Hometown glory

In wenigen Wochen steht ein Umzug an. Nach fast 30 Jahren in der großen Stadt geht es zurück in eine kleine Stadt. Darauf gewettet hätte ich nicht und der Impuls kam seinerzeit auch nicht von mir. Aber nachdem ich die grundsätzliche Entscheidung für ein Haus außerhalb der Großstadtgrenzen schon vor Jahren einvernehmlich getroffen hatte, war das Ja zu unserem neuen alten Haus umso schneller ausgesprochen. Denn hier stimmt einfach alles: Die Menschen, die Lage, das Städtchen mit seinem altehrwürdigen Charme, die Aussichten und die Ansichten.

Derzeit laufen noch notwendige Schönheitsreparaturen, in etwa 4 Wochen können wir dann aber an einen Umzug denken. Und wie man weiß, vergehen geschäftige Wochen oft so schnell wie ein Wimpernschlag. Wie der Zufall will, sind wir im Augenblick recht oft außerhalb der Stadt unterwegs und kehren meist abends immer wieder auf vertrauten Wegen zur Wohnung zurück. Aufgrund der bevorstehenden Veränderungen muss ich oft überlegen, wann ich einen Weg wohl zum letzten Mal in dieser Form und mit dem Ziel der derzeit noch heimatlichen Wohnung beschreite.

Das birgt eine seltsame Sentimentalität in sich. Es gibt jedenfalls Dinge, die man nie so ganz zu vergessen scheint. Vielleicht liegt es auch daran, dass die schiere Zahl der Begehungen zur Schule oder zur Arbeit dafür sorgt, dass sie ein Teil des Lebens werden, den das Gedächtnis nicht wieder hergibt.

Ich kann noch nicht genau sagen, ob es mir fehlen wird, meine Heimat über das Autobahnkreuz Nord-West zu erreichen, wo die Einfahrt inzwischen voll ausgebaut und lärmabweisend möglich ist. Ich vermag nicht zu zählen, wie oft ich dort gefahren bin, wo es heute mit 5 Spuren direkt L.A.esk anmutet und gen Süden führt. Genauso oft war ich in der anderen Richtung unterwegs und habe mich einer der meistgenutzten Autobahnabfahrten der Stadt vom Elbtunnel kommend genähert. Aus dieser Perspektive wusste die Dritte im Bunde im Kleinkindalter schon immer rechtzeitig, dass wir gleich zu Hause sein würden. Ihr Fixpunkt war lange Zeit das Gebäude einer Versicherungsgesellschaft und in ihrer Welt das Hamburg-Haus.

Ebenso oft habe ich mich mit dem öffentlichen Nahverkehr in der Stadt bewegt. Grob überschlagen werde ich den U-Bahnsteig am Zoo etwa 5.000 Mal betreten haben. Auch das wird in Zukunft seinen gewohnten Charakter verlieren und etwas Besonderes werden. So wehmütig das klingt, ich möchte es nicht bedauern. Es ist Zeit für etwas Neues und die Gelegenheit, meinen Alltag der letzten Jahrzehnte in das Regalfach der schönen Erinnerungen zu stellen.

In diesem Fach steht auch ein Weihnachtsgebäck, das meine Oma immer zubereitet hat und dem ich mich selbst nie wirklich nähern konnte, weil das Rezept leider verloren gegangen ist. Gestern wurde ich im Rahmen einer Familienfeier aber mit einer Dose eben dieser Leckerei überrascht! Und die Originalrezeptur einer anderen Bäckerin gab es außerdem dazu. Welch eine Freude, die ich heute Morgen mit einem Glas Milch genossen habe, ganz so, wie der nordamerikanische Weihnachtsmann es wohl auch mag. Meine Weihnachtssaison jedenfalls ist nun schon eine Woche früher eingeläutet als gedacht. Sie wird am nächsten Wochenende mit der traditionellen Weihnachtsbäckerei fortgesetzt, die seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil meiner magischen letzten Wochen des Jahres ist.

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