Countdown to Christmas

Weihnachten kommt. Die Zeit des Wartens vertreibe ich mir in jedem Jahr auch damit, die schönsten Weihnachtsfilme anzuschauen. Ich kann das tatsächlich nur in dieser Zeit. Einen Weihnachtsfilm im Mai oder August anzusehen, fühlt sich für mich ganz falsch an.

Im folgenden werde ich meine persönliche Bestenliste aufführen. Leider muss ich schon zu Beginn sagen, dass ich hier wenig tolerant zu sein scheine. Der neueste Film ist auch bereits 16 Jahre alt. Ich gehe soweit, zu behaupten, dass in den letzten Jahren kein nennenswert guter Weihnachtsfilm dazugekommen ist. Das waren in meinen Augen alles nur nette Filme ohne das Zeug zum Klassiker. Wobei die Bezeichnung „Klassiker“ natürlich so heikel wie anspruchsvoll ist. Wer definiert einen Klassiker? Woran wird er gemessen? Welche Kriterien müssen erfüllt werden? Für mich kann es schon ein Weihnachtsklassiker sein, wenn ich mich jedes Jahr wieder darüber freuen kann und wenn die Figuren mich auch beim achten Mal nicht langweilen.

Die Reihenfolge ist absteigend sortiert. Die erstgenannten Werke muss ich also unbedingt ansehen, sonst hätte ich auch gleich die Weihnachtsdeko im Keller lassen können. Die unteren überspringen auch mal die eine oder andere Saison.

1) Tatsächlich Liebe, 2003 – Ein echtes Juwel. Die außerordentlich erlesene Besetzung durchlebt die letzten Wochen vor Weihnachten im wunderbar leuchtenden London. Hier stimmt einfach alles: Humor, Tragik und Kitsch im weihnachtlichen Dreiklang.

2) Die Muppets Weihnachtsgeschichte, 1992 – Der Inbegriff des Weihnachtsfilms. Hier hat Disney wirklich keine Kosten und Mühen gescheut und einen Familienfilm geschaffen, der schöner nicht sein könnte. Der wunderbare Michael Caine wird von Kermit und seinen filzigen Freunden zu einem besseren Menschen gemacht. Als hätte Herr Dickens ihnen die Geschichte auf den Leib geschrieben. Die Gags und Lieder sind so gelungen, dass sie Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern können. Der Film ist bei uns seit vielen Jahren Pflichtprogramm am Nachmittag des 24. Dezember.

3) Schöne Bescherung, 1989 – Die Familie Griswold hat ja einige Abenteuer erlebt und all die Filme sind heftiger Klamauk, weit entfernt von intelligentem, tiefsinnigem Humor, wie zum Beispiel ein Loriot ihn zelebriert hat. Aber das Familienoberhaupt Clark und seine Unerschütterlichkeit berühren mich jedes Mal wieder. Wenn er auf dem Dachboden alte Super 8- Filme laufen lässt, ergreift auch mich der „Spirit of Christmas“, der dazu von Ray Charles besungen wird.

4) Liebe braucht keine Ferien, 2006 – Eine lupenreine Romanze, die in der Weihnachtszeit an meinen beiden Sehnsuchtsorten spielt: London und Tinseltown. Eine einwandfreie Besetzung lebt und leidet durch wunderbare Dialoge und ein Meer voller schöner Details: „Ich suche Kitsch in meinem Leben!“

5) Der kleine Lord, 1980 – Ich kann gar nicht sagen, warum ich diesen kleinen blonden, braven und altklugen Jungen so mag. Darüber hinaus: Ist es ein Weihnachtsfilm, nur weil er unter dem Weihnachtsbaum endet? „Ihr könnt es doch nicht Salat nennen, nur weil Zwiebeln drin sind!“ (Lily Aldrin, How I met your mother) Aber die ARD hat ihn einfach dazu erklärt und sendet den Film nur zur Weihnachtszeit. Das ist für mich allemal ausreichend. Es ist eine schöne Geschichte, deren theaterhafte Umsetzung so charmant daherkommt, dass selbst der verschrobene britische Adel liebenswert wirkt. Und Alec Guinness ist durch diesen Auftritt für mich unsterblich. Es ist zweifelsohne eine der schönsten Rollen des Mannes der tausend Gesichter.

6) Weihnachtsfolgen meiner Lieblingsserien: The Big Bang Theory oder Modern Family. Aber auch Brooklyn 99, Sherlock oder Chuck haben schöne weihnachtliche Geschichten umgesetzt. Wahrscheinlich macht es auch Drehbuchautoren großen Spaß, diese besondere Zeit zu würdigen.

