Von der Bodenkunde

Der gestrige Samstag stand ganz unter dem Zeichen der Bildung. Wir haben eine Stippvisite nach Göttingen unternommen, weil die Stadt der Wunschstudienort zweier Mitglieder unserer sozialen Gruppe ist. Ich war vorher noch nie dort und entsprechend gespannt. Göttingen war in meiner Welt bisher nicht viel mehr als ein Synonym für einen angesehenen Hochschulbetrieb. Die Antwort auf die Frage, wo jemand studiert oder studiert hat, wird oft von einem wissenden Nicken begleitet: Ah, ja Göttingen – klar. Das mag auch zu Recht so sein, denn die Universität ist prägend für die Stadt. Noch heute machen die Studenten dort einen Anteil von beachtlichen 25% der Bevölkerung aus. Zum Zeitpunkt der Gründung der Universität in den 1730er Jahren war es eine der größten Universitäten Europas mit etwa 1.000 Studenten und das will ja was heißen. Heute studieren dort etwa 30.000 junge Menschen. Im Vergleich dazu beherbergt Hamburg nur rund 42.000 Studierende.

Die Georgia Augusta – oder Georg-August-Universität wurde von Georg II. aus dem Haus Hannover und Gerlach von Münchhausen gegründet. Letzterer ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Lügenbaron auf der Kanonenkugel, vielmehr war er als Förderer der Bildung ein heller Geist und späterer CFO der Einrichtung. Die beiden verbinden wohl nur familiäre Bande. Das Adelsgeschlecht hat sich in Niedersachsen recht weiträumig verteilt.

Wir starten unseren Ausflug um 8 Uhr und ausnahmsweise ist der Elbtunnel frei. So wie auch die gesamte Strecke durch Niedersachsen. Auf der Gegenfahrbahn queren wir zwei größere Unfallstellen mit langen Staus, aber wir haben freie Fahrt. Die A7 ist im Augenblick sogar ganz gut zu befahren. Nur ein kleineres Teilstück sollte bald mal erneuert werden. Der Hauptteil der Strecke lässt sich sehr angenehm befahren. Insbesondere auf der Höhe von Hildesheim ist die Fahrbahn extrem leise und eben. Schön.

In Göttingen angekommen, treffen wir auf die Schleswig-Holsteinische Partei, die heute direkt schon eine Wohnungsanmietung besiegeln kann. So weit sind wir noch nicht, bei uns fehlt ja noch die Urkunde zur Hochschulreife, es kann noch keine Anmeldung stattfinden. Die Wohnung jedenfalls liegt, soweit ich es herausfinden konnte, im Bezirk der Innenstadt. 700m Luftlinie südlich liegt sehr zentral der Universitätskomplex. 2000m Luftlinie nördlich liegt der Nord Campus der Universität. Pittoresk auf einem Hügel erstrecken sich die Gebäude der pedologischen Abteilungen der Universität. Die Pedologie ist die Wissenschaft von den Böden, lerne ich. Hier soll also ab Herbst das Studium der Forstwissenschaft und der Waldökologie aufgenommen werden. Überaus spannend, hat es doch mit meinem Beruf rein gar nichts zu tun. Und so ein Lehrbetrieb versprüht generell einen ehrfurchtgebietenden Charme.

Vom Forsthügel fahren wir wieder Richtung Innenstadt. Und dort noch ein wenig umher, weil die Beschilderung von citynahen Parkplätzen nicht selbsterklärend ist. Aber dann finden wir ein Plätzchen in einem Parkhaus mit einer altertümlichen Einfahrtsbeschränkung von 180cm. Sehr ungewohnt, dass die Decke selbst von mir nicht weit entfernt ist. Die Innenstadt jedenfalls ist größtenteils autofrei und durch meine touristischen Augen hübsch fachwerkgeprägt und sehr groß verzweigt. Unzählige Straßen und Gassen werden von Kauflustigen belebt. Viele durchaus interessante Lädchen sprenkeln die Landschaft der namhaften Kettenfilialen. Es ist alles da und erfrischend intakt. Sehr wenig Leerstand ist hier zu beklagen. Da kann man als Hamburger neidisch werden, denn die heimischen Einkaufsmeilen befinden sich seit einiger Zeit leider im Niedergang. Aber hier prosperiert es geradezu.

Unser Mittagessen nehmen wir im Nudelhaus ein. Das Restaurant wird in einem alten Gasthaus betrieben. Eine Mischung aus Brauhaus und liebevoll geschmücktem Pub mit entsprechend rustikalem Ambiente. Das scheint auf den ersten Blick nicht zu der italienischen Leichtigkeit der Pasta-Gerichte zu passen, die in sehr schweren kunstledernen Speisekartenbüchern angepriesen werden. Aber die Gerichte sind überaus lecker und ihre Präsentation in schlichtem weißen Porzellan mit klassischem gewichtigen Besteck funktioniert sehr gut. Es gefällt mir ausgesprochen gut.

Anschließend schlendern wir noch ein wenig umher, genießen einen italienischen Nachtisch und Cocktails mitten in der Fußgängerzone, bevor wir wieder aufbrechen müssen. Es ist wahrscheinlich gar kein Zufall, sondern Vorbereitung auf unseren Sommerurlaub, dass wir gastronomisch heute in der Italienwelt geblieben sind.

Um 4 Uhr müssen wir wieder Richtung Norden fahren, weil abends noch eine Teenagergeburtstagsparty ansteht und Kurt Krömer einen seiner letzten Tourauftritte in der Laeiszhalle gibt. Die Rückfahrt ist glücklicherweise ebenso reibungslos wie die Hinfahrt. An dieser Stelle ein Dank an alle Daheimgebliebenen. Es ist nicht viel los und auch der Elbtunnel lässt uns mit der Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern durch.

Die Comedyshow des Herrn Krömer ist so launisch wie ich es von dieser Figur erwarte. Verschiedenste Gruppen werden belächelt, mehr nicht, denn gehässig ist Herr Krömer allenfalls gegen sich selbst. Ich amüsiere mich bestens. Einzig der Veranstaltungsort ist irgendwie unstimmig. In die Halle passen klassische musikalische Darbietungen. Comedy und Kabarett sind meines Erachtens in funzeligen Kellern besser aufgehoben. In der Markthalle oder der Fabrik würde sich die humoristische Kritik an Hipstern und ökologisch korrekten Eltern vielleicht noch besser entfalten.

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