ersten Besuch in Paris haben wir auf einem Campingplatz logiert. Das hat Stil, wie ich finde. À propos Stil: Meine Coke gieße ich zum Essen heute originalbritisch aus der Hülse direkt in das Weinglas (die Spülmaschine war noch nicht durchgelaufen).

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