Die vergangene Nacht war wieder sehr warm. Schlimmer aber war ihr Beginn. Gerade eingeschlafen, wurde ich von einem Notruf geweckt. Im Nebenraum saß eine stattliche Spinne an der Decke. Leider haben die zwei Damen das Problem nicht selbst beseitigen können, obwohl verschiedene Pläne entwickelt wurden. Zu groß und mutmaßlich wendig schien das Tier. Der Mann in der Wohnung musste geweckt werden. Eigentlich war er wohl längst nicht mehr im Tiefschlaf, hatte aber gehofft, es würde sich alles von selbst erledigen und wieder Ruhe einkehren. Dafür war allerdings erst sein heldenhafter Einsatz notwendig. Schlaftrunken und wortarm ging das vonstatten. Danach waren wir noch eine Weile wach und sind viel zu spät eingeschlafen und viel zu früh wieder aufgewacht. Aber gut, es ist Urlaub, da kann man auch ungehemmt den Tag über gähnen.
Unsere Penthouse-Wohnung hat ihren Reiz, die Dachterasse ist wunderbar, aber die Wärme ist ein absoluter Minuspunkt, den die Klimaanlage nicht zu verbessern vermag. Vielleicht handelt es sich auch nur um eine Attrappe. Ihr Display lässt sich bedienen, aber es verändert nichts am Raumklima. Es sind auch keine Geräusche zu hören oder eine dazugehörige Apparatur auszumachen.
Trotzdem starten wir voller Elan in den Tag. Heute ist Samstag und damit Portobello Road Market-Tag. Wir sind natürlich nicht die Einzigen, aber irgendwie ist die Menschenmenge verkraftbar. Wir kaufen zwei Kleidungsstücke. Alle schönen Möbel und Geschirrteile müssen leider hier bleiben, weil der Transport zu schwierig oder unmöglich ist. Aus dem letzten Jahr habe ich immer noch das Foto eines hübschen Bücherregals, dass ich nachbauen möchte. Dazu bin ich leider noch nicht gekommen. Vielleicht im kommenden Herbst. Erst den Keller von Sperrmüll befreien und dann loslegen. Solche Vorhaben habe ich immer wieder mal. Manchmal wird etwas daraus und manchmal dauert es leider länger. Zumindest der Sperrmüll sollte sich entfernen lassen. Und lauter Kleinkram wartet auf den nächsten Flohmarkt. Das planen wir ebenfalls schon lange. Mal sehen, wann das umgesetzt wird.
Der Markt in Notting Hill hält jedenfalls was er verspricht. Wir laufen auch wieder durch die Streetfoodmeile. Leider wie beim letzten Mal nicht hungrig. Möglicherweise ist es auch besser so. Ich könnte mich gar nicht entschieden, so viel Auswahl gibt es hier. Einmal um die kulinarische Welt. An jedem Stand riecht es exotisch und verlockend. Schon das allein ist sehens- und einen Besuch wert. Am Ende der Straße und des Marktes machen wir einen Schlenker zu einem Straßenzug, der typische bunte Häuserzeilen verspricht. Das ist das einzigartige Bild von Notting Hill. Am Ende unseres Spaziergangs statten wir dem Notting Hill Bookshop noch einen Besuch ab, der die Vorlage des Reiseliteraturladens von William Thacker war. Ein entzückender Laden, der auch noch 24 Jahre später vom Filmruhm zehren kann und heute eine Menge Bücher verkauft. Ich kaufe auch einen Klassiker, wunderschön in Leder gebunden.
Unser nächstes Ziel ist der Holland Park. Dieses Kleinod war mir bisher unbekannt und da ist mir wirklich etwas entgangen. Hügelig angelegt und sehr waldig spendet er herrlichsten Schatten. Es gibt einen Japanischen Garten darin mit Wasserfall und asiatischen Pflanzen. Wirklich hübsch, ich komme bestimmt mal wieder.
Von Notting Hill fahren wir jetzt in die City of London zur Saint Paul‘s Cathedral. Auch dort gibt es noch einen Spot, den ich nicht kenne. Einen Brunnen, in dem sich die Kathedrale spiegelt. Wirklich schön, eine der vielen Ruheoasen der Stadt und hier ohne Menschenmassen. Dass es hier relativ ruhig ist, liegt vielleicht an der Tatsache, dass heute Trooping the Colour stattfindet und sich viele Menschen am Palace aufhalten, um den König vorbeireiten zu sehen. Die Veranstaltung ist vollkommen an mir vorbeigegangen. Es waren gestern zwar Straßen gesperrt und Tribünen aufgebaut, aber hinterfragt habe ich das nicht. Unglaublich. Ich kann aber gar nicht sagen, ob ich ein Teil der jubelnden Masse sein wollte. Ich bin leider zu klein, um über die Köpfe derer schauen zu können, die bereits seit den frühen Morgenstunden gewartet hatten, um in der ersten Reihe zu stehen.
Wir laufen also über die Millennium Bridge, die trotz der vielen Menschen ganz ruhig über die Themse führt. Ein kleiner Shoppingstopp am Shakespeare‘s Globe und dann zum Borough Market. Hier wollten wir eine feiste Spezialität verzehren: Yorkshire-Pudding-Wrap. Aber erstens schließt der Markt in wenigen Minuten und es ist dermaßen voll, dass wir doch lieber wieder gehen. Man muss dieser Tage früh kommen. Die nächste Reise hierher erfolgt definitiv im Winter oder im Herbst. Dann ist es viel schöner, weil weniger Menschen umherlaufen. Wir fahren zum Abendessen also wieder nach Soho und sitzen nach 20 Minuten Wartezeit in einer Warteschlange in einem asiatischen Lokal, in dem das Servicepersonal nicht die leichteste aller Schichten bewältigt. Unser Essen ist aber vorzüglich. Danach spazieren wir zum Leicester Square, etwas gezeichnet von diesem anstrengenden Tag, immerhin 22T Schritte bis hierher und angeblich 21 Stockwerke. Ein kurzer Halt in einem Buchladen und dann ab nach Hause auf die Dachterasse! Dort genießen wir noch Erdbeeren und einen kühlen Drink.