Die Welt von Asterix

Freitag ist Anreisetag. Wir fahren die A23 bis zum Ende durch, was, wie es sich gehört, reibungslos möglich ist. Auf diese Strecke ist immer Verlass. Es sind unterwegs unzählige touristische Hinweisschilder zu sehen. Zum Beispiel das Stadtdenkmal Glückstadt, ein Steinzeitpark, das Wacken Open Air und das Wenzel Hablik Museum. Beim Wacken Open Air ist es fast tragisch, weil es in diesem Örtchen nur Anfang August etwas zu sehen gibt. Hoffentlich verirren sich während der übrigen Monate keine Touristen dorthin, denn es ist wirklich trostlos dort. Wenzel Hablik war ein Künstler, der bis zu seinem Tod 1934 in Itzehoe gelebt hat. Er war Graphiker und Maler, dessen Werke sehr modern, expressionistisch und bunt sind. Seit Jahren will ich dem Museum einen Besuch abstatten, aber oft machen mir die Öffnungszeiten einen Strich durch die Rechnung. Ich nehme mir vor, es im neuen Jahr endlich zu tun. Eine Begleitung habe ich schon organisiert, die Dame weiß Bescheid – also Wenzel, mach‘ dich gefasst – wir kommen!

Was der Künstler aber heute schon schafft, ist die Brücke in den höheren Norden zu schlagen, denn geboren wurde er in Brüx. Das liegt zwar im heutigen Tschechien, trägt aber einen Namen, den man auch in Nordfriesland finden könnte. Hier heißen die Orte wie gallische Dörfer und enden mit X. Oder es ist ein X enthalten. Oder sie enden auf -lum oder -büll. Alles klingt so niedlich. Und Schleswig-Holstein wird seinem Ruf gerecht: Das Land der Horizonte. Nach dem Ende der Autobahn fahren wir viele Kilometer auf schmalen Landstraßen, die den Horizont so erweitern, wie es sonst nur das Reisen an sich vermag. Kilometerweite freie Sicht auf Windräder und Schafe. Bei Ockholm ist die Bebauung rechts und links der Straße besonders interessant. Lauter schöne Gutshäuser, frisch saniert und alle mit grünen Dächern im Kupferlook. Adenauergrün im Norden? Das sind wohl noch Nachwirkungen des Industriellen Sönke Nissen. Er wurde hier geboren, war dann ein Self-Made-Man, der zwar nach Etappen in Afrika in der Nähe von Hamburg gelebt und gewirkt hat, aber seiner Heimat dennoch sehr verbunden blieb und sie finanziell immer wieder unterstützt hat. Die Straße wurde nach ihm benannt, das ist wohl auch das Mindeste. Jedenfalls sehr hübsch anzusehen.

Aber vorher muss noch erwähnt werden, dass wir auf den letzten Metern der Autobahn bei Heide auf die beiden Fahrzeuge der übrigen Urlauber treffen und uns dann gleich dazwischen drängeln. Ach, wie schön, endlich wieder UB70 folgen!

Irgendwann kommen wir in Dagebüll an und steigen erst einmal aus, um alle gebührend zu begrüßen. Und dann reihen wir uns in die Zufahrtschlange zur Fähre ein. UB70 rechts, wir links. Und dann, wenig überraschend, steht die linke Spur still. Es gibt Probleme. Rechts lässt uns niemand in die Spur wechseln. Also warten. Irgendwann sind wir dann dran. Und dank der elektronischen Kennzeichenerkennung werde ich namentlich begrüßt. Das wurde mir auch so angekündigt von ehemaligen Inselbesuchern. Mein Eingabefehler bei der Ticketbuchung (ich habe 18 cm der Fahrzeuglänge unterschlagen) wird aber nicht kommentiert oder bemerkt, wir dürfen gleich auf der Schnellspur direkt auf die Fähre fahren. Da die Fähre dann auch schnell voll ist, startet sie runde 20 Minuten früher als geplant. Das wird sich noch als Vorteil im Supermarkt herausstellen. Die Überfahrt dauert nur angenehme 50 Minuten. Auf der Insel macht sich der hohe Norden bemerkbar, es dämmert deutlich früher als in Hamburg. Die Navigationsstimme versagt ihren Dienst, sie kann unser Ziel nicht ermitteln. Allerdings haben wir ja eine Inselbewohnerin im Auto, denn von den zwei Fahrzeugen der übrigen Urlauber ist nur eines auf die Insel überführt worden und so kommen wir schnell am Haus Antonia an. Das Haus ist ganz wunderbar. Alles neu und maritim eingerichtet. Wie ein Haus in den Hamptons, so stelle ich es mir jedenfalls vor. Wir sind begeistert. Nachdem wir ausgepackt haben, fahren drei in den Supermarkt. Dort ist es sehr voll, so wie unsere beiden Einkaufswagen am Ende der Tour durch den Markt. Lauter Touristen machen es wie wir. Allerdings ist es voller, als wir aus dem Markt herauskommen. Viele scheinen eine Stunde später auf die Insel geschwemmt worden zu sein. Die stattliche Summe wird bezahlt und dann geht es zurück nach Midlum.

Als Startgericht gibt es Spaghetti Carbonara à la Mirella. Auch in einer vegetarischen Variante. Immer wieder ein Vergnügen. Schon vor dem Essen gibt es einen Sekt. Nach dem Essen ist die Flasche schnell leer. Eine zweite wird geöffnet und das ist ein schwerer Fehler. Eine Kombination aus Fußbodenheizung, Alkohol und starkem Wind, der ein geöffnetes Fenster in der Nacht unmöglich macht, lässt mich ziemlich desolat zurück. Am Sylvestermorgen ist mir eher danach, am heutigen Tag eine Alkoholpause einzulegen. Mal sehen, ob das möglich sein wird.

Vor dem Frühstück – darf ich eigentlich schon wieder fahren? – fahre ich noch einmal zum Supermarkt, um unter anderem die Sektvorräte aufzufüllen. Paradox ja, aber es steht auf der Liste. Ein paar andere Kleinigkeiten fehlen auch noch.

Anschließend wird gefrühstückt mit ganz frischem Brot, das herrlich duftet. Während des Frühstücks fallen uns wieder ein paar Dinge ein, die noch fehlen. Obwohl es mehrere Listen gab. Also fahren wir noch ein letztes Mal in den Supermarkt, dann muss es reichen. Morgen öffnet hier nämlich niemand.

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