„Die Realität hat keinen Platz in unserer Welt“

Zitat von Lorelai Gilmore in „Gilmore Girls“

Es ist geschafft, wir sind umgezogen. Zwischenzeitlich taten sich so viele Hürden auf, dass wir schon Zweifel hatten, es wirklich noch vor Weihnachten über die Bühne bringen zu können. Zuerst hat uns eine Corona-Infektion eine Woche aus dem Verkehr gezogen. Zeit, die wir eigentlich für das Einpacken unserer Habseligkeiten eingeplant hatten. Nun sind wir höchstens zu einem Drittel Sammler und Aufbewahrer. Es war aber sehr erschreckend, wie viel Zeug der urbane Mensch besitzt. Unzählige Müllsäcke habe ich aus der Wohnung getragen, nachdem sie mit Aussortiertem gefüllt wurden. Eine Leere wollte sich trotzdem nicht einstellen. Weder in den Regalen noch in den Schränken. Es gibt auch so viele voluminöse Gegenstände, die zwar nicht allzuoft genutzt werden, aber dennoch unverzichtbar sind. Dazu gehören die Salatschleuder genauso wie die Schuhputzkiste. Mein Fazit ist hier: Wir haben eindeutig zu viele Dinge. Man müsste auch mit weniger auskommen können.

Anschließend musste der Maler fertig werden. Wie bei größeren Bauarbeiten üblich, gab es auch hier die eine oder andere Unwägbarkeit. Die Beleuchtungsanlage ist überaltert und es lassen sich nur schwer Ersatzteile besorgen. Die Marmor-Fußleisten wurden nur an freiliegenden Stellen verlegt. Solche Sachen. Keine Katastrophen, aber Hindernisse, die beseitigt werden wollen.

Und dann der Abbau in der alten Wohnung. Mengen von Kabeln und Steckern und Schrauben müssen geordnet verpackt werden. Ich verbrauche eine große Zahl an Tütchen und hoffe, wenn ich nur alles beschrifte, dann wird es schon gehen.

Am Tag des Umzugs kommen leicht verspätet zwei nette junge Herren, die eigentlich zu viert sein sollten. Aber auch bei ihnen greifen Winterkrankheiten um sich. Sie schaffen es dennoch in atemberaubender Geschwindigkeit, alles einzusammeln, was transportiert werden soll. Und am späten Nachmittag ist dann auch alles wieder abgestellt im neuen Haus.

Gegen den Zustand des Abgestelltseins kämpfen wir nun einige Tage an so gut es geht. Vieles braucht einfach viel Zeit: Ein Plissee anzubringen, ist nicht in 10 Minuten erledigt. Den Renovierungsschmutz aus den Bädern zu entfernen, ist nach einem Putzgang noch nicht erledigt.

Weil aber Weihnachten naht, müssen wir auch außerhalb des Hauses Dinge erledigen und zum Beispiel einkaufen. Und dabei zeigt sich, in was für einen entzückenden Ort wir gezogen sind. Beim Einkaufen im Supermarkt richten sich die Menschen gegenseitig Grüße aus und sind einander überwiegend bekannt. Das habe ich schon ewig nicht mehr erlebt. Ob ich das immer angenehm finde, weiß ich noch nicht, aber mich kennt ja hier bislang kaum jemand. Es gibt überhaupt sehr viele Parallelen zu Stars Hollow aus den „Gilmore Girls“. Ich bin für Besorgungen auch im Stadtkern unterwegs, wo sich ein hübsches Lädchen an das andere reiht. Und ich spreche beim Einkaufen in jedem Laden mehr Worte als ich an einem Shoppingsamstag in Hamburg insgesamt gebrauche. Das gefällt mir überraschenderweise sehr gut. Jedenfalls sind alle überaus freundlich und irgendwie auch witzig. Über die meisten Scherze muss ich wirklich schmunzeln. Ich muss sagen, schöner kann man nicht empfangen werden. Dagegen kommt auch das grauenhafte Wetter, das inzwischen sehr an meinen Nerven zehrt, nicht an. Es wird einfach weggelächelt.

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