Vom Himmel in die Heide

Unser Montagsfrühstück nehmen wir heute im 36. Stockwerk des Walkie Talkie ein. Nahe der London Bridge befindet sich dieses Gebäude und ganz oben darin der Sky Garden mit einer Aussichtsplattform und Restaurants. Wir sollen 15 Minuten vor der Reservierungszeit eintreffen. Mehrfach fällt die Frage nach dem Warum, aber ich kann es sogar beweisen, so steht es in der Bestätigung geschrieben. Jedenfalls müssen wir uns am Empfangstresen anmelden und dann eine Sicherheitsschleuse passieren. Ein sehr schneller Aufzug bringt uns in die 35. Etage. Dort durchstreifen wir einen kleinen tropischen Garten und gehen über eine Treppe in das oberste Stockwerk. Dort befindet sich das Restaurant und bietet nicht nur einen Blick auf den Garten, sondern auch auf das nordöstliche London. Der Tower, die Tower Bridge und die Docklands sind von hier ähnlich wie aus dem Shard zu bewundern. Köstliches Essen wird außerdem angeboten. Ein äußerst sympathischer Kellner bringt uns Pancake-Stapel und Eggs Benedict. Alles ist wunderschön angerichtet und mit Obst und Gemüse garniert. Königlich!

Nach dem Frühstück besuchen wir noch die Außenterasse und fahren dann wieder hinunter. Unten angekommen, verstehen auch alle, warum man vor der Reservierungszeit eintreffen soll. Inzwischen hat sich eine lange Schlange am Eingang gebildet. Dafür reichen 15 Minuten wahrscheinlich gar nicht aus!

Unser nächstes Ziel ist Hampstead Heath. Weil wir nicht alle daran gedacht haben, ein Buch mitzunehmen, müssen wir wohl oder übel noch einmal eine Daunt-Filiale aufsuchen und uns ausstatten. Das ist natürlich kein Problem, liegt die nächste doch gleich am Fuße des Monument. Von dort fahren wir direkt bis Hampstead durch und durchstreifen den riesigen Park in zwei Grüppchen. Eigentlich ist es ein Waldgebiet am Stadtrand. Mit 800ha ist der Park mehr als doppelt so groß wie der New Yorker Central Park oder der Englische Garten in München. Es gibt hier alles: Von der romantischen Pergola über den touristischen Aussichtshügel bis hin zum verwunschenen Wald. Letzterer hat C.S. Lewis zu seinen Chroniken von Narnia inspiriert. Prominente sehen wir leider keine, obwohl die noble Wohngegend hier der Wohnort vieler berühmter Menschen ist und war. Ein Blick in das Schaufenster eines Maklerbüros lässt mich angesichts der vielen Stellen der Verkaufspreise schwindelig werden. Das bleibt eine ferne Welt.

Nach drei Stunden Müßiggang treffen wir uns in einem Pub wieder und fahren von dort mit der Overgroundbahn nach Camden. Das ist wieder eine Premiere, die Bahn habe ich noch nie benutzt. Sehr geräumig, gut klimatisiert und sauber sind die Waggons. Ansonsten sieht es so aus wie unter der Erde. In Camden gehen wir wie im letzten Jahr wieder zum Marktgelände, um dort zwei Social-Media-Beworbene Snacks zu probieren. Einen Yorkshire-Wrap (Yorkshire Pudding in Rollenform mit Füllung), der von uns nur verhalten bewertet wird. Es steckt eine große Kartoffel in der Mitte der Rolle, die zum Einen jedes andere Aroma lähmt und zum Anderen sehr schnell sehr satt macht. So ist kaum ein Genuss möglich. Schade, ein Sunday Roast auf die Hand ist doch grundsätzlich eine spannende Idee. Das zweite Gericht sind Tacos – die angeblich besten der Stadt. Sie schmecken wohl auch gut, ich habe sie aber nicht probieren können – die Kartoffel… Jedenfalls fällt die Bewertung dieses Gerichtes viel besser aus.

Ein wenig schlendern wir noch umher, müssen aber feststellen, dass sich nichts verändert hat, seit wir zum letzten Mal hier waren. Muss es auch nicht, so sparen wir Zeit und Geld. Allerdings wird im Vorbeigehen noch ein Hemd erworben, das Cameron Tucker neidisch werden ließe: Grundfarbe weiß mit blauen und rosafarbenen Schmetterlingen bedruckt und violette Einsätze am Kragen und den Manschetten.

Am frühen Abend trennen sich unsere Wege wieder. Ein Urlauber wird sich ein Musical ansehen und der andere Teil erst in die Wohnung zurückkehren, dann frisches Wasser einkaufen und am späteren Abend mit dem Bus wieder in die City fahren, um den Sonnenuntergang in Westminster anzusehen. Am Westminster Pier angekommen, ist die Sonne zwar schon hinter der Skyline versunken, färbt den Himmel über dem Parlament aber noch orangerot. Das ist sehr schön anzusehen, insbesondere, weil hier um diese Uhrzeit kaum noch Touristen unterwegs sind. So ungestört kann man hier selten Fotos machen. Wir fahren dann noch drei Stationen mit einer Fähre, um die Beleuchtungen am Ufer zu bewundern. Machen auch nur wenige, das Boot ist fast leer. Von der Station London Bridge fahren wir nun wieder Richtung Earls Court. Wir sind müde und froh, alle wieder zurück zu sein. Das war ein sehr schöner, aber anstrengender Tag.

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