7) Stirb langsam, 1988 – Bruce Willis als DER Actionheld meiner Jugend im ewigen Kampf von Gut gegen Böse, hier eben in einem Wolkenkratzer. Außerdem hatte hier Alan Rickman seinen ersten internationalen Auftritt. Dieser Film wird zu Recht in die Schublade der Klassiker gesteckt. Er war stilprägend in vielerlei Hinsicht und ist zweifelsohne einer der meistzitierten Filme in Wort und Bild.

8) Lotta aus der Krachmacherstraße, 1992 – Die unvergleichliche Astrid Lindgren hat mit Lotta eine Figur geschaffen, die im Schweden der 60er Jahre und dennoch wie gewohnt zeitlos aufwächst. In Lindgrens Geschichten steckt so viel Moral und Lernenswertes, aber nie wird es uns aufgedrängt. Das ist auch in der Krachmacherstraße der Fall. In diesem Film jedenfalls wurden mehrere Bücher verarbeitet, unter anderem: „Lotta kann fast alles“. Darin rettet Lotta das Weihnachtsfest, indem sie in ihrer unnachahmlichen Art in letzter Minute noch einen Weihnachtsbaum für die Familie auftreibt. Ach, ich glaube, ich werde gleich im Anschluss noch in meiner Weihnachtsgeschichtensammlung von Lindgren lesen, die ich seit 1985 mein Eigen nenne. Der Nikolaus hatte sie mir als traditionelles Weihnachtsbuch gebracht. Es wurde meine Bibel.

9) Familienfest und andere Schwierigkeiten, 1995 – Jodie Fosters Sittengemälde der US-amerikanischen Kleinstadtbevölkerung der 90er Jahre. Ein weihnachtlicher Grenzfall, weil die Familie sich an Thanksgiving abarbeitet. Aber wie der Vater am Ende so schön sagt: „Mein Gott und in 4 Wochen ist Weihnachten.“ Da wird das Familiendrama dann seine Fortsetzung bekommen, denn die Probleme, die im Laufe der Handlung zu Tage treten, sind mitnichten beseitigt. Sie werden nur vertagt, denn zu Weihnachten wird natürlich der Schein gewahrt und man wird wieder zusammenkommen. Herrlich, schon weil es, was mich betrifft, weit außerhalb meiner Realität stattfindet.

10) Ist das Leben nicht schön?, 1946 – Achtung: James Stewart und nicht Roberto Benigni, ein wichtiger Unterschied. Der Film ist schmerzhaft alt, schwarz-weiß und in einem Tempo und einer Art gedreht, wie sie heute niemanden mehr ins Kino locken könnten. Interessanterweise auch damals nicht, der Film war ein kommerzieller Misserfolg. Aber mehr Weihnachten geht eigentlich nicht: Tragik, Familie, ein Wunder und ein kitschiges gutes Ende. James Stewart ist allerdings auch in desolatem Zustand nett anzusehen und so wird der Film heute zu den besten Filmen überhaupt gezählt, ein echter Klassiker.

Außer Konkurrenz laufen bei mir noch ein paar weitere Filme, die ich wenigstens erwähnen möchte:

Drei Nüsse für Aschenbrödel, 1973 – Ein tschechisches Kleinod und die Verfilmung des Aschenputtelmärchens. Hat mit Weihnachten im Grunde gar nichts zu tun. Aber Märchen ziehen immer. Und die Verfilmung ist schwungvoll und sehr emanzipiert, soweit die Vorlage es zulässt. Die tschechischen Filme und Serien meiner Kindheit sind seltsam gut gealtert. Heute immer noch gut anzusehen, das schaffen nicht alle Filme, auch nicht die guten.

Der Grinch, 2000 – Mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Weil es Carrey auf seinem Zenit ist und weil die Vorlage hier so absurd bunt umgesetzt wurde, dass es einfach sehr gut zu Weihnachten passt. Und Weihnachten ist der rote Faden.

Nightmare before Christmas, 1993 – Tim Burton und Danny Elfman in Reinform. Das beste aus allen Welten in einem Stop-Motion-Musical. Habe ich seinerzeit im kleinen Saal der Zeise-Hallen gesehen und nach etwa 5 Minuten verließen einige Männer schimpfend den Saal, weil sie etwas ganz anderes erwartet hatten. Da denke ich natürlich an den bewegten Mann: „Ist das hier nicht der Stallone?“ Wir Übrigen haben es dann umso mehr genossen.

So, jetzt wie versprochen auf nach Schweden zu Pelle, Ronja und Pippi.

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