Zwei Nächte in Köln. Weil dieser Tage eine Dental-Messe alle nächstgelegenen Hotels in Beschlag nimmt, muss ich auf ein Hotel ausweichen, das sich zunächst einmal durch seine Bahnhofsnähe auszeichnet. Darüber hinaus eilt ihm ein Ruf voraus, der mich eher ein wenig verschreckt. Prominente und Personen von Geld und Adel würden hier logieren. Ich komme gegen 21:15 Uhr an, weil der Weg vom Bahnhof wirklich nur zum Dom führt und sich der Eingang direkt in seinem Schatten befindet. Das goldene Portal wird gesäumt von zwei Portiers in royalblauen Uniformen, die sich freuen, mir meinen Koffer abzunehmen. Eigentlich gar nicht nötig, ich bleibe ja nur zwei Nächte und habe entsprechend wenig Gepäck. Aber das muss wohl so sein.
An der Rezeption sind gerade alle drei Schalterbuchten und Concierges belegt. Trotzdem erscheint sofort eine vierte uniformierte Dame und nimmt sich meiner an. Ich muss noch meine privaten Daten angeben, dann habe ich meinen Namen so oft wiederholt, dass ich mich spätestens jetzt nicht mehr wundern werde, direkt namentlich angesprochen zu werden. Gehört habe ich davon bereits. Den Kofferservice lehne ich beschämt ab. Das wäre wirklich zu viel des Guten.
Das Foyer ist prachtvoll und klassisch. Modern ist ein Wort, dass hier nicht angebracht ist. Es blitzen Gold und dunkle Farbtöne, auch Mahagoni- und Wurzelholzdetails kann ich ausmachen. Insgesamt wirkt es gediegen und gefällt sicher den Menschen, die sich in so einem Ambiente auch chauffieren lassen. Mein Zimmer liegt im 5. Stock. Der Fahrstuhl entlässt mich in ein Treppenhaus mit verschnörkeltem Geländer und einem großen Wappen in den Bodenfliesen. Als könnte ich vergessen, dass ich hier nicht zu Hause bin. Dann laufe ich etwa 30 Meter durch einen verwinkelten, aber sehr großen Flur. So baut heute niemand mehr. Hier ist etwa doppelt so viel Platz wie in modernen Kettenhotels.
Mein Schlüssel passt in eine Tür, die mit Butzenscheiben versehen ist. Blickdicht, aber lichtdurchlässig. Dahinter liegt ein 5qm großer Flur, von dem aus das Bad und der Wohnraum abgehen. Alles sehr großzügig, ich habe zwei Sitzgelegenheiten und viel Platz. Der Stil ist wie erwartet konservativ in sattem Türkis und Ocker gehalten. Ein sehr gepflegter, hochfloriger Wappenteppich weist mich an, meine Schuhe gleich auszuziehen und in die bereitgestellten Spa-Schlappen zu schlüpfen.
Ich habe tatsächlich einen Schlüssel mit schwerem Anhänger bekommen, den ich bei Verlassen des Gebäudes wieder abgeben muss. Das habe ich schon ewig nicht mehr erlebt.
Das TV-Gerät steht hier scheinbar nur, weil die Hotelstandards das vorschreiben. Es ist so ungünstig platziert, dass man sich schon direkt davor stellen muss, um etwas zu sehen. Ereignisse, die das nach sich ziehen, bleiben hoffentlich erst einmal aus.
Lichtschalter zähle ich insgesamt 15, das sollte reichen. Freie Steckdosen leider keine. Aber für das Ladegerät kann ich die Kaffeemaschine vom Netz nehmen, denn die werde ich sowieso nicht nutzen. Das Bett ist überall weich. Was die Matratze betrifft – leider. Aber hier bin ich mit meinen Vorlieben generell in einer Minderheit. Die vier Kissen sind allerdings ein Traum. Mit weißen gestärkten Bezügen versehen, kann ich darin wunderbar versinken. Herrlich!
Das Bad ist ein Neunzigerjahretraum aus Marmor und Gold. Opulent, wenn auch mit einer Spur zu viel von Allem. Und einige Zentimeter zu hoch für mich. Aber auch hier stehe ich nicht für den Standard und große Menschen sind darüber sicher erfreut.
Das Frühstück beginnt für mich zu spät und außerdem wurde mir angekündigt, dass es unter Silberhauben serviert wird. Das möchte ich gar nicht. Ich frühstücke gern, habe dabei aber lieber möglichst wenig sozialen Kontakt, wenn die Uhr noch nicht 7 geschlagen hat. Deshalb gehe ich zum nahegelegenen Kaffeehaus mit Stammsitz in Seattle. Dort gibt es köstliche Kleinigkeiten und es ist noch leer. Um das Ganze abzurunden, wird bei meinem Betreten gerade das Ukulele-Album von Eddie Vedder gespielt, das nenne ich mehr als angemessen.