Der Sonntag ist Kulturtag – Shopping-Kultur. Eigentlich sollte er mit einem Spaziergang über menschenleere Plätze starten. Aber das frühe Aufstehen ist uns nicht gelungen. Warme Nacht die dritte und da mussten wir noch etwas länger liegen bleiben. Dafür gab es ein heimisches English Breakfast. Nach dem Frühstück sind wir aber rasch zum Covent Garden gefahren, um unsere Shoppingtour zu starten. Der erste Laden ist ein Beauty-Produkt-Anbieter aus den USA, der hier in London seine einzige europäische Filiale unterhält. Das Einlaufserlebnis zielt zwar auf eine wesentlich jüngere Gruppe als mich, aber auch ich bin ganz angetan von dieser Mischung. Wie in einem kalifornischen Elektronik-Shop gibt es keine Kasse. Die Produkte werden vielfach und sehr ansprechend präsentiert. Testwerkzeuge stehen ebenso bereit wie sehr aufmerksames Personal. Es reicht ein Blick nach links oder rechts und eine nette junge Dame nimmt unsere Bestellung auf. Alles wird digital erfasst und nach kurzer Wartezeit wie in einem nordamerikanischen Café in einer personalisierten Tüte überreicht. Vor der Öffnung hatte sich im gleißenden Sonnenschein bereits eine Warteschlange gebildet. Sehr begehrt sind die Produkte offenbar. Auf jeden Fall war das ein sehr angenehmes Einkaufserlebnis. Im Verkaufsraum herrscht eine Temperatur von überaus angenehmen 20 Grad. Eigentlich möchte ich hier gar nicht raus. Wir haben aber noch mehr auf dem Programm, deshalb geht es weiter.
Das Gebiet um den Covent Garden ist ja ein Shopping-Paradies, viele Kettenfilialen reihen sich abwechselnd mit besonderen kleinen Läden aneinander. Mindestens jedenfalls entdecke ich viele Marken, die in der Heimat leider keine Ladengeschäfte unterhalten. Vom Covent Garden laufen wir bis zur Oxford Street, die am oberen Ende den normalen Geldbeutel bedient und je weiter wir Richtung Bond Street gehen, desto hochpreisiger werden die Namen. In einem Dessousgeschäft (ebenfalls aus Nordamerika) werden die Sinne wieder ganz besonders gestreichelt. Schönes Licht, dezente Musik und ein angenehm leichter Sommerduft in der Luft verleiten zum Kauf der Waren. Die Temperatur ist natürlich auch äußerst verkaufsfördernd. In den Straßen steht heute sehr schwüle Luft. Gegen späten Nachmittag beginnt es auch zu tröpfeln. Der angekündigte Regen. Letzter Stopp ist der Merchandise-Shop des verstorbenen Maus-Comic-Zeichners. Immer wieder ein Overkill an Farben, schrägen Artikeln, horrenden Preisen und lauter Beschallung. Aber mein Lieblingsfilmheld Buzz Lightyear ist hier zu Hause und zum Glück inzwischen ein fester Bestandteil der Figuren, die Dauergäste in den Regalen sind. Viele kommen und gehen, aber eine Gruppe von etwa 15 Charakteren lächelt und winkt dauerhaft auf die Kundschaft.
Eine Snack-Pause haben wir in einer neuen Fair-Fast-Food-Filiale gemacht. Dort gab es einen köstlichen Edamame-Salat und eine Halloumi-Bowl. Dazu frische Zitronenlimonade. Die Zielgruppe ist am Sonntagnachmittag nicht zugegen oder der Laden in der Seitenstraße noch ein Geheimtipp. Es ist nämlich angenehm leer hier.
Am frühen Abend treffen wir wieder alle zusammen. Der Mann der Gruppe hat heute eine Tour durch das East End gemacht. Den Fotos nach zu urteilen, war der Gang auch sehr schön und mit vielen interessanten Besichtigungen verbunden. Das East End oder auch Spital Fields war ein Flüchtlingsviertel. Aus diesem Grund sind dort traditionell viele Kulturen heimisch und das ist für das Flair einer Wohngegend immer sehr vorteilhaft. Auch hier gibt es spannende Foodmarkets, auf denen man mit einem Schritt von Kontinent zu Kontinent reisen kann. Leider kann man gar nicht so viel probieren, wie man möchte. Zumal wir heute am Abend des Fathers Day einen Tisch im Pub reserviert haben zum Sunday Roast. Wir bringen also erst unsere erworbenen Schätze in die Wohnung und gehen dann zurück zum Pub. Wir essen Chicken und Beef mit viel Gemüse und Yorshire Pudding. Ein original englisches Sonntagsessen. Den Ausklang des Tages verbringen wir in unserem Wohnzimmer, sehen einem namhaften Koch auf seinem eigenen Sender beim Kochen zu und schonen unsere Füße. Die müssen schließlich dieser Tage die Hauptarbeit erledigen und morgen wieder einsatzbereit sein.