The Slow Show

Am Samstagabend haben The Slow Show ein wunderbares Konzert in Hamburg gegeben und ich war dabei! Der geneigte Leser weiß, dass ich ein großer Fan von Gin Kiss bin. The Slow Show aber ist eine Band, die mich genauso begeistert. Genauer genommen haben mich die Musiker aus Manchester über die letzten Wochen und Monate nach sehr anstrengenden Tagen mit wenigen Takten immer vollkommen entspannen können. Es reichen wenige Worte von Rob Goodwin und seiner unverwechselbaren Stimme und alle Anspannung ist dahin.

Zu verdanken habe ich diese Entdeckung dem erlesenen Soundtrack von „Kitchen Impossible“.

Seit dem ersten Hören eines ihrer bekanntesten Stücke „Breaks Today“ war ich ihrem Sound verfallen. Unzählige Male habe ich die gesamte Playlist schon gehört. Auf meinem kurzen Arbeitsweg komme ich selten über 4 oder 5 Stücke hinaus. Aber selbst die stetige Wiederholung kann den Bann nicht brechen, ich kann immer wieder problemlos und unmittelbar in die Stimmung eintauchen. Inhaltlich ist meist von zerbrochener, verlorener oder unglücklicher Liebe die Rede. Aber das stört mich nicht. Mir spenden die Lieder Ruhe und lassen mich abschalten.

Während des Konzertes habe ich bemerkt, dass ich noch nicht einmal jede Melodie einem Titel zuordnen kann. Darauf achte ich meist gar nicht. Natürlich weiß ich während der letzten Töne eines Titels sofort, welcher gleich folgen wird. Ich weiß auch bei „Die drei ???“-Folgen bis Nummer 35 meist, was einer der drei Ermittler antworten wird, weil ich die Folgen so oft gehört habe. Vielleicht ist es eine Folge der Entspannung, dass es mich gar nicht interessiert, wovon genau gesungen wird. Ich hatte auch eine ganz andere Vorstellung von den Musikern selbst. Es passiert ja oft, dass das Kopfkino mit der Realität überspielt wird. Oder gedankliche Romanfiguren durch eine Verfilmung ersetzt werden. Manche Filme schaue ich mir aus Angst davor gar nicht erst an. Manchmal bleiben mir meine eigenen Bilder aber auch erhalten. In diesem Fall allerdings überhaupt nicht. Herr Goodwin hat eine so tiefe Stimme, dass ich mein Bild von ihm aus verschiedenen Männern wie James Earl Jones oder Alan Rickman zusammengesetzt hatte. Auf der Bühne aber Stand eine Mischung aus Michael Stipe und Tobey Maguire. Und eine erkennbar zarte Künstlerseele. Ein beeindruckender Mann, der zwischen seinen Bandmitgliedern schon deshalb hervorsticht, weil man ihren Beruf nicht allen direkt ansieht. Einzig der Schlagzeuger sieht mit seinem langen lockigen Haar, dass er im Takt schüttelt, aus wie ein Musiker. Der Pianist gleicht einem Anästhesisten und der Gitarrist eher einem Juristen. Jahrelanges Verfolgen von „Emergency Room“ und „The Guardian“ hat da wohl seinen Einfluss auf meine Assoziationen.

Für diesen musikalischen Abend in einer angenehm kleinen Location vergebe ich die Bestnote.

Hinterlasse einen Kommentar