Sylvesterurlaub steht an! In der sog. Friesischen Karibik. Wegen des sonnenreichen Klimas wird die Insel Föhr so untertitelt. Sonne erwartet uns leider nicht in der nächsten Woche. Dafür viel Regen und Wind. Zwar sind rund 7 Grad angekündigt, aber das geht noch nicht als subtropisch durch, es wird also eher tundraesker Frühsommer. Oder so.
Da wir erst zum Dreikönigstag wieder zurückkommen, muss die Weihnachtsdeko vor dem Urlaub entfernt werden. Gestern hatten wir aber Besuch von einem Freund, den ich mal vorsichtig als Anti-Grinch bezeichnen möchte. Da musste der Baum also noch stehen.
Den übrigen alten Gepflogenheiten der Raunächte kann ich eigentlich nie folgen, weil es mir zum Beispiel kaum möglich ist, mehr als vier Tage auf das Wäschewaschen zu verzichten. Darüber hinaus wird der Wäscheberg so hoch, dass ich kaum noch hinterher komme, ihn wieder abzuarbeiten. Mir fehlt der Platz zum Trocknen. Aber da ohnehin die Wenigsten wissen, warum man in dieser Zeit keine Wäsche waschen soll, stört das keinen großen Geist und mich auch nicht. Kurz zusammengefasst, soll es nach Weihnachten eine wilde Jagd übernatürlicher Jäger am Himmel geben. Dieser Aberglaube war in Europa einst weit verbreitet und galt bei Sichtung als Vorbote von Unheil. Um es nicht noch schlimmer zu machen, sollten keine weißen Bettlaken die Jagd stören. Keine Laken aufhängen, also auch keine Laken waschen. Wie so oft, wurde die Sage der wilden Jagd auch noch für allerlei andere Sperenzchen missbraucht. Jungfrauen sollten sich an mystische Orte begeben, um ihren zukünftigen Bräutigam zu treffen und auch andere Orakel sollten in dieser Zeit besonders auskunftsfreudig sein. Im 21. Jahrhundert sind es, wo immer möglich, wohl eher Tage des Müßigganges.
Mahnend leuchtete der Baum morgens noch im Homeoffice. Um 09:30 Uhr war der Spaß dann aber vorbei und der Baum hatte ausgedient. Es ist ein wiederverwendbares Modell, also keine Sentimentalität nötig. Ich hatte mal ein Weihnachtsbuch mit diversen Geschichten darin. In einer ging es um eine junge Tanne, die sich zu Weihnachten in einer Bauernstube wiederfand. Feierlich geschmückt und gefeiert ist der Schmerz des Fällens schnell vergessen. Nach zwei Wochen aber wird er abgeschmückt und landet auf dem Scheunenboden und trocknet vor sich hin. Sehr tragisch fand ich das seinerzeit.
Am späten Nachmittag habe ich endlich Feierabend und kann anfangen zu packen. Noch nie habe ich das so spät gemacht. Aber bisher war einfach keine Zeit dafür. Für unseren recht kurzen Inselaufenthalt ist allerdings auch alles schnell zusammengesucht. Morgen früh wird noch ausgeschlafen und dann geht es los! Heute fragte der Teenager, ob wir eigentlich Programm haben auf der Insel, oder ob wir faul sein dürfen. Letzteres ist der Fall. Obwohl ich schon ein paar Dinge auf der Liste habe: Ein Besuch bei den Galloway-Rindern des örtlichen Naturschutzvereins, ein Bummel durch die Wyker Einkaufsstraße, die hoffentlich auch im Winter belebt ist und natürlich mindestens ein Spaziergang am Strand. Zwischendurch wird es sicher auch mal nicht regnen.