Friday

Letzter Tag in London. Ich muss am Morgen schon ein wenig mit dem Packen anfangen. Ja, ich hatte an jedem Abend kurz das Gepäck vor dem geistigen Auge, aber dann doch wieder gedacht: Für den Rückflug haben wir ein viertes Gepäckstück angemeldet, das wird schon passen. Bedacht habe ich nicht, dass wir Morgen erst einmal alles zur Mietwagenstation schaffen müssen. Mal sehen, wie das funktioniert. Ich werde schon ein wenig vorsortieren, das kann ja nicht schaden.

Frühstück gibt es heute noch einmal am schönen Plätzchen in South Kensington. Die Beschaulichkeit ist etwas geringer als am Sonntag, weil heute auch Lieferverkehr passieren muss, aber in unserem Café Brown & Rosie ist wieder ein Tisch für uns frei. Es gibt wieder ein Dreierlei, heute allerdings nur einmal süß. Danach starten wir den durchgetakteten Tag in Richtung Embankment. Von dort spazieren wir zum Trafalgar Square und besuchen die National Gallery. Wir trennen uns und wollen in einer Stunde wieder zusammenkommen. Ich mache mich auf die Suche nach William Turner , der übrigens am Covent Garden geboren wurde. Ich möchte wie James Bond und Q vor „The fighting Temeraire“ sitzen. Aber ich glaube, dass die Bänke für den Film anders gestellt wurden. Jedenfalls kann man heute nicht direkt davor sitzen wie die beiden. Es musste wohl ein Bild mit Bezug zu Bond sein, Q erwähnt ja auch das Abwracken, dafür kann man auch mal etwas umstellen. Danach schaue ich mir noch die Impressionisten an und van Goghs Sonnenblumen. Bloody Tourists – kommen immer nur wegen der berühmten Bilder. Aber wo in der Welt ist das Bestaunen umsonst? Das kenne ich nur hier in London. Die beiden anderen treffen sich beim Rundgang und finden auch das gesuchte Bild der „Hinrichtung der Lady Jane Grey“, Königin für neun Tage am Schafott. Als der Teenager erst 5 Jahre alt war, hatte sie dieses Bild hier gesehen und später in der Kindertagesstätte nachgemalt und ihm dabei noch einen blutrünstigen Touch verliehen, die Darstellung also weitergedacht. Das hatte seinerzeit für einige Irritation gesorgt. Aber sie konnte die Situation mit ihrer ihr eigenen und berechtigten Unschuldsmine erklären. Bildende Kunst und kein nicht altersgerechtes TV-Programm. Allerdings hätte sie ja auch das Whistlejacket-Pferd malen können, oder was buntes Unverfängliches.

Die Temperaturen sind heute etwas gemäßigter, aber für meine Begriffe weit weg von kühl. Beim Frühstück unter dem Sonnenschirm allerdings fröstelten die beiden anderen, während ich die Kühle genossen habe. Und selbst nun in der Mittags-Sonne tragen einige Fleece- oder Daunenjacken, unglaublich. Davon muss ich noch eine Weile träumen, bis ich so etwas wieder anziehen kann.

Nach der Kunst fahren wir zusammen zum Tower Hill. Dort brechen meine Begleiter auf zur Gondelbahn über die Themse in Greenwich. Ich mag keine Gondeln und werde den Fluß über mein ikonisches Bauwerk schlechthin überqueren, die Tower Bridge. Ich genieße jeden Augenblick, auch wenn die Sonne von vorn brennt. Egal, es ist total leer auf dem Fußweg und ich kann lauter schöne Fotos machen. Dann steige ich in die Jubilee Line, die noch recht jung ist. 1979 wurde die Linie eröffnet, meine Zielstation North Greenwich sogar erst im Jahr 1999. Dort befindet sich der Millennium Dome, eine moderne Veranstaltungshalle, die ebenfalls schon in einem James Bond Film eine Rolle spielte (Die Welt ist nicht genug, auch 1999). Beim Bau der Station wurden größentechnisch völlig neue Dimensionen gedacht, man hatte zum Jahrtausendwechsel mit Unmengen von Besuchern kalkuliert. Die kamen aber nicht so zahlreich wie gedacht und deshalb wirkt die Anlage recht übertrieben. Das ist ja immer etwas tragisch.

Ich treffe die beiden Gondelfahrer wieder und wir essen bei Wagamama, damit wir das auf jeden Fall auch noch abhaken können. Nach dem Essen fahren wir wieder zurück Richtung Innenstadt. Der Teenager steigt an der London Bridge um und macht sich auf den Weg nach Hamstead, um auf den Pfaden einiger Romanfiguren zu wandeln und deren Kiez zu erkunden. Gestern in Marylebone wurden zwei Seriendarsteller gesichtet, an denen ich achtlos vorübergegangen wäre. Vielleicht hat sie ja auch heute wieder Glück.

Wir fahren zum Leicester Square, sitzen einfach herum und saugen die Atmosphäre Londons auf. Nach einer Stunde spazieren wir rund um den Piccadilly Circus und kehren in einem kleinen Pub ein. Von dort machen wir uns auf den Weg zum Oxford Circus, denn dort wollen wir uns wieder treffen. Wir entdecken aber ein kleines „Green“ und lassen uns dort noch einmal zum Lesen nieder. Dann gibt es wieder Kommunikation miteinander und wir verabreden uns, nun alle Richtung Treffpunkt aufzubrechen. Wir planen für uns eine halbe Stunde ein, sind aber schon nach 15 Minuten dort. Wir müssen eine Weile warten und das an einem der belebtesten Orte der Stadt. Zwischendurch werden wir auch nach dem Weg zu einem Theater gefragt – die Frage kann der Giant aber souverän beantworten. Er hatte eben diesem Theater um die Ecke gerade kurz aus sentimentalen Gründen einen Besuch abgestattet.

Der Oxford Circus wird von vier Gebäudeecken umsäumt. In jedem der Gebäude ist ein Ladengeschäft untergebracht. An unserer Ecke ist zwar keine auffällige Leuchtreklame angebracht, aber mit der Angabe des Markennamens kann der Teenager natürlich etwas anfangen und findet uns nach Ankunft prompt.

Jetzt heißt es noch, die letzten zwei Ziele abzuarbeiten:

1) Hamleys, the finest Toy Store in the world. Für uns ist das ein Abschiedsbesuch, denn wir sind der Zielgruppe endgültig entwachsen. Und der Rausch, Spielzeug auf sieben Etagen mit Live-Demonstration von Neuigkeiten auf jeder Etage zu bestaunen, hat sich inzwischen verbraucht. Es war aber immer nett und ich kaufe noch ein letztes Kleinod: Einen Plüschdobby.

2) Die Waterstones-Filiale am Piccadilly – der größte Buchladen Europas. Auch hier teilt sich das Angebot auf sieben magische Etagen auf. Und dieser Laden versprüht noch echten 90er Jahre Vintage-Charme. Ein gelungener Abschluss.

Zurück am Earls Court noch etwas Obst eingekauft, damit die Reste aus dem Kühlschrank aufgewertet werden können. Und dann ist Packen angesagt. Herrje, wir waren doch etwas übermütig beim Shoppen. Ich fürchte mich vor dem Transport des Gepäcks. Das geht nicht nur mir so, wir werden es mit einem Taxi versuchen. Morgen mehr dazu.

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