Von der Adriaküste machen wir uns am Bettenwechselsamstag auf den Weg nach Lucca bzw. Pescia in der Toskana. Lucca ist der nächstgelegene größere Ort. Unser Haus liegt aber in den Bergen darüber.
Wir planen zunächst, einen kleinen Schlenker nach San Marino zu machen, wo wir schon einmal in der Gegend sind. Mein Beifahrer hatte bereits viel recherchiert. San Marino ist eine der ältesten Republiken der Welt und wurde nie eingenommen von fremden Mächten. Auf dem Weg dahin wird uns auch klar, warum das möglich war. Der Zwergstaat liegt weit oben in den Bergen und es muss in vergangenen Zeiten sehr schwer gewesen sein, dorthin zu gelangen. Wir schaffen es leider auch im Jahr 2023 nicht. Der unterdimensionierte Parkplatz am Fuße des Monte Titano ist bereits komplett belegt. Wir müssen uns mit dem Ausblick aus dem Auto begnügen. Diese Aussicht ist allerdings recht eindrucksvoll. Schon Kilometer entfernt sehen wir die alten Gebäude der Stadt auf den Gipfeln thronen. Sehr pittoresk!
Unverrichteter Dinge fahren wir also auf die Autobahn wie so viele Andere heute Nachmittag. Es ist voll und immer wieder stockt der Verkehr. Nach Bologna allerdings steuern wir auf den nördlichen Apennin zu, was die Landschaft rechts und links sehr schön beeinflusst. Und wir durchqueren viele der Erhebungen dieses Gebirgszuges in insgesamt 36 Tunneln. Einige sind kurz und einige mehrere Kilometer lang. In einem ist es sehr dunkel, weil es kaum Beleuchtung an der Decke gibt.
Dann verlassen wir die Autobahn und passieren die Schranke der Mautstation, noch bevor die Automatenansage ihren Dank beendet hat. Nun fahren wir stetig bergauf und kurz vor dem Ziel noch durch Pinocchios Geburtsort Collodi. Im Ort stehen mehrere haushohe Holznachbildungen dieser Romanfigur und ein riesiger Souvenirladen. Gedanklich plane ich natürlich, mir diesen Shop an einem späteren Tag genauer anzusehen. Ich weiß noch nicht, dass wir später am Abend witzeln werden, unsere Unterkunft erst am Abreisetag wieder zu verlassen.
In Collodi jedenfalls ist der Autor von Pinocchio aufgewachsen. Carlo Lorenzini hatte den Ortsnamen als Pseudonym angenommen und seine berühmteste Figur hier leben lassen. Der Name Pinocchio ist ein Wortspiel aus den beiden italienischen Worten für Pinie und Dummkopf. Ich konnte mit diesem garstigen kleinen Tunichtgut eigentlich nie viel anfangen. Ich kenne aber auch nur die japanische Zeichentrickserie von 1976, vielleicht wurde seine Geschichte in 52 Folgen derart verändert, dass der gute Kern verloren gegangen ist. Vielleicht lese ich einmal das Original.
Jetzt rollen wir sowieso weiter hinter dem Führungsfahrzeug her. Nach einigen Serpentinen biegen wir eine Auffahrt hoch, die rund eine Meile lang ist und zwischendurch nicht so aussieht, als sei das fahren mit einem PKW überhaupt erlaubt. Das war so angekündigt in der Hausbeschreibung. Bis zum Halt am Haus der Verwalter geht es aber ganz gut. Danach wird uns zu verstehen gegeben, das erste Fahrzeug oben ankommen zu lassen, bevor wir nachkommen. Wir hören den Motor aufheulen. Erster Gang und Vollgas sind angebracht. Dann kommt das Zeichen – jetzt sind wir dran. Es klappt auch. Aber Spaß macht mir das nicht. Ich möchte das nicht jeden Tag wiederholen. Und ich weiß auch nicht, was passiert, wenn Gegenverkehr kommt. Ausweichflächen gibt es nämlich nicht.
Am Abend verlassen zwei Urlauber noch einmal das Haus für die Einkäufe. Es ist eine lange Einkaufsliste und wir kaufen Mengen wie nie zuvor. Ich bin gespannt, was zuerst leer ist und wovon doch zu viel im Wagen gelandet ist. Mediterran spät gibt es heute Pasta mit Tomatensauce.