Freud und Leid

des Alleinreisens. RANE stimmt es so an: „Take My hand and follow me to London!“ Meinen üblichen Reisegefährten müsste ich das kaum einmal sagen, sie wären beide sofort dabei. Dieses Mal bin ich aber allein auf dem Weg in die schönste aller Städte. Dort treffe ich auf eine Freundin, mit der ich ein paar Tage auf britischem Boden umherstreifen werde. Es ist ungewohnt, allein aufzubrechen, weil es selten ist. Zumindest im Privaten. Zudem ist unser Abkömmling inzwischen nicht einmal mehr minderjährig und vor allem schon längst einem betreuungsbedürftigen Alter entwachsen. Trotzdem ist es eigentlich ganz schön, mich nur um mich selbst kümmern zu müssen. Mein Tempo, meine Abzweigungen in Shops oder Sanitäranlagen. Am Gate warten viele Familien mit kleinen Kindern und es ist wahrlich nicht immer ein Vergnügen, alle bei Laune zu halten. Aber das macht das Reisen ja auch aus. Vielfältige Erfahrungen und Beobachtungen. Nur schmunzeln muss ich allein darüber. Eine Dreigenerationengruppe zum Beispiel: Großeltern, die ihre Bütterken in Kunststoffdosen auspacken. Junge Eltern, die ihr stattliches Bordgepäck komplett ausbreiten, weil ein wichtiges Accessoire nicht auffindbar ist. Das Tragetuch. Gefunden, wird es angelegt vor den Augen ihrer Follower. Hier wird gleich noch ein kleiner Beitrag produziert. Ich bin versucht, zu fragen, auf welcher Plattform ich ihnen denn folgen könnte. Aber mir reicht wohl dieser Moment im Leben einer liebenswert schrägen Reisegruppe. Die jüngste Generation hat jetzt auch keine Lust mehr und teilt das lautstark mit. Heute etwa 6 Monate alt, habe ich da vielleicht einen aufsteigenden Netz-Star vor mir. Obwohl, wenn dieses kleine Mädchen alt genug ist, hat sich die Welt der sozialen Medien sicher verändert und es gibt andere Ausdrucksformen.

Mir gegenüber setzen sich zwei ältere Britinnen, die sich durch ihre kommunikative Art sofort zu erkennen geben. Die Einheimischen sprechen niemanden außerhalb ihrer Reisegruppe an, ganz so, wie man es von Norddeutschen erwartet. Die beiden von der Insel gönnen sich einen Piccolo – das hat Stil!

Da ich wieder mit British Airways reise und diese Airline in Hamburg nur spärlich vertreten ist, eröffneten zwei reizende Damen die beiden Schalter erst 120 Minuten vor Abflug. Etwa 10 Minuten vor dem Boarding wechseln sie dann zum Gate und erledigen Teil 2 der Abfertigung. Früher ist das auch nicht notwendig, denn das Flugzeug kommt aus London und landet erst 40 Minuten vor der geplanten Abflugzeit am Helmut Schmidt Airport. Am Gate kann ich beobachten, wie die Koffer verladen werden. Meinen sehe ich leider nicht. Er ist violett und fällt auf, ist aber trotzdem nicht auszumachen in dem Ballett der zahlreichen Tätigkeiten, die so ein Flug erfordert. Alles sehr eingespielt, reibungslos und immer wieder schön zu beobachten.

Unter den Ankommenden befindet sich leider kein Prominenter, schade. Das ist leider selten. Joko und Klaas hatten im Wettkampf mit ihrem Sender mal die Aufgabe, in Berlin zwei Stationen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ohne dass jemand ihre Namen laut ausspricht. Sehr witzig, das war nämlich gar nicht so einfach. Viele andere Fahrgäste wollten so gern ein Selfie machen.

In der Reihe direkt neben mir sitzt Gil Grissom, jedenfalls sieht er so aus. Netter Mensch. Er durfte als Erster hinein, weil er mit seinem Kontrabass reist. Er hat in Hamburg in der Elbphilharmonie gespielt und fliegt nun zurück in die Heimat. Und er ist müde, nach der Vorstellung macht er gleich die Augen zu.

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