Wir reisen nun im 21. Jahr miteinander. Bisher sind immer nur neue Mitglieder dazugestoßen. Auch wenn wir inzwischen alle erwachsen sind und unsere Gewohnheiten und Schrullen mehr oder weniger hinnehmen müssen, weil wir sie uns ohnehin nicht mehr abgewöhnen werden, ist es dennoch sehr angenehm, dass wir sie ausleben können. Gelegentlich wird jemand belächelt, weil eine Aktion oder Reaktion sehr voraussehbar ist, aber im Großen und Ganzen wissen wir unsere Stärken und Schwächen doch sehr zu schätzen. Heute Morgen zum Beispiel habe ich die Geschirrspülmaschine ausgeräumt und dabei wie Melvin Udall gedacht: Schön eingeräumt. Genauso hätte ich den Platz für das Geschirr auch genutzt.
Gestern sind wir auf einen Parkplatz gefahren und mein Leitfahrzeug hat zum wiederholten Male einen relativ abgelegenen Platz angesteuert, den ich aus guten Gründen ebenfalls ausgewählt hätte. In kleinerer Zusammensetzung wird dieses zugegebenermaßen leicht neurotische Verhalten zwar inzwischen toleriert, bleibt aber selten unkommentiert. Hier ist es akzeptiert und wird hingenommen. Das ist sehr schön und macht so einen gemeinsamen Urlaub doch auch zu einem besonderen Vergnügen. Ich freue mich auch wegen dieser Kleinigkeiten immer auf unsere gemeinsame Zeit. Wir können dadurch auf unseren Reisen immer auf mindestens eine Fachkraft zurückgreifen, wenn es nötig ist. Wir decken verschiedenste Spezialgebiete ab, da wären
– die Tierschützerin: Immer im Einsatz und nach ihrem Naturjahr kann sie ihre Ermahnungen auch mit fachkundigen Ausführungen ergänzen.
– der Allrounder: Wäscht die Spülmaschine nicht richtig? Hakt eine Tür? Ist der Pool nicht sauber? Nach einem fehlerhaften Durchgang können wir sicher sein, dass das Problem anschließend still und leise behoben sein wird.
– der Reiseführer: Er inspiriert und bereitet unsere Ausflüge inhaltlich vor und ist immer informiert über die Begebenheiten und Wege vor Ort.
– die Grundrauscherinnen: Sie lenken den normalen Betrieb, sorgen für Sonnenschutz, wenn er benötigt wird, oder organisieren die Wäsche. Ihre Haupttätigkeit findet im Vorfeld statt und zahlt sich im Idealfall nun stetig, aber unauffällig nach und nach aus.
– die IT-Techniker: Sie lenken die Geschicke meist unterwegs, wenn Informationen schnell benötigt werden. Ihre Endgeräte haben immer ausreichende Akku-Kapazitäten, wenn andere längst erschöpft sind.
Ich muss zugeben, dass ich in diesem Jahr eine eher passive Rolle einnehme. Ich schätze es außerordentlich, mich leiten und lenken zu lassen und mich um nichts kümmern zu müssen. Insbesondere die zweite Position in unserem Konvoi ist eine überaus angenehme Begleiterscheinung, die ich ja schon öfter genossen habe. Insgesamt ein Zustand, den ich in dieser Form nur aus dem Urlaub kenne, der aber enorm zu einer erwünschten Entspannung beiträgt.