Thursday

Vorletzter Tag in London, da schleicht sich schon wieder etwas Wehmut in die Stimmung. Der Tag startet aber erst einmal mit einem heimischen English Breakfast. Nicht „Full“, wir haben keinen Bacon, keine Tomaten, Pilze oder Black Pudding. Aber sonst ist alles da, außerdem noch Erdbeeren und Müsli. Satt und zufrieden fahren wir eine etwas längere Strecke bis zum Monument. Das ist eine riesige 62m hohe, begehbare Säule, die an den großen Brand von 1666 erinnern soll und dort an der Pudding Lane steht, wo in einer Bäckerei das Feuer ausgebrochen war. Sie wird mit „iconic“ beworben. Das ist leicht übertrieben, obwohl sie schon recht prominent zwischen all den Häusern in engen Gassen steht. Jedenfalls hätten wir für unser Ziel auch schon eine Station früher aussteigen können, aber das habe ich übersehen. Nun gucken wir uns also erst diese Säule an, bevor wir die Daunt Books Filiale mitten in der City of London ansteuern. Diese Londoner Buchhandelskette hat ihren Ursprung in den ersten Buchhandlungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Sonderanfertigungen, also Einbauten speziell für Bücher, ausgestattet wurden. Damit sollte der Kunde schon beim Besuch im Ladengeschäft in die Welt der Bücher tauchen können. Die Bücher wurden zu dieser Zeit auch erstmals nach Themen sortiert angeboten. Die Daunt-Kette wurde erst 1990 von James Daunt gegründet und führte zu Beginn ausschließlich Reiseliteratur. Ob die Film-Figur des William Thacker hiernach entwickelt wurde? Allerdings war Herr Daunt sehr erfolgreich, hat schon bald expandiert und auch das Angebot erweitert. Im Augenblick ist die Kette sehr populär. In der Stadt sieht man viele junge Menschen mit Daunt-Books-Tote-Bags, die in den Filialen für einen stolzen Preis verkauft werden. Ich bin ja schon seit jeher ein Book-Lover, deshalb freut es mich, dass das Konzept der Daunt-Kette aufgeht. Man glaubt fest an das Medium Print und möchte sich bewusst gegen die Online-Lieferanten positionieren. Mit ansprechendem Einkaufserlebnis, psychologisch ausgearbeiteter Präsentation und wöchentlichen Lesungen und Verkaufsstartveranstaltungen scheint das auch zu funktionieren. Bei mir sowieso, aber eben auch bei jungen Menschen – TikTok sei Dank. Serien- oder Filmfiguren helfen dabei natürlich auch: Hermione Granger, Jess Mariano, Meggie Folchart, Eloise Bridgerton, Kathleen Kelly und wie sie alle heißen.

Wir kaufen hier zwei Taschen und 6 Bücher, eine Tasche bekommen wir dann sogar gratis als Zugabe. Sehr schön. Aber es war noch nicht DIE Daunt-Filiale mit dem schönsten Interieur. Wir sind also noch nicht fertig damit. Diese Filiale im Büroviertel habe ich ausgesucht, weil wir von hier aus zur St. Pauls Cathedral spazieren können, um dann über die Millennium Bridge zum Shakespeare’s Globe Theatre am südlichen Themse-Ufer zu gelangen. Stücke gibt es gerade keine reizvollen, aber den Shop hätte ich gern besucht. Leider ist noch geschlossen. So starten wir hier unseren Southbank-Spaziergang eben sofort. Auf dieser Seite des Flusses kann man ganz wunderbar flanieren. Rechts die Themse, die im Augenblick erschreckend wenig Wasser führt und links viele kleine Lädchen, Cafés und Mini-Märkte. Es ist das Künstler-Areal, hier ist immer was los und es gibt Kunst und Kunsthandwerk für jeden Geldbeutel. Am National Theatre gibt es auch einen von den Pariser Bouquinisten inspirierten Buchflohmarkt. Dunkelgrüne Buden an der Kaimauer und zahlreiche Tische mit echten Raritäten.

Von hier aus ändern wir unseren Ursprungsplan etwas und biegen ab zur Waterloo-Station. Dort steigen wir in den Bus und fahren bis zur Baker Street. Es ist End- und Startstation zugleich und deshalb sind die Sitze oben ganz vorn frei für uns. Wir haben also noch eine sehr touristische Fahrt durch Soho über Piccadilly Circus bis zur Baker Street. Von dort laufen wir durch das noble Marylebone bis zur schönsten Daunt-Filiale und kaufen noch zwei Bücher. Dann trennen wir uns wieder, weil die Jüngste gern im Regent’s Park lesen möchte. Wir schlendern zum nächsten Pub und erfrischen uns mit ein paar Drinks. Gerade als der Gin auf dem Tisch steht, kündigt die Leserin ihre Rückkehr an. Sogar das kostenpflichtige Benutzen der Toiletten im Park ist nur noch mit Karte möglich. Mit Bargeld kann man hier so gut wie nichts mehr anfangen. Sorry, cards only. Dann trinken wir alle drei noch etwas und machen uns auf den Rückweg nach Earls Court. Im Apartment kurz frisch machen und die Füße hochlegen, um wieder einigermaßen ausgeruht zum Italiener auf der anderen Straßenseite gehen zu können. Dort ist es schon ziemlich voll, wir erwischen aber ein günstiges Zeitfenster. Nach uns bildet sich eine ansehnliche Schlange von Hungrigen. Die Lasagne und die Pizza sind so reichhaltig, dass anschließend keiner mehr laufen möchte und so beschließen wir den Tag im Apartment.

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