Rubikon

Endlich wieder Urlaub! In der Heimat ist das Wetter in den letzten Wochen eher gut für die Flora und den Grundwasserspiegel gewesen. Die Temperaturen haben mir allerdings gefallen. Vor den Temperaturen im Reiseland hatte ich mich etwas gefürchtet. Nun habe ich aber Glück und sie sind im Augenblick nur noch normal für diesen Breitengrad. Am Flughafen Bergamo begrüßen uns sonnige 30 Grad. Mit angemessenerer Kleidung kann ich damit arbeiten, schließlich ist Sommer.

Wir holen unsere Leihwagen ab. Ich werde nun die nächsten Wochen einen Renault Mégane Kombi fahren. Wieder Glück gehabt, denn zumindest die Hamburger haben sich gepäcktechnisch nur bedingt zusammenreißen können. Der Kofferraum ist jedenfalls gut gefüllt. Vom Flughafen machen wir uns auf den Weg zur Adria, wo wir die ersten zwei Nächte in Rimini verbringen. Ein herrliches Urlaubsklischee. Aber erst einmal müssen wir dort ankommen. Die Autobahnen sind in einem sehr guten Zustand, das Fahrgefühl ist super. Leider ist es recht voll, weit entfernt von der entspannten Lage in Skandinavien. Die Italiener fahren offensiv und ergebnisorientiert. Trotz der Geschwindigkeitsbeschränkung wollen die meisten möglichst niemanden vor sich haben und erreichen das durch häufige Spurwechsel und sehr dichtes, hinweisgebendes Auffahren. LKW-Fahrer sind da übrigens keine Ausnahme. Aber gut, ich bleibe entspannt, weil ich den zweiten Wagen in der Kolonne bediene und nur hinterherfahren muss. Ich erfreue mich die ganze Fahrt über an den Ortsnamen, die ich sonst nur auf Lebensmittelverpackungen lese: Parma, Modena oder Emilia-Romagna. All die leckeren Spezialitäten, die hier produziert werden! An Imola fahren wir auch vorbei. In den Neunzigerjahren habe ich so manchen Sonntag mit den Motorsportveranstaltungen im TV verbracht. Die ganze Fahrt versetzt mich in eine seltsam wohlige Retrospektive. Selbst die alten Filme „Man spricht deutsh“ oder „Superstau“ kommen mir wieder ins Gedächtnis.

Nach der Autobahnabfahrt, die unsere kostenpflichtige Streckennutzung markiert, überfahren wir den Rubikon. Auch wenn wir ihn nicht überschreiten, gibt es nun kein zurück mehr. Wir sind an der Adria. Die Fahrt war lang und nicht unanstrengend. Ich glaube, alle vier Wageninsassen haben sich zwischendurch gefragt, warum wir das überhaupt so geplant haben. Hätte es nicht auch ein Ort auf der anderen Seite des Stiefelschaftes getan, der unser eigentliches Ziel darstellt? Was mich betrifft, bin ich allerdings froh über diesen Schlenker. So oft ist man hier nicht unterwegs. Und Rimini ist durchaus sehenswert. Es ist zwar schon dunkel, als wir ankommen, aber unsere Unterkunft ist ein entzückendes kleines Hotel mit liebevoll ausgestatteten Räumen und einem ausgesprochen freundlichen Personal. Und wie immer, zählt auch die Lage. Wir befinden uns in unmittelbarer Nähe des Hauptstrandzuganges. Viele bunte Lichter leuchten und Marktstände sind noch belebt.

Unser spätes Abendessen nehmen wir in Brunos Taverne ein. Eine Empfehlung des Personals. Das Essen ist ausgezeichnet, ich habe eine echte Bolognese und die ist ein Genuss. Mit uns speisen noch viele Italiener zu so später Stunde. Die haben sowieso einen anderen Biorhythmus als wir. Auch hier wird ein Klischee bedient, dass meine Urlaubsstimmung noch einmal anhebt – herrlich!

Nach dem Essen spazieren wir zum Strand. Wie erwartet, ist hier alles hell beleuchtet und es sind noch viele Menschen unterwegs. Hunderte, ach Tausende von Liegen stehen für sonnenhungrige Urlauber bereit. Kein Zentimeter des Strandes ist frei. Ohne Zweifel eine gewinnoptimierte Nutzung.

Die Promenade ist ebenfalls touristisch voll erschlossen, hat aber einen sehr aufgeräumten und gepflegten Charme. Es sieht aus wie in einem Filmset. Nur eben kilometerlang.

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